Fischotter (Lutra lutra LINNAEUS 1758)
Eurasian Otter / Common Otter
Wildtier des Jahres 1999
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Landraubtiere (Fissipedia)
Überfamilie: Marder- und Bärenartige (Arctoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Gattung: Altweltotter (Lutra)
Schon frühzeitig wurde der Fischotter (Lutra lutra) aufgrund seines Felles von den Menschen bejagt. Mit Aufnahme der intensiven Fisch- und Teichwirtschaft wurde er als "Schädling" deklariert und erbarmungslos mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bejagt. Die Otter wurden von den Fischern und den sogenannten "Otterjägern" in Schlageisen gefangen, vergiftet, erschlagen und erschossen, wo immer man sie traf. Noch 1914 in Deutschland tötete man auf diese Art und Weise 10.000 Otter. Dieser Vernichtungsfeldzug, gekoppelt mit der zunehmenden Wasserverschmutzung und Lebensraumzerstörung, führte dazu, dass für den Fischotter in allen europäischen Ländern ein dramatischer Bestandsrückgang festzustellen war. Mittlerweile ist der Fischotter zwar in fast allen Ländern streng geschützt. Trotzdem kann der Bestandsrückgang anscheinend nicht aufgehalten werden.
Vorkommen
Zu den Ottern zählt man 13 Arten in 4 Gattungen. Der Eurasische Fischotter kommt in ganz Europa bis zum Polarkreis mit Ausnahme von Island und den Mittelmeerinseln vor. Außerdem besiedelt er Nordafrika (Marokko und Algerien), Kleinasien, große Teile Asiens mit Ausnahme der Wüsten und Steppen bis Japan.
Biotop
Der Fischotter bewohnt stehende und fließende Gewässer mit dicht bewachsener Ufervegetation wie Seen, Flüsse, Teiche, Bäche, Sumpfgebiete, Moore und sogar Meeresküsten. Er kommt auch im Gebirge bis zu einer Höhe von 2.500 m vor. Das Revier der Männchen hat eine Größe von 15 bis 20 km Flusslänge, in dem der Otter nachts bis zu 40 km zurücklegt. Das Revier ist durch sogenannte "Ottersteige" kenntlich, die als Ein- und Ausstiege aus dem Wasser dienen.
Wanderungen
Während seiner Wanderungen, die auch zur Besiedlung neuer Reviere führen, ist der Otter nicht nur an das Wasser gebunden. Er überwindet dabei Wasserscheiden und durchquert Felder und Wälder. Die Reviere werden durch Kotmarken markiert, an denen die Tiere über ihr sehr gutes Geruchsvermögen Informationen über Weibchen sowie Nachbarn erhalten, die ihnen auch Zustand und Stärke des jeweiligen Tieres verraten.
Merkmale
Der Fischotter hat einen langgestreckten walzenförmigen Körper (0,60 – 0,95 m lang) mit rundlichem, sich zur Spitze verjüngenden Schwanz (0,25 – 0,55 m lang). Die gesamte Körperlänge – von Nase bis Schwanz - beträgt 1,20 – 1,30 m, die Schulterhöhe beträgt 0,30 m. Die verschließbaren Ohren und die Augen sind klein und zwischen den Zehen der Vorder- und Hinterfüße sind Schwimmhäute ausgebildet, die Sohlen sind nackt.
Der breite, flache Kopf ist an der Schnauze mit bis zu 7 cm langen Barthaaren ausgestattet. Fischotter können zwischen 7 bis 15 kg schwer werden, wobei die männlichen Tiere immer größer und schwerer als die weiblichen sind. Die Weibchen besitzen 3 Paar Zitzen.
Das dichte, mit feiner Unterwolle versehene, glänzende Fell ist oberseits dunkelbraun und unterseits hellbraun gefärbt. Im Alter werden Kopfseiten, Ohrränder, Hals, Kinn und Kehle weißlich. An der Rückseite des Felles befinden sich bis zu 30.000 Haare / cm2 und an der Bauchseite bis zu 50.000 Haare / cm2.
Der Fischotter kann 5 min lang unter Wasser bleiben und bis zu 10 m tief tauchen. Auch unter Wasser kann er sich sehr gut optisch orientieren und Farben sehen. Im trüben Wasser helfen ihm seine Tasthaare an der Schnauze zum Aufspüren von Beutetieren.
Das höchste bisher festgestellte Alter eines Fischotters betrug 19 Jahre.
Nahrung
Täglich nimmt der Fischotter 300 bis 750 g Nahrung zu sich. Sein Speisezettel ist sehr abwechslungsreich und umfasst neben seiner Hauptnahrung – Fische aller Art – Wasservögel (z. B. Enten, Bläßrallen), Kleinsäuger (z. B. Schermäuse, Bisams), Krebse, Frösche, Muscheln, Schnecken, Würmer, sowie Wasserinsekten und deren Larven (Libellen, Käfer, Köcherfliegen).
Zur Abwechslung nimmt der Fischotter aber auch pflanzliche Nahrung auf. Dazu zählen Waldfrüchte (z. B. Hagebutten, Vogel- und Blaubeeren) und Nüsse.
Fortpflanzung
Eine feste Ranzzeit wie bei den anderen Arten der Marderartigen scheint es bei den Fischottern nicht zu geben, da auch im Winter Geburten bzw. Jungtiere beobachtet wurden. Die Paarung der Otter findet meist im Wasser statt.
Nach einer Tragzeit von rund zwei Monaten werden die 2 bis 4 Jungen im mit Gras oder Moos ausgepolsterten Wohnkessel des Baus zur Welt gebracht. Dieser wird entweder selbständig in die Uferböschung gegraben, oder es werden alte Kaninchen-, Fuchs- bzw. Dachsbaue in Ufernähe genutzt. Der Einschlupf befindet sich unter der Wasseroberfläche und der Wohnkessel immer über der Hochwassergrenze, Luftschächte führen zur Erdoberfläche. Die Jungen sind bei der Geburt 15 cm groß, zahnlos und blind. Nach 28 bis 35 Tagen öffnen sie zum ersten Mal die Augen und nach 6 Wochen schwimmen sie erstmals. Ab der 8. Woche werden sie nicht mehr gesäugt und werden erst im Alter von 8 bis 9 Monaten selbständig, da sie die Jagd nach Beute erst vom Muttertier erlernen. Die Geschlechtsreife erlangen sie nach 2 bis 3 Jahren.
Bestand
Der Fischotter wird in Deutschland in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten in der höchsten Kategorie "als vom Aussterben bedroht" eingestuft. Die Zahl der Fischotter in Deutschland wird derzeitig auf 700 Exemplare geschätzt. Davon leben ca. 500 Otter im Osten Deutschlands. Der Hauptbestand befindet sich in Sachsen in der Lausitzer Teichlandschaft. In Sachsen / Anhalt besiedelt der Fischotter vor allem den Drömling und, wie seit 1996 spektakulärerweise bekannt und eindeutig belegt, auch den Bereich der Alten Elbe in Magdeburg. Der Bestand im Westen siedelt zum Großteil an bayerischen Gebirgsbächen.
Gefahren und Lebensraumzerstörungen:
- wasserbauliche Maßnahmen wie Fluss- und Bachregulierungen
- Umweltgifte, die zur Unfruchtbarkeit führen
- energiewirtschaftliche Nutzung der Gewässer
- Abholzung der Ufervegetation
- Trockenlegung von Gewässern
Als Todesursachen treten für Fischotter folgende Faktoren auf:
- Fischreusen, in denen die Otter ertrinken
- Straßenverkehr
- wildernde Hunde
- illegale Jagd (Fang mit Schlageisen und Abschuss)
- Erstickung unter der Eisdecke im Winter
© Dirk Schäffer (2004)
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