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Vogelportraits

Dohle (Coloeus monedula Linnaeus, 1758)

Eurasian Jackdaw
Vogel des Jahres 2012
 


        Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)     
           Familie: Rabenvögel (Corvidae)
          Gattung: Rabenverwandte Corvus (Linné, 1758)
  Untergattung: Dohlen Coloeus 

Die Dohle (Coloeus monedula) ist unser kleinster heimischer Rabenvogel und wird leider immer seltener, so dass sie in einigen Teilen Deutschlands nicht mehr vorkommt. Sie zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Sozialverhalten aus, das bereits den Nobelpreisträger der Ethologie Konrad Lorenz faszinierte und zu umfangreichen Studien anregte.

Vorkommen

Außer in Europa kommt die Dohle in 3 bzw. 4 Unterarten in Nordwestafrika und in Westasien vor. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet – mit Ausnahme des Nordens – bis an den Stillen Ozean. Die osteuropäische Dohle (C. m. soemmeringii) unterscheidet sich von den anderen Unterarten durch einen blassen Halsring und einen deutlichen rahmweißen Fleck an den Halsseiten. Daher wird sie auch Halsbanddohle genannt. In Skandinavien und Finnland, nördlich bis zum 61. Breitengrad sowie im nördlichen Polen brütet die etwas hellere Unterart C. m. monedula.

Biotop

Die Dohle bevorzugt Feldgehölze, offenes parkartiges Gelände mit alten Baumbeständen und Laubwälder mit Schwarzspechthöhlen. Gern siedelt sie sich in der Nähe von Siedlungen an, da sie z. B. in Türmen und Kirchen noch sehr gute Brutmöglichkeiten findet. Stellenweise findet man sie auch in Steilbrüchen, an Steilküsten im Binnenland und vor allem an den Meeresküsten. Sie fehlt allerdings in den Hochgebirgen und den Nadelwaldgebieten der Mittelgebirge.
In der Nähe der Brutplätze sollten sich Öd- und Brachflächen oder extensiv genutzte Äcker und Wiesen befinden.

 

Wanderungen

Im Westen und Süden des Verbreitungsgebietes ist die Dohle Stand- oder Strichvögel.
Die nord- und osteuropäischen Dohlen wandern von Oktober bis November nach Mittel- und Westeuropa. Von Februar bis Mai setzt der Rückzug ein. Während des Zuges bilden die Dohlen Schwärme und ziehen dann gern zusammen mit den großen Schwärmen der Saatkrähen (Corvus frugilegus).

Merkmale

Die Dohle ist kleiner als alle anderen Arten aus der Gattung der Rabenverwandten. Sie wird rund 33 Zentimeter lang und etwa 180 bis 270 Gramm schwer. Männchen und Weibchen weisen keine Gefiederunterschiede auf, die Weibchen sind etwas leichter und kleiner. Die Flügellänge beträgt ca. 235 mm (zum Vergleich Nebelkrähe: 326 mm).
Der Dohlenschnabel ist kürzer als der bei den verwandten Krähen. Mit der schwarzen Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), die im Gebirge lebt, einen gelben Schnabel und rote Füße hat, kann die Dohle nicht verwechselt werden. Der Hinterkopf und die Ohrdecken der Dohle sind hellgrau gefärbt. Die schwarze Stirn hebt sich ab. Die Augen sind von bläulich weißer Farbe. An den hellgrauen Nacken schließt sich die schwarze und leicht glänzende Oberseite an. Brust und Bauch sind von matt schwarzer bzw. schiefergrauer Farbe.
Die jungen Dohlen sind mehr grauer gefärbt und ihnen fehlt der metallische Glanz des Gefieders der Altvögel.  

Bild Dohle (Corvus monedula)

Foto: K. Rönsch (Borkum, 10/2005)

 Weitere Bilder

 

Flug: Die Dohle fliegt im Gegensatz zu den Krähen mit schnelleren Flügelschlägen. Dieses Flugverhalten und die unverkennbaren Flugrufe, die sich wie „Kjack, kjack!“ anhören, ermöglichen es, eine Dohle in einem Krähenschwarm sicher zu bestimmen. Ihr Flugbild ist insgesamt taubenartiger und die Handschwingen sind weniger „gefingert“.
Stimme: Bei Erregung und besonders am Brutplatz ist das „kjack“ oft kurz hintereinander zu hören. Untereinander gibt es zwei Grundlaute, die eine „Komm her!“ bzw. „Geh weg!“ Funktion haben. In verschiedenen Situationen werden Artgenossen mit Falschmeldungen getäuscht, um sie z.B. von Futterstellen fortzulocken.

Im Freiland kann die Dohle ein Alter von rund 20 Jahren erreichen. In Gefangenschaft werden einzelne Vögel bis zu 30 Jahre alt.

Nahrung


Die Dohle ist ein vielseitiger Allesfresser, der aber auch speziell Insekten (Käfer, Wanzen, Schnakenlarven, Raupen, Heuschrecken und Grillen) erbeutet. Es werden  Würmer, Schnecken, Spinnen, Tausendfüßer, Mäuse, Jungvögel, Eier, Früchte, Nüsse, Getreidekörner, Saatgut und Beeren gefressen.
Als Nahrungsumfeld bevorzugt die Dohle während der Brutzeit kurz geschnittenen Rasen und insektenreiches Grünland, die sich in der Nähe des Neststandortes befinden, denn meist werden zur Nahrungssuche Entfernungen um die 500 Meter zurückgelegt. Vor allem  während der Brutzeit und zur Jungenaufzucht stellen Großinsekten einen wichtigen Nahrungsbestandteil dar. Die Nahrungssuche erfolgt im Verband, da mehrere Augenpaare zusammen eher Nahrungsquellen entdecken und einige Vögel immer das Umfeld gegen mögliche Gefahren absichern. Auch gegenüber den kräftigeren Krähen kann sich auf diese Art und Weise ein Dohlenverband am Nahrungsplatz durchsetzen, ohne vertrieben zu werden.
Außerhalb der Brutzeit legt die Dohle, dann allerdings im Schwarm mit Artgenossen, jedoch größere Entfernungen bei der Nahrungssuche zurück. Beliebte Nahrungsplätze sind dann abgeerntete Mais- und Getreidefelder sowie auch die Müllhalden der Großstädte. Im Winterhalbjahr werden Getreidekeimlinge, Grassamen, aber auch Fallobst gefressen. Abfälle aller Art sind das ganze Jahr über Bestandteile der Nahrung.

Brutbiologie

Bereits schon im Winter oder aber im zeitigen Frühjahr beginnen die Dohlenpaare ihre potentiellen Brutplätze zu kontrollieren. Dabei kann es auch zu Auseinandersetzungen mit anderen Paaren kommen. Dohlenpaare sind sich ein Leben lang treu, es sei denn, dass einer der beiden Partner verunglückt. Beide Partner erkennen sich individuell innerhalb einer Kolonie. Ob sich ein Paar findet, hängt vor allem vom Angebot an potentiellen Nistplätzen ab. Optimale Nistplätze können meistens erst durch mehrere Paare im Verband besetzt und verteidigt werden.
Die Dohle ist als Höhlenbrüter hinsichtlich der Auswahl ihres Brutplatzes flexibel. Sie brütet in Kolonien, aber auch einzeln. Aufgrund des Mangels an entsprechenden alten Bäumen mit Baumhöhlen brütet die Dohle zunehmend im Siedlungsraum. Dort brütet sie oft in Schornsteinen von Gebäuden sowie in Nischen und Mauerlöchern. Ruinen, Schlösser, Burgen und Kirchen sind ebenfalls beliebte Brutplätze. Hier findet man die Nester vor allem in Fensternischen, Schießscharten und Rüstlöchern. Besiedelt werden auch Parks mit Altholzbeständen, in denen sich Bäume mit Höhlen befinden.
Ist der Neststandort gefunden, wird der engste Nestbereich gegenüber Artgenossen verteidigt und beide Partner beginnen dann gemeinsam ab Februar mit dem Nestbau. Mehrfache tägliche Paarungen und intensives Gefiederkraulen festigen in dieser Zeit den Zusammenhalt des Paares. Für das Nest werden vor allem Naturmaterialien wie kleine Zweige, Reiser, Erdklumpen, Strohhalme, kleine Wurzeln sowie Federn und Tierhaare zur Polsterung eingetragen. Durch die Nutzung von Neststandorten über viele Jahre hinweg, können große Haufennester entstehen.
Ab Mitte April bis Anfang Mai legt das Weibchen in Intervallen von 24 Stunden meist vier bis sieben (seltener auch acht) Eier. Diese können sehr unterschiedlich gefärbt sein. Die Palette reicht von blassblau bis hellgrün mit dunklen Flecken. Nach der Ablage des zweiten oder dritten Eies beginnt das Weibchen mit dem Bebrüten der Eier. Dabei wird es vom Männchen gefüttert, das sich sonst am Brutgeschäft nicht beteiligt.
Nach 17 bis 18 Tagen schlüpfen die ersten Jungen gleichzeitig. Die übrigen Jungvögel schlüpfen jeweils in Abständen von zwei oder drei Tagen. In den ersten Tagen werden die Jungen noch vom Weibchen gehudert. Dann beteiligt sich auch das Weibchen an der Nahrungssuche und an der Fütterung der Jungen. Im Alter von 28 bis 36 Tagen verlassen die jungen Dohlen das Nest.
Die Sterblichkeit der Jungen ist nach dem Ausfliegen mit 60 bis 70 Prozent am höchsten. Bereits im Alter von einem Jahr sind die jungen Dohlen geschlechtsreif. Ihre erste Brut findet aber erst nach zwei Jahren statt.

Bestand

Die Dohle steht wie alle Rabenvögel unter Schutz und darf nicht in Gefangenschaft gehalten werden. Aufgrund ihrer Intelligenz und da handaufgezogene Jungvögel teilweise das Sprechen erlernen können, wurden Dohlen früher oft als Käfig- oder Volierenvögel gehalten.
Bereits Mitte der 80-er Jahre wurde im Norden Ostdeutschlands eine Abnahme des Dohlenbestandes festgestellt. Als Ursachen ergaben sich das fehlende Nistplatzangebot durch Gebäudesanierungen und die Konkurrenz durch verwilderte Stadttauben im Siedlungsbereich sowie der Holzeinschlag bei Baumkolonien, der auch die Althölzer mit entsprechenden Schwarzspechthöhlen reduziert. Die intensive Landwirtschaft mit ihren flächendeckenden Monokulturen, der intensiven Grünlandbewirtschaftung sowie den Insekten- und Pflanzenschutzmitteln erschwert der Dohle zudem die Nahrungssuche und reduziert das Nahrungsangebot. Kolonien an Felsen  werden zudem durch den Klettersport beunruhigt.

Vogel des Jahres

Dohlen gehören wie fast alle Rabenvogelarten zu den eher unbeliebten Vögeln. Zudem treiben sie viele Hausbesitzer zur Verzweiflung, wenn sie in Schornsteinen und Kaminen versuchen ihre Nester zu bauen. Eine Folge vieler Haussanierungen sind Gitter und Verschlüsse, die es allen Gebäudebrütern erschweren, in den Siedlungen Nistplätze zu finden. Dieser Mangel an Nistplätzen und das Fehlen von Insektennahrung für die Jungenaufzucht sind zwei Hauptursachen für den Bestandsrückgang der Dohle. Die Wahl zum Jahresvogel soll auf die Probleme der Dohle aufmerksam machen und auch zum Schutz beitragen. So können z.B. Nistkästen an Gebäuden und in geeigneten Baumbeständen dazu beitragen, neue Brutkolonien aufzubauen oder vorhandene zu erhalten.

© Dirk Schäffer (12/2003, aktualisiert 11/2011)

Stichworte: Dohle, Coloeus monedula, Eurasian Jackdaw, Sperlingsvögel, Passeriformes, Rabenvögel, Corvidae, Singvögel, Passeres, Höhlenbrüter, Schwarmvogel

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Aktualisiert (Mittwoch, den 30. November 2011 um 20:50 Uhr)

 
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