Äskulapnatter (Elaphe longissima longissima)
Die Äskulapnatter ist unsere größte einheimische und sehr wärmeliebende Schlange. Sie wurde nach Asklepios (lat. Äskulapius), dem griechischen Gott der Heilkunde benannt (Anguis Aesculapii – die Schlange des Äskulap). Seine heilige Schlange umwand den Äskulapstab und wurde so zum Wahrzeichen der Ärzte und Apotheker. Der wissenschaftliche Name leitet sich ab aus Elaphe – gr. - der Hirsch bzw. die Hirschkuh und longissima – lat. Superlativ – von longus – lang.
Die Äskulapnatter wurde stellvertretend für die anderen drei in Deutschland vorkommenden Natternarten – die Ringel-, Schling- und Würfelnatter – zum Wildtier des Jahres ernannt, um auf die Gefährdung dieser Schlangen hinzuweisen und um die Vorurteile, die gegenüber ihnen immer noch existieren, auszuräumen.
Merkmale
Die bis zu 1,80
m – in ihrem südlichen Verbreitungsgebiet bis 2,0 m – lange, sehr schlanke,
ungiftige Äskulapnatter besitzt glatte Schuppen, klettert ausgezeichnet
und flieht selten. Die weiblichen Schlangen bleiben deutlich kleiner als die
männlichen. Die männlichen Tiere wiegen 350 bis 400 g, die weiblichen
250 bis 350 g. Auffällig ist der kleine, flache und schmale Kopf. Die 12
– 22 Zähne sind sowohl im Unter- als auch im Oberkiefer gleich lang und
leicht nach hinten gebogen. Die Nasenlöcher sind groß, ebenso die
Augen mit ihren runden Pupillen. Sie hat eine braune, manchmal auch bräunlichgelbe
bzw. graue bis olive Oberseite, die nach hinten zu dunkler wird und vereinzelte
weißliche Flecken aufweist. Der Bauch ist weißlich bis gelblich.
Charakteristisch ist ein schwarzer Längsstrich, der sich vom Auge abwärts
bis zum Maulspalt hinzieht. Die deutlich anders gefärbten Jungtiere haben
gelbe Kopfflecken ähnlich der Ringelnatter und weisen eine über den
gesamten Körper verlaufende dunkelbraune Längsfleckung auf. Ein- bis
zweimal im Jahr häuten sich die Schlangen. Sowohl Jung- als auch Alttiere
können in Gefahrensituationen zischen oder ein übelriechendes Sekret
aus den Analdrüsen entleeren.
Das höchste Alter - wahrscheinlich 30 Jahre – erreichte ein am Neusiedler See ausgesetztes Exemplar.
Vorkommen
Die Äskulapnatter
kommt von Nordspanien über Süd- und Mittelfrankreich, Italien und
den Balkan bis in das südliche Mitteleuropa (Tschechien, Süddeutschland
und Südschweiz) sowie im vorderen und mittleren Orient vor. In Deutschland
leben nur Nattern der Nominatform E. longissima longissima. Eine weitere
Unterart in Europa lebt in Mittel- und Süditalien sowie auf Sizilien.
In ihrem Verbreitungsgebiet besiedelt die Schlange sehr unterschiedliche Habitate, bevorzugt aber sonnige, trockene und lichte Laubwaldränder, Streuobstwiesen, unterholzreiche Hänge und Wiesentäler bis in einer Höhe von 1.800 m. Sie siedelt in Ruinen, Gemäuern, Gärten, an alten Bahngleisen und an altem Mauerwerk. Es sind aber auch Vorkommen an unterholzreichen Flussufern bekannt.
Winterruhe
und Wanderungen
Die
Winterruhe der Äskulapnatter beginnt im September / Oktober und endet im
April / Mai. Als Winterquartiere dienen frostfreie Plätze im Bereich von
Felsspalten, in Baumstümpfen, natürlichen Erdhöhlen und Tierbauten.
Eine besondere Bedeutung besitzen dabei Bruchsteinmauern.Generell ist aber über
diese Lebensphase der Tiere wenig bekannt. Allerdings scheinen die Nattern bereits
schon im jahreszeitlichen Verlauf ihre Habitate zu wechseln.
Die Äskulapnattern sind besonders dann außerhalb ihrer Schlupfwinkel anzutreffen, wenn die Schattentemperaturen 16 bis 25 °C erreichen, Windstille sowie hohe Luftfeuchtigkeit herrschen und die Bewölkung aufgelockert ist. Allerdings werden Temperaturen über 27 °C gemieden.
Nahrung
Als
einzige in Deutschland vorkommende Schlangenart, frisst sie ihre Beute nicht
lebend, sondern, nachdem sie sie mit den Kiefern ergriffen hat und festhält,
umschlingt die Schlange sie und erdrückt sie dann nach Art der Riesenschlangen.
Sie erbeutet ihr Nahrung, die olfaktorisch und visuell geortet wird, aktiv in
Bodenhöhlen, auf Bäumen und in Sträuchern, im Gestein usw. Gefressen
werden vor allem Wühl- und Spitzmäuse bzw. andere Kleinsäuger,
Eidechsen, Kleinvögel sowie deren Eier und Junge.
Fortpflanzung
Nach
Beendigung der Winterruhe findet Ende Mai bis in den Juni die Paarung statt.
Die Männchen durchstreifen dabei auf der Suche nach Weibchen die Territorien,
treffen dabei zwei Männchen aufeinander, kommt es zu sogenannten Kommentkämpfen,
bei denen es zu wilden Verfolgungsjagden und gegenseitigem Umschlingen der beiden
Kontrahenten kommen kann. Trifft das Männchen ein Weibchen, wird es ebenfalls
verfolgt. Für die stattfindende Kopulation muss das Männchen das Weibchen
über den "Paarungsbiss" in die richtige Lage manövrieren.
Vier bis sechs Wochen nach der Paarung legt das Weibchen 5 bis 8 oder auch mehr 3,0 bis 4,0 cm lange Eier in Kompost-, Mist-, Laub-, und Sägemehlhaufen oder in Stroh- und Heumieten ab.
Diese vor allem anthropogen geschaffenen Eiablageplätze, haben – aufgrund des Mikroklimas in Form von hohen Temperaturen und konstanter Luftfeuchtigkeit - für die Art eine große Bedeutung. Dies zeigt sich daran, dass es zur Bildung von sogenannten "Masseneiablageplätzen" (z. B. Kuhställe) kommt, an denen mehrere Weibchen ihre Eier in einen ganz bestimmtem Misthaufen ablegen. Dabei wurden schon bis zu 2.000 Eier in einem Haufen gefunden, worunter sich aber auch noch eine große Anzahl von Ringelnattereiern befanden. Wie die Schlangen genau diese konkreten Plätze finden, ist bisher nicht geklärt.
Aus den Eiern, die an Gewicht im Laufe der Entwicklung zwischen 33 und 85 Tagen von ca. 11,0 g auf 16,0 g zunehmen, schlüpfen im August / September, manchmal erst im Oktober die 25 bis 30 cm langen und 7,0 bis 8,0 g schweren Jungschlangen. Bis zu ihrer ersten Häutung in 6 bis 14 Tagen, bleiben die Jungen versteckt und fressen nichts.
Aktuelle
Bestände und Gefährdung
In
geschichtlicher Zeit erreichte die Schlange eine viel weitere nördliche
Verbreitung. Noch im 18. Jh. existierte eine isolierte Randpopulation an der
dänischen Ostssee. Dabei erfolgte die Ausbreitung mit den Laubmischwäldern
und nach dem Klimaoptimum verschwand die Schlange rasch wieder.
In Deutschland existieren nur noch vier eigenständige inselartige Vorkommen an der unteren Salzach (bei Burghausen), im Donautal (südöstlich von Passau) im Neckar-Odenwald (Raum Hirschhorn) sowie in Hessen in der Umgebung von Schlangenbad (Rheingau-Taunus). Das Vorkommen am unteren Inn ist bis heute noch nicht belegt. Das Vorkommen um Wiesbaden ist wahrscheinlich auf eine Aussetzung der Römer zurückzuführen.
Die primäre Ursache dafür, dass die Schlange derzeitig vom Aussterben bedroht ist, ist die hochgradige Lebensraumzerstörung, die u. a. charakterisiert wird durch:
Weiterhin ist für die kulturfolgenden Populationen die Gefährdung durch Hauskatzen und Hühner zu nennen.
Leider ist es aber unverständlicherweise immer noch so, dass alle Schlangenarten einer direkten Verfolgung des Menschen - hervorgerufen durch Unkenntnis und überlieferte Vorurteile -ausgesetzt sind. Hier besteht dringender Aufklärungsbedarf.
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