Nestbau der Amsel - Anpassung eines Kulturfolgers
Die Amsel ist erst vor rund 100 Jahren in die menschlichen Siedlungen und vor allem in deren Gärten eingewandert. Dieser Prozess vollzog sich nicht etwa aufgrund einer besonderen Zuneigung die diese Vogelart dem Menschen entgegenbrachte, sondern durch die tiefgreifenden Veränderungen, die menschliche Umgestaltungen in der Umwelt hervorgerufen haben. So bietet der Lebensraum Stadt der Amsel über alle Jahreszeiten höhere Temperaturen, mehr Licht und vor allem Nahrung, in Form von leicht erreichbaren Regenwürmern auf den vielen kurzrasig gehaltenen Grünflächen. Auch das Nestbauverhalten der Amsel passte sich an die neuen Lebensräume an. Die Nester stehen nicht mehr nur in Gebüschen, Hecken oder in den Ästen eines Baumes, sondern auch in Balkonkästen, Staketten, Autos, auf abgestellten Fahrrädern bzw. Leitern, auf Simsen, Lampen, u. a. kuriosen Standorten. Diese Entwicklung betrifft ebenso das Baumaterial der schalenförmigen Nester - Grashalme und Blätter - wird vielerorts durch Folienstücken, Schnüre, Stricke u. a. Kunstprodukte ergänzt.
| Nest der Amsel (Turdus merula) im Hartriegelgebüsch an der Rennbahn in Halle/Saale (Aufnahmen M. Lange). | |
Nest der Amsel (Turdus merula) auf einem Rauchabzug an einem Gebäude (J.-A.-Segner-Straße, Halle/Saale) - Aufnahmen K. Rönsch.










