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Singdrossel (Turdus philomelos BREHM 1831)

Song Trush

          Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)

           Familie: Drosseln (Turdidae)
        Gattung: Echte Drosseln Turdus

Die Singdrossel (Turdus philomelos) ist eine der ersten Zugvogelarten, die - oft schon Ende Februar - aus dem Winterquartier nach Deutschland zurückkehrt.
Ähnlich wie die nahe verwandte Amsel (Turdus merula) hat auch sie begonnen, die menschlichen Siedlungen zu erobern. So ist sie mittlerweile Brutvogel in vielen Parks, Friedhöfen und großen Gärten der Städte, erreicht aber in den Städten nicht die Häufigkeit, wie die Amsel.
Ihren Namen verdankt die Singdrossel ihrem sehr lauten, weit tragenden und melodischen Gesang sowie der Eigenschaft andere Arten und Geräusche zu imitieren. Auch ihr aus dem griechischen stammender Artname philos = Freund und melos= Gesang, bezieht sich auf ihre markante Stimme.

Vorkommen

Die Singdrossel kommt in ganz Europa vor, mit Ausnahme von Island, den Shetland-Inseln und Teilen im Norden der Iberischen Halbinsel. Gemieden werden die waldfreien Bereiche der Gebirge sowie baumlose Deich-, Grünland- und Ackerbaugebiete.Die Inseln im niederländisch-deutschen Wattenmeer wurden erst in jüngster Zeit, bedingt durch die menschlichen Kultivierungen (Baumpflanzungen, Anlage von Gärten und Parks), besiedelt.
In Südost-Australien und Neuseeland wurden Singdrosseln um 1860 ausgesetzt, die sich seitdem zu stabilen Beständen entwickeln konnten. Während in Australien vor allem eine Stadtpopulation in und um Melbourne entstand, wurden von Neuseeland aus auch die umliegenden Inseln von der Singdrossel besiedelt.

Biotop

Im Gegensatz zur Amsel ist die Singdrossel kein ausgesprochener Kulturfolger. Sie lebt in lichten, hochstämmigen Laubwäldern, in Feldgehölzen, in Parks, auf Friedhöfen, teilweise in Gärten und im näheren Umfeld menschlicher Siedlungen. Voraussetzung ist allerdings, dass es Bäume und Sträucher im Wechsel mit Freiflächen gibt. Die Freiflächen werden dann zur Nahrungssuche genutzt.

Wanderungen

Die nördlichen und östlichen Populationen der Singdrossel sind Zugvögel. Als sogenannte Teilzieher überwintern sie gewöhnlich im Mittelmeerraum und an der Atlantikküste bis zu den britischen Inseln. Der Abzug in die Winterquartiere beginnt im September/Oktober.
Die Singdrossel bezieht manchmal bereits im Februar wieder ihre Brutreviere, spätestens jedoch im März. Als weiteste Entfernung wurden bei einem Ringvogel 2.600 km vom Brutort zum Winterquartier ermittelt. Auch die berechnete nächtliche Zugleistung ist beachtlich und betrug bei einigen Vögeln offenbar bis zu 200 km.
Wie bei vielen anderen Singvogelarten lässt sich auch bei einigen Singdrosseln eine Tendenz zur Aufgabe des Winterzuges feststellen. So verbleiben die Vögel bei entsprechendem Futterangebot im Brutgebiet. Dies scheint vor allem auf städtische Gebiete zuzutreffen, wo im Winter auch zugefüttert wird.

Merkmale

Die Singdrossel ist mit 20 bis 22 cm Körpergröße insgesamt etwas kleiner, zierlicher und kurzschwänziger als die Amsel (Turdus merula), aber insgesamt deutlich kleiner als die Misteldrossel (Turdus viscivorus). Sie wiegt zwischen 65 und 90 g.


Bild Singdrossel Winter (Turdus philomelos)

Foto: Singdrossel im Schnee (Rabeninsel Halle-Saale, K. Rönsch, 01/2009).

Weitere Bilder


Bild Nest Singdrossel (Turdus philomelos)

Foto:  Nest der Singdrossel (Rennbahn Halle-Saale, M. Lange)

Singdrosseln in der Obhut des Menschen wurden bis zu 17 Jahre alt. Die ältesten Ringvögel erreichten ein Alter von 12 bis 13 Jahren.

Stimme

Der schöne, unverkennbare Gesang der Singdrossel besteht aus verschiedenen flötenden und zwitschernden Elementen. Er ist von allen Drosseln am umfangreichsten an Elementen und Phrasen, abwechslungsreich und sehr laut.
Nach der Ankunft im Brutrevier, Ende Februar bis Anfang März, ertönt der Gesang von erhöhten Sitzwarten (wie Baumwipfeln und -spitzen) aus, bis weit in die Abenddämmerung hinein. Die Stropheninhalte sind reichhaltig und reichen von klaren und sehr lauten Flötentönen bis zu eher leisem und gequetschten Zwitschern. Der Gesang ist leicht von dem der Amsel zu unterscheiden, denn die Singdrossel wiederholt jeweils einzelne Elemente ihrer Strophe zwei- bis viermal.
Ebenso, wie bei der Amsel, wird der Gesang schon deutlich vor Sonnenaufgang vorgetragen und genauso, kann man ihn noch einige Zeit nach Sonnenuntergang hören.
Einzelne Drosseln singen bis zu 20 Minuten lang ohne Unterbrechung. Die Pausen einbezogen, können so Gesangsphasen von bis zu 50 Minuten erreicht werden. Bekannt ist auch der Erregungslaut der Singdrossel, ein hartes Tixen („tix“).
Oft werden auch die Rufe anderer Vogelarten in den Gesang mit eingearbeitet. Gesungen wird vor allem während der Paarbildung. Danach kann die Gesangsaktivität schnell abklingen und es singen nur noch die unverpaarten Männchen.

Nahrung

Die Singdrossel frisst am Boden lebende Kleintiere, wie Insekten, Würmer, Tausendfüßer aber auch Nacktschnecken und vor allem kleine Gehäuseschnecken. Um diese zu knacken und an das Schneckenfleisch zu gelangen, fliegt die Drossel mit dem Schneckenhaus meist zu einem bestimmten Stein in ihrem Revier, auf dem sie das Gehäuse zerschlägt. Im Umfeld eines solchen Steins, der als Drosselschmiede bezeichnet wird, kann man dann zahlreiche kaputte Schneckenhäuser finden.
Bei der Nahrungssuche geht die Singdrossel geräuschvoll einher, dabei wird Falllaub weit herumgeschleudert.
Im Herbst und im Winter stellt die Singdrossel ihre Nahrung weitestgehend auf Trauben und Beeren aller Art um.

Brutbiologie

Das stabile und oft sehr hohe Nest der Singdrossel steht in Astgabeln von Laub- und Nadelbäumen, in Büschen, in Kletter- und Schlingpflanzen, Holzstößen, Reisighaufen, an Gebäuden und selten auch direkt am Boden.
Das Nest ähnelt äußerlich einem Amselnest. Im Unterschied zum Amselnest, wird die tiefe Nestmulde im Singdrosselnest aber mit einer harten und ganz glatten Wand ausgekleidet. Diese besteht die aus einer Mischung von faulendem Holz (Mulm) mit lehmiger Erde. Das Nest selbst wird aus Laub und Gras gebaut.
Das Gelege besteht meist aus vier bis sechs himmelblauen Eiern, die nur eine Reihe kleiner dunkler Flecken aufweisen, welche zum spitzen Ende hin weniger werden.
Nach ca. 12 bis 14 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen, die etwa noch einmal genauso lange gefüttert werden, bis sie flügge sind (s. Abbildung 2). Sie können pro Tag bis zu 8 g zunehmen. Oft verlassen die Jungen schon bevor sie fliegen können (ab 9. Lebenstag) das Nest und verteilen sich im Geäst. Damit wird verhindert, dass Mardern, Hauskatzen, Eichhörnchen und Rabenvögeln die gesamte Brut auf einmal zum Opfer fällt. Aber auch Greifvögel (Habicht, Sperber, Wander- und Baumfalke) stellen sowohl den ausgeflogenen Jung- und als auch den Altvögeln nach.
In der Zeit von April bis Juni werden von der Singdrossel zwei Bruten aufgezogen. Vereinzelt wurden auch Drittbruten nachgewiesen.

Bestand

Der Bestand der Singdrossel ist stabil, wobei insgesamt eine leichte Zunahme vermutet wird.
Allerdings gibt es vor allem in Städten eine abnehmende Tendenz, wenn man den Bestand im Verhältnis zum Amselbestand betrachtet.
Leider werden vor allem in Südfrankreich, Italien und Spanien immer noch Singdrosseln gejagt, die dann auf den Teller kommen. Vor allem während der Zugzeit sind die Drosseln eine leichte Beute der Jäger. Dabei wird nicht nur auf die Vögel geschossen, sondern ein Großteil der Vögel wird mit Leimruten, Schlingen und in Reusen gefangen.

© Dirk Schäffer (03/2008, aktualisiert 02/2011)

Stichworte: Singdrossel, Turdus philomelos, Song Trush, Drosseln, Drosselschmiede, Singvögel, Sperlingsvögel, Verstädterung, Zugvogel, Gesang, Vogeljagd, Amsel

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