Höhlenbrütende Singvögel wie z. B.
Meisen, Kleiber und Schnäpper legen bei einer Brut oft sehr viele Eier. Die
Bebrütung eines Geleges beginnt nach der Ablage des letzten Eies. Stellenweise
gibt es bereits bei den einzelnen Eiern Unterschiede im Gewicht und damit im
Nahrungsvorrat für den sich entwickelnden Embryo. Dies hängt vom aktuellen
Gesundheits- und Ernährungszustand des jeweiligen Weibchens ab. Die Produktion
eines Eies stellt für die Vögel bereits eine enorme physiologische Leistung
dar. Hinzu kommen umweltbedingte Einflüsse, wie z. B. Mineralstoffmangel
im Körper – in Form von Kalzium – der u. a. dazu führen kann, das die
Eierschale zu dünn ist und damit die Eier zerbrechen. Somit bestehen dann
letztendlich auch bei den schlüpfenden Küken Unterschiede in der Fitness und im
Gewicht. Bei ungünstiger Witterung (niedrige Tages- und
Nachttemperaturen, Dauerregen) kommt es dann dazu, dass einerseits die Nahrung
nicht ausreicht, um sämtliche Jungen zu sättigen, da auch die Insekten bei
solchen Wetterlagen nicht aktiv sind bzw. ebenfalls sterben, da auch sie keine
Nahrung aufnehmen können und ihnen die Sonnenenergie fehlt. Andererseits müssen
die Jungen ständig von einem Altvogel gewärmt werden, da sie nackt zur Welt
kommen und damit noch keinen eigenen Kälteschutz – in Form des Federkleides –
haben. Zudem bringen die Altvögel bei jedem Nistkastenbesuch auch Nässe mit in
den Kasten, die sich zusätzlich negativ auf die Innentemperatur auswirkt. Treten solche Ereignisse ein,
leiden nicht sofort alle Jungvögel unter Nahrungsmangel, sondern ein
spezifischer Mechanismus bewirkt, dass einzelne Junge bei der Fütterung so
benachteiligt werden, dass sie frühzeitig sterben. Meist sind es die zuletzt
geschlüpften Küken. Generell erhalten die Jungvögel als erste Futter, die am
schnellsten reagieren und als erste sperren. Das Sperren dient für die Altvögel
als auslösender Reiz, um die Jungen überhaupt zu füttern. Deshalb sind die
Rachen von Singvögeln durch leuchtend rote oder gelbe Signalfarben gezeichnet.
Hungrige Jungvögel strecken deshalb ihren Eltern mit langgestreckten Hals ihren
Schnabel entgegen und reißen den Rachen dabei weit auf. Dieser Vorgang wird
dann mit einer entsprechenden Lautstärke begleitet, die als zusätzlicher
akustischer Anreiz wirkt. Da die Jungvögel in den ersten Tagen noch blind sind,
kann man das Sperren durch leichte mechanische Einwirkungen am Flugloch oder am
Nestrand auslösen. Es sei denn, alle Jungen sind satt. Geschwächte Junge zeigen eine
verminderte Reaktion. Sie sperren stets etwas später als die übrigen Jungen und
werden dadurch bei der Fütterung von den Altvögeln übersehen. Wenn größere
Junge bereits bei Annäherung des Altvogels sperren, wird das am höchsten
sperrende Junge mit dem leuchtendsten Rachen gefüttert. Die kleineren und
schwachen können ihren Hals nicht mehr so hoch strecken und werden von ihren
Geschwistern überragt. Nur bei sehr gutem Nahrungsangebot und optimalem Wetter
können auch die kleinsten Jungen überleben, da die Altvögel leichter Nahrung
finden und damit öfter füttern können. Eine wichtige Rolle im Temperaturhaushalt des Nistkastens spielt auch
das Nest. Sehr kleine und flache Nester mit wenig oder fehlender Polsterung
haben eine geringe Isolationsfähigkeit und können daher wenig Wärme im Nest
halten. Kleine Nester werden vor allem dann errichtet, wenn das erste Ei
bereits kurz vor der Ablage ist und das Vogelpaar noch keinen geeigneten
Brutstandort gefunden hat, oder ihren bereits gewählten Standort wieder aufgeben
musste bzw. aus ihrem Revier durch stärkere Artgenossen oder andere
Höhlenbrüter vertrieben wurde. Auch die Temperaturen beeinflussen die
Nestbauintensität. Ist es bereits während des Nestbaus kalt, dauert dieser
länger und die Nester werden größer und umfangreicher. © Dirk Schäffer (05 / 2010)
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