Skua (Stercorarius skua)
| Vogelportraits |
Skua (Stercorarius skua BRÜNNICH, 1764)
Great Skua
Ordnung: Wat-, Alken- und Möwenvögel (Charadriiformes)
Familie: Raubmöwen (Stercorariidae)
Gattung: Stercorarius (BRISSON, 1760)
Die Skua (Stercorarius skua) oder Große Raubmöwe ist ein aggressiver möwenähnlicher Meeresvogel aus der Vogelfamilie der Raubmöwen und deren größter Vertreter. In Mitteleuropa kann die Skua ganzjährig an den Küsten beobachtet werden. Einzelne Raubmöwen dringen auch bis in das Binnenland vor.
Vorkommen
Das Brutgebiet der Skua umfasst die abgelegenen nordischen Inseln der Orkneys, Shetlands, Färöer, Islands, der norwegischen Küste, der Kola-Halbinsel, Nowaja Semljas und Spitzbergens. Daher kommt auch der Name Skua, der sich aus dem Färöischen ableitet und von einer Insel der Färöer stammt.
Weitere sechs Raubmöwenarten, deren Systematik umstritten ist, brüten in der Antarktis und polaren Regionen.
Wanderungen
Den Winter verbringt die Skua an den Küsten des Nord- und Südatlantik bzw. auf See. Dabei reicht ihr Wandergebiet über den Nordatlantik von Spitzbergen, über die Biscaya, die portugiesische und spanische Atlantikküste bis nach Westafrika. Sie fliegt aber auch westwärts bis Ostkanada und Neufundland sowie südwärts bis Brasilien.
Auch an der Nordseeküste kann man einzelne Skuas das ganze Jahr über antreffen. Zur Zugzeit sieht man sie allerdings regelmäßiger. Einige Skuas können auch weit in das Binnenland bis nach Mitteldeutschland vordringen und sich dort längere Zeit an Gewässern aufhalten, wo man sie bei der Jagd auf andere Wasservögel gut beobachten kann.
Biotop
Vor allem in den Tundren entlegener Inseln, auf Felsinseln oder in küstennahen Mooren brütet die Skua. Die größte Kolonie der Skua befindet sich auf der Insel Foula in der Nähe der Shetland-Inseln.
Merkmale
Die Skua ist mit 0,50 – 0,58 (0,60) m etwa so groß wie eine Silbermöwe (Larus argentatus),aber etwas größer als die Heringsmöwe(Larus fuscus) und kleiner als die Mantelmöwe(Larus marinus). Die Geschlechter sind gleich gefärbt (s. Tabelle 1).
Die Männchen sind mit 1,2 bis 1,5 kg Gewicht allerdings leichter als die 1,3 bis 1,65 (1,80) kg schweren Weibchen.
Die Jungvögel sind von einem dunkleren Braun als die Altvögel, aber mit hellen Spitzen an den Schulterfedern und einem fast schwarzen Kopf, der sich vom Körper abhebt. Sie haben eine einfarbig rötlichbraune Unterseite und wirken im Flug bauchiger. Zudem sind die weißen Handwurzelflecken weniger ausgeprägt, als bei den Altvögeln.
Tab. 1: Aussehen und Körpermerkmale der Skua.
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Körperteil |
Merkmal |
Farbe |
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Kopf / Hals |
massig |
Hinterkopf/Hals grob gelbbraun |
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Schnabel |
kräftiger Hakenschnabel; |
schwarz |
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Rücken / Nacken |
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dunkelbraun mit hellen und |
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Flügel |
Länge: 37 - 43 cm
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dunkelbraun mit großen weißen |
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Füße |
mit scharfen gebogenen Krallen |
schwarz |
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Schwanz |
keilförmig; mittlere Steuerfedern |
dunkel-/schwarzbraun mit hellen und dunkelbraunen Flecken / Strichen |
In der Drohhaltung macht die Skua einen imposanten Eindruck. Sie hebt dann ihre Flügel an, so dass die hellen Handschwingenbasen deutlich sichtbar werden, sträubt das Nackengefieder und öffnet weit ihren Hakenschnabel, um somit größer und gefährlicher zu erscheinen.
Flug: Die Skua ist ein rasanter und eleganter Flieger, der andere Seevögel in akrobatischen Flugmanövern verfolgt, um ihnen die Nahrung abzujagen. Gegenüber den Möwen führt sie flache, gleichmäßige und kräftige Flügelschläge aus. Sie wirkt falkenähnlich lebhaft, „athletisch“ und ist kurzschwänzig. Während des Segelns kann sie mit einem Bussard verwechselt werden. Die Skua erreicht eine Flügelspannweite von 1,25 bis 1,40 m.
Stimme: charakteristisch sind tiefe „ga-ga“-Rufe. Am Brutplatz wird hingegen laut „hoo“ oder kurz „gok“ bzw. „tok“ gerufen.
Die Skua kann ein Alter von 18 Jahren erreichen.
Nahrung
Während der Brutsaison stehen Jungvögel und Eier aus den Seevogelkolonien ganz oben auf dem Speiseplan der Skua. Weiterhin werden Lemminge, Kaninchen, Ratten, andere Kleintiere und Insekten gejagt. Beeren, Abfälle und Aas werden ebenso gefressen. Natürlich besteht die Nahrung auch aus Fischen, die von der Wasseroberfläche oder hinter Booten aufgelesen werden. Die Skua ist außerdem ein erfolgreicher Vogeljäger, der Vögel bis Möwen- bzw. Blässhuhngröße töten kann. Lebende Beute wird durch gezielte Schnabelhiebe getötet.
Überwiegend lebt die Skua allerdings vom Nahrungsparasitismus. Sie bedrängt andere Seevögel bis zur Größe von Möwen, Alken, Seeschwalben und Basstölpeln (Sula bassana) so lange mit Schnabel und Krallen, bis diese ihre Nahrung - vor allem Fische - wieder aus dem Kropf oder dem Magen auswürgen bzw. das Futter aus dem Schnabel fallen lassen, um sie dann zu „berauben“. Die herunterfallende Beute fängt die Skua noch in der Luft geschickt auf.
Brutbiologie
Die Skua bleibt ihrem Brutplatz oft treu. Das Brutrevier befindet sich oft in der Nachbarschaft von Seevogelkolonien, da in diesen ein reiches Nahrungsangebot für die Aufzucht der jungen Raubmöwen besteht. Von Ende Mai bis Anfang Juni wird in einer flachen Bodenmulde das aus wenigen Halmen bzw. Blättern bestehende Nest angelegt.
Der Nestbereich wird vehement und aggressiv gegen alle Eindringlinge - auch Menschen - verteidigt, wobei die Skuas selbst lockere Kolonien bilden können.
Die beiden braun gefleckten, olivgrünen bis braunen, ca. 7 cm großen Eier werden im Abstand von zwei bis drei Tagen gelegt und von beiden Elternteilen 28 bis 30 Tage lang bebrütet. Die Jungen sind Nesthocker und werden erst nach 42 bis 46 (49) Tagen flügge. Meistens überlebt nur das kräftigere der beiden Küken und bei Nahrungsknappheit wird das Schwächere an das stärkere Küken verfüttert. Anfangs wird wieder vor gewürgte Nahrung gefüttert, später werden Fleischbrocken aus der Beute gerissen und an das Küken übergeben. Beide Eltern beteiligen sich an der Fütterung.
Die Geschlechtsreife der jungen Raubmöwen tritt erst ab einem Alter von 4 bis 5 Jahren oder noch später ein.
Bestand
Der europäische Bestand der Skua wird auf ca. 16.500 Brutpaare geschätzt. Vermutlich verkleinert sich das Brutareal der Skua auf Grund der Klimaerwärmung und die Raubmöwe breitet sich daher aktuell weiter nach Norden aus. Diese Entwicklung wird aufmerksam verfolgt, da die Art somit auch als Indikator für die Umweltveränderungen dient.
© Dirk Schäffer (01/2012)
Stichworte: Skua, Great Skua, Stercorarius skua, Raubmöwen, Nahrungsparasitismus
Aktualisiert (Samstag, den 14. Januar 2012 um 16:12 Uhr)










