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Rotes Waldvöglein (Cephalanthera rubra (L.) L.C.RICHARD)

Am 24.10.1999 wurde das Rote Waldvöglein vom Arbeitskreis "Heimische Orchideen" zur "Orchidee des Jahres 2000" auserwählt. Alljährlich wird über dieses Gremium eine in Deutschland beheimatete Orchideenart vorgestellt, die damit gleichzeitig auf den Schutz der Orchideen als bedrohte Pflanzengruppe aufmerksam machen soll.

Das Rote Waldvöglein ist neben dem Frauenschuh die attraktivste Wald-Orchidee, die es in Deutschland gibt.

Vorkommen
Das Rote Waldvöglein ist in Süd- und Mitteldeutschland zerstreut verbreitet, selten ist sie in Ost- und Norddeutschland zu finden. Die Nordgrenze des Verbreitungsgebietes bildet Südskandinavien.

Sie wächst in wärmeliebenden Wäldern und Gebüschen, an Waldsäumen und auf Waldwiesen. Es ist eine kalkstete Pflanze und bevorzugt stickstoffarme bis mäßig stickstoffreiche Böden über Kalkschichten oder Kalkablagerungen.

Merkmale
Das Rote Waldvöglein ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die sich aus einer Knolle erneuert. Sie gehört deshalb zur Gruppe der Geophyten. Diese können ungünstige Jahreszeiten wie Winter oder sommerliche Dürren mithilfe ihrer unterirdischen Erneuerungsknospen überdauern. Die Pflanze wird 30 bis 50 cm hoch, ihr Stengel ist oberwärts kurzhaarig und sie besitzt vier bis acht schmale Laubblätter.

Blüten und Früchte
Die Blütezeit der Pflanze erstreckt sich von Juni bis Juli. Die 4 bis 12 Blüten werden 5 cm groß und sind in einer lockeren Ähre vereint. Dieser Blütenstand kann etwa die Hälfte von der Größe der Gesamtpflanze erreichen. Die Färbung der Blüten reicht von rosa bis lila-rot. Die voll entfaltete Blüte gab der Pflanze den Namen "Waldvöglein": Mit ihren ausgebreiteten seitlichen Kelchblättern und der vorgestreckten spitzen Lippe erinnert sie an einen kleinen Vogel.

Die Früchte der Pflanze sind kleine Kapseln mit vielen nährgewebelosen Samen.

Vermehrung
Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Insekten oder über Selbstbestäubung.

Die nährgewebelosen Samen sind bei der Keimung auf die Symbiose mit einem Pilz angewiesen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Mykorrhiza. Darunter versteht man die Eusymbiose (ständiges Zusammenleben verschiedener Arten zu aller Vorteil) zwischen Wurzeln höherer Pflanzen und Pilzen. In dieser Lebensgemeinschaft wird der Pilz mit Kohlehydraten und Aminosäuren der Pflanze versorgt. Dafür begünstigt der Pilz andererseits die Wasser- bzw. Mineralsalzaufnahme (vor allem Phosphat) der Pflanze und hemmt die Schwermetallaufnahme. Außerdem kann sich das Rote Waldvöglein auch durch Wurzelsprosse verbreiten.

Bedeutung
Als erdbewohnende seltene Orchidee ist das Rote Waldvöglein in Deutschland eine geschützte Pflanze. Voraussetzung für ihr Vorkommen ist die Erhaltung von Trockenrasen auf Kalkböden. Im letzten Jahrhundert wurden in Deutschland überdurchschnittliche Tendenzen zum Bestandsrückgang registriert. Großen Anteil daran hat die Nutzungsänderung der Lebensräume des Roten Waldvögleins. Als wesentliche Faktoren gelten dabei:

  • weiträumige Flurbereinigungen
  • die Dezimierung der Waldmäntel und somit der an sie gebundenen Pflanzen
  • großflächige Aufforstung von Nadelhölzern in Form von Monokulturen
  • Einsatz von Großmaschinen in der Forstwirtschaft
  • zu hoher Wildbesatz und damit verbundener Verbiß.

In jüngster Zeit ist aber wieder eine positive Entwicklung zu verzeichnen: Gerodete Waldflächen werden mit Mischwäldern aufgeforstet und die Wald- und Ackerränder erlangen wieder ihre ökologische Bedeutung. Die Regeneration bedrohter Biotope wird durch wissenschaftlich fundierte Programme gefördert. Das Rote Waldvöglein ist somit eine Zeigerart für einen gesunden Wald und einen erfolgreichen Lebensraumschutz.

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