Zitronenzeisig (Carduelis citrinella PALLAS 1764)
Citril Finch
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Finken (Fringillidae)
Gattung: Carduelis Brisson 1760
Der Zitronenzeisig (Carduelis citrinella) ist in Deutschland ein seltener Singvogel. Er kommt nur noch in den Alpen und in den Hochlagen des Schwarzwaldes als Brutvogel vor, wobei dieser Bestand immer kleiner wird.
Früher wurde diese Finkenart auch Zitronenfink genannt, später als Zitronengirlitz (Serinus citrinella) bezeichnet und der Gattung Girlitze (Serinus Koch 1816) zugeordnet.
Vorkommen
Der Zitronenzeisig hat ein sehr aufgesplittertes inselartiges Verbreitungsgebiet und lebt hauptsächlich in den waldigen Gebirgszonen Mittel- und Südwesteuropas. Er ist bei uns im Alpenraum zwischen 1.100 m NN und 1.400 m NN, also im Bereich der Baumgrenze, anzutreffen. Dabei wird er von Osten nach Westen immer häufiger. Ein einziges außeralpines Vorkommen in Deutschland liegt im Schwarzwald. Dort siedelt der Zitronenzeisig vorwiegend in Höhen zwischen 800 m NN und 1.500 m NN. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Spanien. Die Populationen von Korsika, Elba und Sardinien (corsicana) werden gelegentlich bereits als getrennte Art angesehen.
Biotop
Das typische Brutbiotop sind subalpine, lichte Nadelbaumbestände. Auch locker stehende Einzelbäume an Waldrändern oder an der Baumgrenze mit einem hohen Anteil an Offenflächen, wie extensive Weiden, Magerwiesen, Moorflächen u. a.
Mitunter werden Parkanlagen und Baumgruppen in Bergdörfern und alpinen Kurorten besiedelt. Wichtig ist eine üppige Krautschicht, die entsprechende Sämereien bietet.
Wanderungen
Der Zitronenzeisig ist ein Kurzstreckenzieher. Zu Beginn des Winters streichen die Vögel in kleinen Scharen in die geschützten Täler, wo sie bessere Lebensbedingungen vorfinden.
Häufig sind die Zitronenzeisige dann in gemischten Trupps mit Birken- und Erlenzeisigen anzutreffen. Überwiegend zwischen Oktober und Dezember kann man Zitronenzeisige auch in den anderen Mittelgebirgen als unregelmäßige Gäste beobachten.
Bei starken Schneefällen und Kälteeinbrüchen ziehen die meisten Zitronenzeisige aber Mitte September bis November in tiefer gelegene, ähnliche Bergbiotope ab und kommen im Februar bis in den April hinein zurück.
Merkmale
Der Zitronenzeisig ist ein zeisiggroßer, gelblichgrüner Singvogel.
Die unscheinbaren Weibchen wirken etwas dunkler und verwaschener als die Männchen (s. Tabelle 1).
Die Stimme des Zitronenzeisigs klingt metallisch und schwermütig.
Typisch ist der Balzflug zur Paarungszeit, wobei die Männchen ein stieglitzähnliches zirpendes Zwitschern hören lassen. Eine Strophe setzt sich aus flötenden und klirrenden Tönen zusammen, die an den verwandten Girlitz erinnern. Im Gegensatz zu diesem ist der Gesang aber langsamer und wird in einer tieferen Frequenzlage vorgetragen.
Tab. 1: Aussehen und Merkmale des Zitronenzeisig.
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Merkmal / Farbe |
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Männchen |
Weibchen |
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Größe / Gewicht |
12,5 cm groß und 15g schwer |
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Hinterkopf |
grau |
Oberkopf graubraun |
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Stirn |
gelblichgrün |
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Scheitelmitte |
gelblichgrün |
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Iris |
dunkelbraun |
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Kinn |
grünlich zitronengelb mit dunkler Basis und hellgrauer Spitze |
gelblichgrün |
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Kehle |
gelblich graubraun, vordere Kehle gelblichgrün |
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Schnabel |
grau |
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Hals |
graue Seiten |
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Nacken |
grau |
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Rücken |
olivgrün, Vorderrücken aschgrau-grünlich |
Mittelrücken und Schulter graubraun |
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Bürzel |
intensiv zitronengelb |
zitronengelb mit grauem Anflug |
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Brust |
zitronengelb, Vorderbrust mit gräulichem Anflug |
fahl zitronengelb mit grauem Anflug |
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Bauch |
zitronengelb |
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Flanken |
zitronengelb mit gräulichem Anflug |
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Flügel |
dunkelbraun, deutliche grüne Flügelbinden |
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Flügelunterseite |
graubeige mit gelbgrünem Anflug |
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Füße |
dunkel graubraun |
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Schwanz |
lang und tief gekerbt |
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Nahrung
Zitronenzeisige fressen vor allem Samen von Fichten, Bergkiefern, Tannen, Erlen und Birken. Die Nadelbaumsamen holen die Vögel mit ihrem Schnabel wie mit einer Pinzette aus den Zapfen heraus. Ebenso zählen auch Weidenpollen, Blütenteile der Bergkiefer und von Kräutern zur Nahrung. Vor allem ab Juli und im Frühjahr, wenn sie der Schnee freigibt, werden die Samen diverser Wildkräuter (Löwenzahn, Vogelmiere, Thymian u. a.), Hahnenfußgewächse, Ampfer, Gamander, Binsen, Seggen und Gräser gefressen.
Im Sommer werden Blattläuse, kleine Insekten und Schmetterlingsraupen erbeutet, die auch an die Jungen verfüttert werden.
Brutbiologie
Das Nest wird versteckt auf Ästen oder am Stamm von Nadelbäumen vom Weibchen gebaut und durch das Hineinweben von Flechten und Moos gut an die Umgebung angepasst.
Bevorzugter Brutbaum ist die Fichte. Die Nestbasis besteht vor allem aus kleinen Wurzeln, Kräuterstängeln und Zweigstücken. Ausgepolstert wird das Nest mit feinen Haaren, Grannen, Spinnenweben, Wollfäden, Federchen und Flugapparaten von Samen.
Die Brutzeit erstreckt sich gewöhnlich von April bis Ende Mai. Manchmal werden bei günstiger Witterung bereits im Februar/März vier bis fünf blassblaugrüne fast weiße Eier mit braunroten bis violetten Punkten gelegt. Während das Weibchen brütet, wird es vom Männchen gefüttert.
Die Jungen werden mit den halbreifen Samen von Huflattich, Löwenzahn, Wiesenknäuelgras, Vergissmeinnicht, Hirtentäschel, Vogelmiere, Gänse- und Kratzdisteln gefüttert. Während der Aufzucht werden sie aber auch mit Insekten versorgt.
Nach 16 bis 17 Tagen verlassen die Jungen das Nest und werden von den Eltern bis zur vollen Selbständigkeit gefüttert und betreut.
Im Aussehen ähneln die Jungvögel anfangs den Weibchen, sind aber bräunlich gesprenkelter und noch ohne das leuchtende olivgrün und zitronengelb im Gefieder.
Der Zitronenzeisig brütet in der Regel einmal im Jahr. Ausnahmsweise finden zwei Bruten im Jahr statt.
Bestand
Früher hat der Zitronenzeisig von den Rodungen der Wälder und der extensiven Waldweide profitiert, da er so die Samen vieler Pflanzen des Weidelandes nutzen konnte.
In der Roten Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen in der Bundesrepublik Deutschland war der Zitronenzeisig bereits als „potentiell gefährdet“ eingestuft worden. Dann hatten sich die Bestände erholt und die Art galt als nicht gefährdet.
Leider sind aber nach den neuesten Erkenntnissen die Bestände im nördlichen Schwarzwald nahezu verschwunden und die Art kommt als Brutvogel nur noch im südlichen Schwarzwald vor. Auch in den anderen Brutgebieten der Alpen sind die Populationen rückläufig.
Geschätzt werden 250.000 bis 280.000 Brutpaare, die sich auf Südwesteuropa verteilen. Mehr als 80 % davon lebt in Spanien.
Für die deutsche Population werden 3.600 bis 5.700 Brutpaare mit fallender Tendenz angenommen. Im Schwarzwald wurden Ende der 80iger Jahre 800 Brutpaare geschätzt.
Als Ursachen werden Veränderungen im Lebensraum durch großflächige Aufforstungen von Waldbrachen und Wiesen sowie die Abkehr von der traditionellen Land- und Waldwirtschaft vermutet. Die noch vorhandenen Weideflächen werden als Intensivgrünland gedüngt und bearbeitet. Pisten werden maschinell gepflegt und befahren. Dies führt einerseits zu einer Verarmung der Krautflora und andererseits dazu, dass die Pflanzen nicht mehr fruchten.
Zudem führt die Klimaerwärmung zu einem früheren Beginn der Vegetationsperiode und damit zu einer zeitlichen Verschiebung im Nahrungsangebot. Die Zunahme von starken Regenfällen im Frühjahr dürften zudem einen negativen Einfluss auf den Bruterfolg haben. Der abnehmende Bestand in den Nordalpen führt außerdem zu einem verringerten Austausch von Jungvögeln mit der Population im Schwarzwald.
Um diesen negativen Trend umzukehren, sind umfangreiche Ursachenforschungen erforderlich, da der Bestand auch durch das Angebot an Fichtensamen beeinflusst wird.
© Dirk Schäffer (12/2010)
Stichworte: Zitronenzeisig, Carduelis citrinella, Citril finch, Fink, Zeisig, Girlitz, Nadelwald, Schwarzwald, Klimaerwärmung, Bestandsrückgang
Zitronenzeisig (Carduelis citrinella, Pallas 1764)
Citril Finch
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Finken (Fringillidae)
Gattung: Carduelis Brisson 1760
Der Zitronenzeisig (Carduelis citrinella) ist in Deutschland ein seltener Singvogel. Er kommt nur noch in den Alpen und in den Hochlagen des Schwarzwaldes als Brutvogel vor, wobei dieser Bestand immer kleiner wird.
Früher wurde diese Finkenart auch Zitronenfink genannt, später als Zitronengirlitz (Serinus citrinella) bezeichnet und der Gattung Girlitze (Serinus Koch 1816) zugeordnet.
Vorkommen
Der Zitronenzeisig hat ein sehr aufgesplittertes inselartiges Verbreitungsgebiet und lebt hauptsächlich in den waldigen Gebirgszonen Mittel- und Südwesteuropas. Er ist bei uns im Alpenraum zwischen 1.100 m NN und 1.400 m NN, also im Bereich der Baumgrenze, anzutreffen. Dabei wird er von Osten nach Westen immer häufiger. Ein einziges außeralpines Vorkommen in Deutschland liegt im Schwarzwald. Dort siedelt der Zitronenzeisig vorwiegend in Höhen zwischen 800 m NN und 1.500 m NN. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Spanien. Die Populationen von Korsika, Elba und Sardinien (corsicana) werden gelegentlich bereits als getrennte Art angesehen.
Biotop
Das typische Brutbiotop sind subalpine, lichte Nadelbaumbestände. Auch locker stehende Einzelbäume an Waldrändern oder an der Baumgrenze mit einem hohen Anteil an Offenflächen, wie extensive Weiden, Magerwiesen, Moorflächen u. a.
Mitunter werden Parkanlagen und Baumgruppen in Bergdörfern und alpinen Kurorten besiedelt. Wichtig ist eine üppige Krautschicht, die entsprechende Sämereien bietet.
Wanderungen
Der Zitronenzeisig ist ein Kurzstreckenzieher. Zu Beginn des Winters streichen die Vögel in kleinen Scharen in die geschützten Täler, wo sie bessere Lebensbedingungen vorfinden.
Häufig sind die Zitronenzeisige dann in gemischten Trupps mit Birken- und Erlenzeisigen anzutreffen. Überwiegend zwischen Oktober und Dezember kann man Zitronenzeisige auch in den anderen Mittelgebirgen als unregelmäßige Gäste beobachten.
Bei starken Schneefällen und Kälteeinbrüchen ziehen die meisten Zitronenzeisige aber Mitte September bis November in tiefer gelegene, ähnliche Bergbiotope ab und kommen im Februar bis in den April hinein zurück.
Merkmale
Der Zitronenzeisig ist ein zeisiggroßer, gelblichgrüner Singvogel.
Die unscheinbaren Weibchen wirken etwas dunkler und verwaschener als die Männchen (s. Tabelle 1).
Die Stimme des Zitronenzeisigs klingt metallisch und schwermütig.
Typisch ist der Balzflug zur Paarungszeit, wobei die Männchen ein stieglitzähnliches zirpendes Zwitschern hören lassen. Eine Strophe setzt sich aus flötenden und klirrenden Tönen zusammen, die an den verwandten Girlitz erinnern. Im Gegensatz zu diesem ist der Gesang aber langsamer und wird in einer tieferen Frequenzlage vorgetragen.
Tab. 1: Aussehen und Merkmale des Zitronenzeisig.
Nahrung
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Größe / Körperteil |
Merkmal / Farbe |
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Männchen |
Weibchen |
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Größe / Gewicht |
12,5 cm groß und 15g schwer |
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Hinterkopf |
grau |
Oberkopf graubraun |
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Stirn |
gelblichgrün |
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Scheitelmitte |
gelblichgrün |
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Iris |
dunkelbraun |
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Kinn |
grünlich zitronengelb mit dunkler Basis und hellgrauer Spitze |
gelblichgrün |
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Kehle |
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gelblich graubraun, vordere Kehle gelblichgrün |
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Schnabel |
grau |
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Hals |
graue Seiten |
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Nacken |
grau |
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Rücken |
olivgrün, Vorderrücken aschgrau-grünlich |
Mittelrücken und Schulter graubraun |
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Bürzel |
intensiv zitronengelb |
zitronengelb mit grauem Anflug |
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Brust |
zitronengelb, Vorderbrust mit gräulichem Anflug |
fahl zitronengelb mit grauem Anflug |
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Bauch |
zitronengelb |
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Flanken |
zitronengelb mit gräulichem Anflug |
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Flügel |
dunkelbraun, deutliche grüne Flügelbinden |
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Flügelunterseite |
graubeige mit gelbgrünem Anflug |
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Füße |
dunkel graubraun |
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Schwanz |
lang und tief gekerbt |
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Zitronenzeisige fressen vor allem Samen von Fichten, Bergkiefern, Tannen, Erlen und Birken. Die Nadelbaumsamen holen die Vögel mit ihrem Schnabel wie mit einer Pinzette aus den Zapfen heraus. Ebenso zählen auch Weidenpollen, Blütenteile der Bergkiefer und von Kräutern zur Nahrung. Vor allem ab Juli und im Frühjahr, wenn sie der Schnee freigibt, werden die Samen diverser Wildkräuter (Löwenzahn, Vogelmiere, Thymian u. a.), Hahnenfußgewächse, Ampfer, Gamander, Binsen, Seggen und Gräser gefressen.
Im Sommer werden Blattläuse, kleine Insekten und Schmetterlingsraupen erbeutet, die auch an die Jungen verfüttert werden.
Brutbiologie
Das Nest wird versteckt auf Ästen oder am Stamm von Nadelbäumen vom Weibchen gebaut und durch das Hineinweben von Flechten und Moos gut an die Umgebung angepasst.
Bevorzugter Brutbaum ist die Fichte. Die Nestbasis besteht vor allem aus kleinen Wurzeln, Kräuterstängeln und Zweigstücken. Ausgepolstert wird das Nest mit feinen Haaren, Grannen, Spinnenweben, Wollfäden, Federchen und Flugapparaten von Samen.
Die Brutzeit erstreckt sich gewöhnlich von April bis Ende Mai. Manchmal werden bei günstiger Witterung bereits im Februar/März vier bis fünf blassblaugrüne fast weiße Eier mit braunroten bis violetten Punkten gelegt. Während das Weibchen brütet, wird es vom Männchen gefüttert.
Die Jungen werden mit den halbreifen Samen von Huflattich, Löwenzahn, Wiesenknäuelgras, Vergissmeinnicht, Hirtentäschel, Vogelmiere, Gänse- und Kratzdisteln gefüttert. Während der Aufzucht werden sie aber auch mit Insekten versorgt.
Nach 16 bis 17 Tagen verlassen die Jungen das Nest und werden von den Eltern bis zur vollen Selbständigkeit gefüttert und betreut.
Im Aussehen ähneln die Jungvögel anfangs den Weibchen, sind aber bräunlich gesprenkelter und noch ohne das leuchtende olivgrün und zitronengelb im Gefieder.
Der Zitronenzeisig brütet in der Regel einmal im Jahr. Ausnahmsweise finden zwei Bruten im Jahr statt.
Bestand
Früher hat der Zitronenzeisig von den Rodungen der Wälder und der extensiven Waldweide profitiert, da er so die Samen vieler Pflanzen des Weidelandes nutzen konnte.
In der Roten Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen in der Bundesrepublik Deutschland war der Zitronenzeisig bereits als „potentiell gefährdet“ eingestuft worden. Dann hatten sich die Bestände erholt und die Art galt als nicht gefährdet.
Leider sind aber nach den neuesten Erkenntnissen die Bestände im nördlichen Schwarzwald nahezu verschwunden und die Art kommt als Brutvogel nur noch im südlichen Schwarzwald vor. Auch in den anderen Brutgebieten der Alpen sind die Populationen rückläufig.
Geschätzt werden 250.000 bis 280.000 Brutpaare, die sich auf Südwesteuropa verteilen. Mehr als 80 % davon lebt in Spanien.
Für die deutsche Population werden 3.600 bis 5.700 Brutpaare mit fallender Tendenz angenommen. Im Schwarzwald wurden Ende der 80iger Jahre 800 Brutpaare geschätzt.
Als Ursachen werden Veränderungen im Lebensraum durch großflächige Aufforstungen von Waldbrachen und Wiesen sowie die Abkehr von der traditionellen Land- und Waldwirtschaft vermutet. Die noch vorhandenen Weideflächen werden als Intensivgrünland gedüngt und bearbeitet. Pisten werden maschinell gepflegt und befahren. Dies führt einerseits zu einer Verarmung der Krautflora und andererseits dazu, dass die Pflanzen nicht mehr fruchten.
Zudem führt die Klimaerwärmung zu einem früheren Beginn der Vegetationsperiode und damit zu einer zeitlichen Verschiebung im Nahrungsangebot. Die Zunahme von starken Regenfällen im Frühjahr dürften zudem einen negativen Einfluss auf den Bruterfolg haben. Der abnehmende Bestand in den Nordalpen führt außerdem zu einem verringerten Austausch von Jungvögeln mit der Population im Schwarzwald.
Um diesen negativen Trend umzukehren, sind umfangreiche Ursachenforschungen erforderlich, da der Bestand auch durch das Angebot an Fichtensamen beeinflusst wird.
© Dirk Schäffer (12 / 2010)
Stichworte: Zitronenzeisig, Carduelis citrinella, Citril finch, Fink, Zeisig, Girlitz, Nadelwald, Schwarzwald, Klimaerwärmung, Bestandsrückgang










