Dachs (Meles meles L.)

 

engl. Badger

 

Wildtier des Jahres 2010

 

Ordnung:          Raubtiere          (Carnivora)

Unterordnung: Landraubtiere (Fissipedia) 

Familie:             Marderartige (Mustelidae)

Unterfamilie:    Dachse           (Melinae)

Gattung:                                   Meles

 

Der Dachs ist der größte Marder Mitteleuropas und schwer zu beobachten, da er überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv ist. Außerdem bevorzugt er Wälder als Lebensraum. In der Jägersprache und im Volksmund ist der Dachs auch als Grimbart bzw. Schmalzmann bekannt.

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild hat den Dachs zum Tier des Jahres 2010 gewählt.

Vorkommen

Der Dachs bewohnt fast ganz Europa südlich des Polarkreises, außer Island, Nordskandinavien, Sizilien, Korsika und Sardinien. Zudem sind Dachse nach Osten bis Mittelasien verbreitet. Auch in Japan kommt er vor.

Im Gebirge sind Dachse bis auf etwa 2.000 Meter Höhe anzutreffen.

Biotop

Dachse bevorzugen Laubmischwälder, Feldgehölze und Randstreifen.

Der Dachs ist ein Erdmarder und gräbt sich im Waldboden einen Bau, der aus einem umfangreichen System von teilweise verzweigten Gängen besteht, die einzelne „Kessel“ miteinander verbinden. Die Gänge dienen sowohl als Ein-, Aus- und Fluchtgänge als auch der Frischluftzufuhr. Teilweise kann das Gangsystem bis zu 80 m lang sein. Ist ein Bau bewohnt, fallen die großen und frischen Erdauswürfe vor den Eingängen auf. Einige Ausgänge werden regelmäßig so benutzt, dass sie als feste Rinnen zum Rutschen ausgeformt sind.

Der Wohnkessel wird mit trockenem Laub, Gräsern, Moos oder Farnkraut ausgepolstert. Die Auspolsterung wird ständig erneuert. In strengen Wintern werden die Eingänge manchmal mit Laub und Gräsern verschlossen. Die Schlafnester werden täglich gewechselt, um lästige Parasiten (Flöhe, Läuse und Zecken) in Grenzen zu halten. Zuweilen wird das alte Graspolster entfernt und neues eingetragen oder die alte Polsterung wird draußen in der Sonne gelüftet. Bis zu einer Woche bleiben manche Schlafnester im Bau leer, ehe sie wieder von einem Dachs benutzt werden.

Ein Dachsbau kann über Jahrzehnte oder noch länger benutzt werden. Durch die Bautätigkeit der verschiedenen Dachsgenerationen entsteht so ein umfangreiches Labyrinth, das immer weiter ausgedehnt wird und sich über mehrere Etagen in die Tiefe erstrecken kann. 

Dachse benutzen außerhalb ihres Baus feste Wechsel, die gut sichtbar ausgetreten sind. An diesen befinden sich feste Aborte, an denen Kot und Harn abgesetzt werden.

 

Dachse sind fast ausschließlich dämmerungs- und nachtaktive Tiere. In den kälteren Gegenden und je nach der Strenge des Winters halten sie eine Winterruhe, die einige Tage bis mehrere Monate dauern kann. Dann zehren sie von ihren Fettreserven.

Merkmale

Dachse haben einen flachen plump und keilförmig wirkenden Körper (s. auch Tabelle 1 und Abbildung 1), der sehr kräftig ist. Dachse besitzen eine bis zu 3 cm tiefe Drüsentasche (Supraanalorgan). Um den Bau und an den Wechseln wird das Drüsensekret als Duftmarke abgesetzt, um das Revier zu markieren.

Im April/Mai findet ein Haarwechsel statt.

 

Tab. 1: Aussehen und Merkmale des Dachses.

Merkmale

Färbung 

Größe

70 bis 90 cm lang;  Schwanz 11 - 17 cm; die ♂♂ sind etwas größer

Gewicht

10 bis 20 kg, im Winter bis zu 25 kg

Kopf

Flacher, spitzschnauziger Schädel mit kleinen Augen und Ohren sowie einem kräftigem Gebiss.

Schwarz-weiße bzw. schwarz-gelbe Gesichtsmaske: Die zwei beidseitigen  schwarzen Streifen verlaufen von der Nase über die Augen bis zu den Ohren.

Körperoberseite

grau bis gelbbraun

Bauch

schwärzliches Fell; ♀ mit drei Paar Zitzen

Beine

kurz und gedrungen, mit starken Krallen an den Füßen; Sohlengänger

Schwanz

kurz

 


Abb. 1: Dachsfamilie am Bau (Aufn. H.-D. WOWRIES, Wistedt /Altmark). 

Stimme: Dachse verständigen sich untereinander durch Brummen, Fauchen, Schreien und auch lautes Quieken.

Sie können ein Alter von 15 bis 18 Jahren erreichen.

Nahrung

Dachse sind Allesfresser bevorzugen aber - im Gegensatz zu anderen Mardern - pflanzliche Kost. Sie fressen Getreide (z. B. Hafer), Mais, Fallobst (Pflaumen, Kirschen, Äpfel), Beeren, Samen, Knollen und Pilze.

Das Verhalten der Dachse bei der Nahrungssuche wird auch als „Stechen“ bezeichnet. Mit der rüsselartigen Kopfhalspartie werden lockerer Boden und die Laubschicht regelrecht durchpflügt, wie man es auch vom Wildschwein kennt.

Daher erbeuten Dachse auch Insekten, Schnecken, Würmer und kleine Wirbeltiere, vor allem Mäuse, Spitzmäuse, Maulwürfe, aber auch Schlangen, Blindschleichen, Eidechsen und Lurche. Besonders gern gräbt der Dachs in den kühlen Nachtstunden Wespen- und Hummelnester aus, wenn deren stechlustige Bewohner inaktiver sind.

Die Gelege von Bodenbrütern (Hühnervögel, Limikolen, Singvögel) sowie deren Jungvögel gehören ebenso zur Beute wie Aas.

An größeren Säugetieren werden Junghasen bzw. -kaninchen und Igel erbeutet.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit liegt zwischen Februar und Oktober (Hauptpaarungszeit Juli/August). Bei der Paarung, die von 10 Minuten bis zu einer Stunde dauern kann, beißt sich der Rüde im Nacken der Fähe fest. Die Tragzeit beträgt 271 bis 284 Tage. Erfolgte die Paarung bereits im Frühjahr, kann die Tragzeit bis zu einem Jahr dauern. Ein Wurf kann ein bis sechs Welpen umfassen, die in einer mit Gras und Moos ausgepolsterten Nestkammer zur Welt kommen. Sie wiegen etwa 85 g, sind 12 cm lang, ganz weiß und blind. Die schwarzen Stellen im Fell bilden sich erst später heraus. Nach 35 Tagen öffnen die Jungen ihre Augen. Sie werden zwei bis drei Monate lange gesäugt. Im Alter von 5 Monaten sind sie selbständig und nach etwa 18 Monaten werden sie  geschlechtsreif.

Dachse leben in großen Bauen („Dachsburgen“) in Familienverbänden, dabei können mehrere Generationen einen Bau bewohnen. Allerdings gibt es nur ein dominantes Männchen im Bau, dass die jüngeren Männchen zur Abwanderung zwingt. Spätestens nach der Winterruhe verlassen die männlichen und manche weibliche Nachkommen den Bau.

Einige Dachsfähen, die keinen eigenen Nachwuchs haben, kümmern sich auch um die Welpen von anderen Fähen im Bau. Besonders in nahrungsarmen Jahren zieht nur das dominante Weibchen der Gruppe Junge auf.

Die natürlichen Feinde des Dachses sind vor allem Uhu, Adler, Wolf und Luchs, wobei die Wölfe in Deutschland gerade erst wieder beginnen, sich zu etablieren.

Durch ihre soziale Lebensweise und das Zusammenleben auf engstem Raum sowie den kaum vorhandenen Feinden breiten sich Infektionskrankheiten sehr schnell unter den Dachsen aus und sind damit eine Hauptursache für eine natürliche Regulation.

Bestand

Genaue Zahlen zum gesamtdeutschen Bestand gibt es nicht, Schätzungen gehen von ca.          100.000 Dachsen aus. In der ehemaligen DDR wurde der Bestand 1988 auf 5.000 Dachse geschätzt. Einige Bundesländer beginnen derzeitig mit der Kartierung aller Baue. In der Jagdsaison 2007/2008 wurden in Deutschland allerdings 50.000 Dachse geschossen (1988/89 14.000), da eine dreimonatige Jagdzeit (Ende 31. Oktober des Jahres) gestattet ist.

Die mittlerweile angestiegenen Bestände resultieren vor allem daraus, dass zur Tollwutbekämpfung keine Fuchsbaue mehr begast werden, wie in den 60iger und 70iger Jahren üblich. Dieser Bekämpfungsmethode sind auch sehr viele Dachse zum Opfer gefallen, da Füchse gern die großen Dachsbaue mit bewohnen. Da Füchse über präparierte Köder, die sie fressen, gegen Tollwut geimpft wurden, ist diese Erkrankung sehr stark zurückgegangen. Davon profitiert auch der Dachs, da auch er die Tollwut überträgt und daran erkrankt. Weitere Faktoren, die sich positiv auf den Dachsbestand auswirken, sind die Klimaerwärmung und das Jagdverbot. Dadurch hat sich mittlerweile wieder eine stabile Population etabliert.

Dachse werden am Abendansitz vor dem Bau geschossen, wenn sie diesen zur Nahrungssuche verlassen, dies verlangt Glück und Ausdauer. Jungdachse, die auf der Suche nach einem neuen Revier sind,  werden vor allem in Kunstbauen bejagt. Im Winter werden sogenannte Erdhunde in die Dachsbaue geschickt. Diese versuchen die anwesenden Dachse aus den Bau und somit vor die Flinten der draußen wartenden Jäger zu treiben. Oft kommt es dabei zu Kämpfen zwischen Hund und Dachs, wobei die Kontrahenten manchmal nur durch Aufgraben des Baues getrennt werden können. Da Dachse sich aggressiv verteidigen, wird so mancher Hund durch das kräftige Gebiss der Großmarder verletzt.  

Ein Großteil der Dachse fällt allerdings dem Straßen- und Schienenverkehr zum Opfer. In den offenen Küsten- und Marschgebieten, wo dem Dachs die Deckung fehlt, können das fast die Hälfte der jungen Dachse sein. 

Das Dachsfett war im Mittelalter als Einreibemittel gegen Rheuma berühmt und gewinnt auch heute wieder an Bedeutung. Das Dachsfleisch soll schmackhaft sein und auch der Pelz kommt als Jagdtrophäe wieder in Mode. Dachshaare werden noch heute für Rasierpinsel verwendet. Der „Dachsbart“ allerdings ziert die Hüte der erfolgreichen Jäger.


© Dirk Schäffer (05 / 2010)

Stichworte: Dachs, Badger, Grimbart, Marder, Dachsbau, Fuchs, Tollwut, Jagd, Wildtier des Jahres

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