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Feldhase (Lepus europaeus PALLAS, 1778)

Hare

Ordnung: Hasentiere (Lagomorpha)
  Familie: Hasen (Leporidae)
 Gattung: Echte Hasen (Lepus)

Der Feldhase ist ein typischer Kulturfolger, der sich durch die großen Waldrodungen und den dadurch bedingten Ackerbau ideale Lebensräume erschließen konnte. Dies wird ihm nun zum Verhängnis. Die einschneidenden Veränderungen, die durch die Intensivierung in der Landwirtschaft hervorgerufen wurden, haben den Hasen nun zu einem bedrohten Tier der Roten Liste werden lassen. Kein anderes deutsches Wildtier sorgte dadurch für so viel Furore wie der Hase. Jäger, Bauern und Naturschützer sind in einem schier endlosen Streit über Ursachen und Gegenmaßnahmen verfangen, bei dem kein Ende abzusehen ist.
Bereits bei den Germanen war der Feldhase aufgrund seiner wilden Paarungsspiele im Frühjahr und der damit verbundenen Fruchtbarkeit ein beliebtes Symboltier. Er wurde so zum Lieblingstier der Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara gekürt. Vermutlich wurde so über die Jahre hinweg das Brauchtum um den "Osterhasen" erschaffen.



Vorkommen

Der Feldhase besiedelt die Wälder und Kultursteppen Eurasiens. Angesiedelt wurde er in Irland, Schweden, Finnland und auch in Südamerika, Neuseeland sowie in Australien wurde er eingeführt.

Biotop

Mit der Rodung der Wälder und der Verbreitung des Ackerbaues fand der Hase besonders in Mitteleuropa ausgezeichnete Lebensbedingungen vor. Er bevorzugt die offenen Landschaften und meidet reine Nadelwälder. Er kommt aber auch in Sümpfen, Dünengebieten und im Gebirge bis 1.800 m Höhe vor.

Merkmale

Das Gewicht des Feldhasen liegt zwischen 2,5 und 7,0 kg und kann auch noch darüber liegen. Er kann 0,50 bis 0,70 m lang werden, wobei noch 7,0 bis 12,5 cm Schwanz hinzukommen.
Die Häsinnen sind für gewöhnlich größer als die Rammler.
Die Oberseite des Feldhasenfelles ist gelblich- bis braungrau und die Seiten sind deutlich rostgelb gefärbt. Allgemein ist das Fell zum Sommer gelblich braun, im Herbst kastanienbraun und bleicht zum Winter in hellgrau bis weißlich aus. Der Schwanz - auch "Blume" genannt - ist oben dunkel bis schwarz und unten weiß. Wird er aufgestellt leuchtet die "weiße Blume", dies ist z. B. ein Zeichen für Gefahr. Der Kopf wird durch große Augen, weiße Schnurrhaare und die markanten langen Ohren charakterisiert. Legt der Hase die 9,0 bis 15,0 langen Ohren nach vorn an den Kopf an, reichen diese bis zur Schnauzenspitze.
Hasen sind Fluchttiere, die mithilfe ihrer kräftigen Hinterläufe Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen können und bis zu 2,0 m hohe bzw. 2,70 m weite Sprünge absolvieren können.


Der Feldhase kann ein Alter von bis zu 12 Jahren erreichen.

Nahrung

Feldhasen ernähren sich von Wurzeln, Knospen, Früchten, Rinde, Pilzen, Gemüse, Getreidesprossen, Kräutern und Gräsern. So wurden 77 Wildpflanzenarten auf ihrem Speisezettel nachgewiesen. Darunter sind solche Pflanzen, wie z. B. Löwenzahn, Gänseblümchen, Wilde Möhre, Habichtskraut, Hahnenfuß, Sauerampfer, Hirtentäschel oder Schafgarbe. Der Großteil dieser Pflanzen ist nitrophob (stickstoffmeidend). Diese Pflanzen brauch der Hase aber zur Gesunderhaltung. Nimmt er verstärkt nitrophile (stickstoffliebende) Pflanzen auf, kann er die darin enthaltenen Aminosäuren und Proteine nur unzureichend zur Verdauung nutzen.
Auch der eigene Kot wird zur Ernährung mit herangezogen, um eine bestimmte Darmfauna und –flora am Leben zu halten. Wird der Hase daran gehindert, seinen eigenen Kot zu fressen, dann wird er nach kurzer Zeit verenden.

Fortpflanzung

Die Paarung der Hasen erfolgt vom frühen Winter bis in den Oktober hinein. Im Frühjahr allerdings, wenn im April und Mai die Vegetation zu sprießen beginnt, dann kann man die wilden Paarungstänze der Hasen beobachten. Die Rammler sammeln sich in Gruppen und liefern sich mit den Häsinnen wilde Verfolgungsjagden. Das eigentliche Paarungszeremoniell ist eher ein wilder Boxkampf, bei dem sich beide Partner auf den Hinterbeinen gegenüberstehen und dann mit den Vorderpfoten aufeinander einboxen. Nach einer Tragezeit von 6 Wochen setzt die Häsin ein bis fünf Junge, die ein Geburtsgewicht von 130 g haben. Im Uterus der Häsin können sich Embryonen verschiedener Entwicklungsstadien befinden und so können sie bis zu vier Würfe im Jahr haben. Dabei werden beim ersten Wurf meist nur 2 bis 3 Junge gesetzt. Diese kommen in einer sogenannten "Sasse" zur Welt. Dies ist eine an einem verstecktem Ort - wie z. B. Ackerfurchen oder -rändern, unter Gebüschen, Wiesen, Grabenränder - von der Häsin gescharrte Mulde oder Kuhle. Aber auch in alten Autoreifen wurden schon junge Feldhasen entdeckt. Die Sasse ist mit Bauchhaaren der Häsin gepolstert und wird von dieser gleich nach der Geburt der Jungen verlassen. Die kleinen bereits behaarten Hasen können sofort nach der Geburt sehen, laufen und suchen sich eigene, getrennte Verstecke. Sie gehören zu den sogenannten Nestflüchtern. Die Häsin kommt dann nur noch in der Nacht zum Säugen der Jungen, damit keiner der vielen Feinde auf diese aufmerksam wird. Nach einer Säugezeit von drei Wochen kann die erste feste Nahrung aufgenommen werden. Mit Ende des ersten Lebensjahres sind die Junghasen geschlechtsreif, wenn sie Kälteeinbrüche überlebt haben und ihren vielen Feinden entkommen sind. Zu disen Fressfeinden zählen: Luchs, Wolf, Fuchs, Marder, Hermelin, wildernde Hunde und Katzen, Adler, Uhu, Habicht, Bussarde, Rabenvögel u. a.

Bestand

Das aussagefähigste Zahlenmaterial über die Feldhasenbestände liefern immer noch die Jagdstatistiken. Wurden 1973 in Deutschland noch 1.000.363 Hasen erlegt, waren es 1993 nur noch 548.000. Trotz der zunehmend niedrigeren Strecken, wurden die Bestände weiterhin zu hoch angesetzt. So kam es mit dem Anbau der giftigen 00-Rapssorte ab 1986 zu noch stärkeren Bestandseinbußen.
Der Feldhase hat als Kulturfolger unter den gewaltigen Veränderungen zu leiden, die sich aus der Umwandlung der Agro-Ökosysteme in intensiv bewirtschaftete Ackerflächen ergeben haben. Die genauen Ursachen, die für den dramatischen Rückgang des Hasen, vom intensiv genutzten Jagdwild zum Tier der Roten Liste, verantworten, sind zwar mittlerweile erkannt worden, werden aber immer noch heftig und kontrovers diskutiert. Besonders die Verluste durch die Ernte- und Mähmaschinen, in denen jedes Jahr ein Großteil der Junghasen qualvoll verendet bzw. verstümmelt wird, reißen jedes Jahr gewaltige Lücken in die instabilen Populationen. Den Rest erledigt der enorm angestiegene Verkehr auf den Straßen.
Im Einzelnen ergeben sich folgende Aspekte, die in der jüngsten Zeit als Faktoren für den Bestandsrückgang verantwortlich gemacht werden:
These 1- Eine potentielle Unfruchtbarkeit der Rammler aufgrund des Einsatzes von Agrochemikalien mit östrogenähnlicher Wirkung, die auch zu Mißbildungen an den Geschlechtsorganen führen. Aktuelle Untersuchungen zeigten aber, das sowohl das Ejakulat der Rammler und deren Geschlechtsorgane als auch die Anzahl der Embryonen der Häsinnen im Normalbereich liegen.
These 2 - Der Einsatz von Herbiziden zur "Unkrautbekämpfung" in den Ackerkulturen führt zu einer - mittlerweile unbestrittenen - Verarmung der Wildkräuter in der Feldflur. Genau diese fehlenden Kräuter benötigen vor allem die Junghasen für eine gesunde Ernährung und zum Aufbau einer arttypischen Magen- und Darmbakteriengesellschaft. Stellenweise werden aber vor allem Junghasen durch Pflanzenschutzmittel u. a. Gifte getötet.
These 3 – Die Übervermehrung des Fuchses, die durch die erfolgreiche Bekämpfung der Tollwut und unattraktive Pelzpreise und damit abnehmender Jagd verursacht wird, schafft einen überhöhten Feinddruck, der durch fehlende Versteckmöglichkeiten noch verstärkt wird.
Letztendlich ergeben aber alle Faktoren zusammen für die Hasenbestände eine tödliche Mischung, die ohne menschliche Schutzmaßnahmen zu einer weiteren Bestandsabnahme führen wird.


© Dirk Schäffer (01/2004, aktualisiert 02/2011)

Stichworte: Feldhase, Hare, Hasen, Hasentiere, Jagd

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