Zaunkönig (Troglodytes troglodytes)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Zaunkönige (Troglodytidae)
Common Wren, Winter Wren
Der Zaunkönig gehört zu der gleichnamigen Familie der
Zaunkönige, zu der weltweit etwa 75 Arten in 16 Gattungen
zählen. Fast ausnahmslos bevölkern die anderen Vertreter der
Zaunkönigfamilie die Neue Welt und zwar vor allem das tropische
Mittel- und Südamerika. Unser heimischer Zaunkönig ist die
einzige Art der Paläarktis. Der lateinische Name Troglodytes geht
auf das griechische Wort troglodyt = Höhlenbewohner zurück.
Höhlen bewohnen Zaunkönige allerdings nicht, sondern eher
sind sie in Nischen und Spalten zu finden. Im Volksmund auch
»Zaunschlüpfer« genannt, fanden sich für den
Zaunkönig auch andere regionale Bezeichnungen, die sich auf die
winzige Gestalt, die Lebensweise oder sogar den Nestbau des kleinen
Vogels beziehen. So heißt er aufgrund der schnurrenden Laute im
Anhalter Dialekt „Zaunschnurz“ und sein
backofenförmiges Nest brachte ihm den Namen
„Backöfelchen“ bzw.
„Backofenschlüpfer“ ein. Da er auch im Winter singt,
wurde er in Mitteldeutschland „Schneekönig“ genannt
und im westlichen Deutschland erhielt er den Namen
„Mäusekönig“.
Vorkommen
Der Zaunkönig ist weltweit verbreitet. Er brütet in
Nordamerika und in Europa. In Russland ist er bis zur Küste des
Weißen Meeres, im Südural und an der Donmündung,
westlich des Schwarzen Meeres, im Kaukasus, im Amurgebiet sowie auf
Sachalin anzutreffen. Ebenso in Zentral- und Nordchina, im Nordiran und
in Zentralasien nach Osten bis Japan, Taiwan und den Kurilen. Besiedelt
wird Anatolien, die großen Mittelmeerinseln, der Libanon, Israel
und Teile Nordafrikas. Auf europäischen Inseln wie Island,
Färöer oder Korsika gibt es jeweils Unterarten, die sich
äußerlich unterscheiden.
Der Zaunkönig bevorzugt bodenfeuchte, gebüschreiche und mit
Unterholz ausgestattete Laub- und Mischwälder. Außerdem ist
er Bewohner der Parks, Gärten, Friedhöfe, Gehölze,
Gebüschstreifen und Hecken sowie der deckungsreichen
Uferlandschaften. In den Alpen kommt der Zaunkönig in Höhen
von 2400 bis 2700 m vor. Bruten finden aber nur bis 2000 m Höhe
statt.
Wanderungen
In Mitteleuropa ist der Zaunkönig das ganze Jahr über
anzutreffen und vorwiegend Stand- oder Strichvogel. Einige Vögel
überqueren auf dem Zug die Ostsee, den Ärmelkanal oder die
Alpen. Dabei können sie 40 bis 50 km Wegstrecke je Tag
zurücklegen. Die weiteste, bisher nachgewiesene Zugstrecke eines
Zaunkönigs betrug 2.800 Kilometer.
Im Winter wandern zahlreiche Zaunkönige auf der Suche nach
geeigneten Nahrungsplätzen, an denen sie Insekten und deren Larven
erbeuten können, weit umher und verlassen dann ihre Sommerreviere.
Dabei ziehen sie sich auch aus den höheren Gebirgslagen in mildere
und tiefer gelegene Standorte zurück. Gern suchen sie in dieser
Zeit auch die noch offenen Fließgewässer oder die Ufer
großer Gewässer auf, da sie hier im Uferbereich leicht
Nahrung finden. Auch in die Nähe des Menschen dringen sie dann vor
und nutzen in den Städten und Dörfern Schuppen, Ställe
und Scheunen als Winterquartiere. Wenn die Nächte besonders kalt
sind, bilden Zaunkönige Schlafgemeinschaften. In geeigneten
Nestern und Nischen - manchmal in Gebäuden und Nistkästen,
oder sogar in den Motorräumen von Autos - finden sich dann viele
Zaunkönige zusammen, die zusammengedrängt die Nacht
verbringen und sich so energiesparend wärmen. Bis zu über 20
Zaunkönige hat man so schon zusammen gefunden. Damit gleichen die
Vögel den Nachteil ihrer geringen Körpergröße aus,
die zu einem schnellen Auskühlen des Vogels führen kann.
Merkmale
Der Zaunkönig zählt zu den kleinsten Vögeln Europas. Er
ist außerdem der kürzeste Vogel und wiegt gerade einmal zehn
Gramm. Nur Sommer- und Wintergoldhähnchen sind noch kleiner. Der
Zaunkönig ist von kugeliger Gestalt mit einem charakteristischen
kurzen Schwanz, der sehr oft aufrecht getragen wird. An der
Schwanzstellung kann die Erregung des Vogels als sichtbares
Ausdruckszeichen gemessen werden. Dies gilt besonders wenn Beutegreifer
im Revier gesichtet werden. Auch beim Reviergesang der Männchen
wird der Schwanz mit hin- und herbewegt.
Sein relativ langer, spitzer und leicht gebogener Schnabel kennzeichnet ihn als typischen Insektenfresser.
Das Gefieder der Oberseite ist rostbraun gebändert und sorgt
für eine perfekte Tarnung im Unterholz. Die Unterseite ist beige
bis bräunlich rahmfarben gefärbt. Die Flügel und der
Schwanz sind ebenfalls braun gefärbt, mit einer auffälligen
Querbänderung. Die Wangen und das Kinn sind heller und heben sich
deutlich vom übrigen Gefieder ab. Weibchen und Männchen sind
von gleicher Gefiederfarbe.
Die kurzen Flügel zeichnen den Zaunkönig als schlechten
Flieger aus. Große Freiflächen meidet er und überfliegt
er ungern. Da der Zaunkönig in der Gebüschzone lebt, bewegt
er sich überwiegend hüpfend im Gebüsch fort.
Trotz seiner geringen Größe zeichnet sich der Zaunkönig
durch einen laut schmetternden und unverwechselbaren Gesang aus, den
man bis zu 500 m weit hören kann und der eine Lautstärke von
bis zu 90 Dezibel (unbewertet) erreichen kann. Sein Gesang besteht aus
melodischem Trillern und lautem Schmettern. In der Brutzeit beginnt der
Zaunkönig bereits nach drei Uhr morgens zu singen und hört
erst wieder am späten Abend auf. Die Gesangsstrophen beginnen mit
kurzen und leisen Lauten, die man als Einleitung bezeichnet. Es folgt
ein schmetternder Teil, der aus trillernden Lauten besteht und dem sich
leise Zwischenstücke anschließen. Es folgt wieder ein
Schmetterteil, dem nach weiteren Zwischentönen ein
abschließender Roller folgt. In einer Minute werden so 5 bis 6
Strophen gesungen, die je 4 bis 5 Sekunden dauern und von ebenso langen
Pausen unterbrochen sind. Bei Erregung schnarrt der kleine Vogel mit
erregt hochgerecktem Schwanz und zetert
»Zerr-tettettettettett«. Auch charakteristische kurze Rufe,
wie z.B. das Ticken, das sich wie »Tek«
(„Tschek“) bzw. „Tik“ anhört, gehören
zu seinem Lautrepertoire.
Zaunkönige erreichen ein Alter von sechs bis sieben Jahren.
Nahrung
Der Zaunkönig gehört zu den Insektenfressern. Seine geringe
Größe erlaubt ihm, seine Nahrung selbst in den kleinsten
Ritzen und Fugen zu suchen sowie in die dichtesten Gebüsche
vorzudringen. Mithilfe des langen dünnen Schnabels gelangt er in
alle Ritzen und Spalten, um an die Insektenbeute zu kommen. Aber auch
im Spülsaum von Gewässern, in Teichen und Pfützen findet
der kleine Vogel Nahrung.
Zaunkönige ernähren sich von Motten, Schnaken,
Köcherfliegen und Fliegen sowie deren Eier und Larven. Auch
Libellen, kleine Käfer, Tausendfüßer, Schaumzikaden,
Bachflohkrebse, Milben, Blattläuse, Ameisen und Ohrwürmer
werden gefressen. Am Boden, zwischen Wurzelwerk und unter
heruntergefallenen Ästen, findet der Zaunkönig Spinnen und
Weberknechte. Die Spinnen werden oft auf Plattenwegen hin und her
gerollt, bis ihre sperrigen Beinglieder abgebrochen sind. Die
Zubereitung großer Grillen dauert 40 Sekunden und das Schlucken
derselben bis zu 50 Sekunden.
Im Frühjahr und im Sommer wird auch die Baum- und Strauchschicht zur Nahrungssuche genutzt.
Selten werden Beeren und im Winter gelegentlich auch Sämereien aufgenommen.
Brutbiologie
Das Zaunkönigmännchen besetzt oft schon im Spätwinter
sein Revier und verteidigt es gegen Konkurrenten. Ihrem Revier bleiben
manche Männchen bis zu vier Jahre lang treu. Ab Ende März
baut der Revierinhaber dann mehrere sogenannte Wahl- oder Spielnester,
die er durch lautstarkem Balzgesang den Weibchen anbietet. Bis zu zehn
Nester kann ein Männchen in einem nahrungsreichen Revier erbauen.
Das erwählte Weibchen sucht sich das geeignetste Nest aus. Auf
diese Art und Weise kann ein Männchen sich mit bis zu drei (bzw.
auch vier) Weibchen paaren, die erfolgreich brüten, wenn die
Qualität des Lebensraums es zulässt. Dieses Verhalten nennt
man Polygynie.
Die Grundstruktur des Zaunkönignests ist kugelförmig
geschlossen, mit einem ovalen seitlichen Schlupfloch. Es erinnert stark
an einen Backofen. Das Männchen verwendet für den Bau Halme,
kleine Äste, dürres Laub, Moos, Gras und Teile von
Farnwedeln. Feuchte bzw. verschmutzte Blätter sorgen dafür,
dass das Nest nach deren Trocknung so zusammengehalten wird. Dafür
wird auch das feuchte Material, das zur Innenauspolsterung von
Amselnestern dient, entwendet. Der Eingang wird durch Halme besonders
verstärkt. Das Weibchen polstert das Nest dann innen mit Moos,
Federn, Wolle oder Haaren aus. Diese Polsterung kann bis zu 10 mm dick
sein. Für die Polsterung werden auch Federn eingebaut. In einem
Nest wurden 498 Hühnerfedern gezählt. Dafür musste das
Weibchen 204 mal Hin- und Herfliegen.
Oft sind Zaunkönignester in den Wurzeltellern umgestürzter
Bäume, oder in ausgewaschenen Wurzelstöcken an Bachufern zu
finden. Aber auch Mauerlöcher, Schilf-, Holz- und Reisighaufen,
Faschinen, Felsnischen, Nischen unter Steinblöcken, kleine
Sträucher, Efeu-, Schling- und Kletterpflanzen, Höhlungen in
Baumstämmen und sogar bodennahe, halboffene Nistkästen dienen
als Neststandorte. Aber auch die Nester der Mehl-, Rauch- und
Rötelschwalben nutzen einzelne Zaunkönige zum Brüten.
Auch kuriose Neststandorte konnten immer wieder festgestellt werden.
Darunter befanden sich Holzbalken in Gebäuden, leere
Konservenbüchsen, Tierschädel, Kraftfahrzeuge, Taschen von
Kleidungsstücken, Jackenärmel, Ofenrohre, zusammengerollte
Gartenschläuche, Straßenlaternen, Futterkrippen und
Blumentöpfe. Vor allem in den Willkommenskränzen, die an den
Haustüren angebracht sind, finden viele Bruten statt.
Einige Zaunkönige brüten in derart enger Nachbarschaft zu
anderen Vogelarten (z.B. Heckenbraunelle, Rotkehlchen, Wasseramsel und
Grauschnäpper), dass die Nester nebeneinander oder
übereinander stehen.
In der Regel befinden sich die Nester in Bodenhöhe unter zwei
Metern Höhe. Das höchste Nest fand sich in 12 m Höhe.
Alte Nester werden oft wieder ausgebessert und von dem selben
Männchen, das es gebaut hat, oder auch von anderen genutzt.
Zwischen Mitte April und Anfang Mai legt das Weibchen vier bis acht
weiße Eier (durchschnittlich sechs), die mit kleinen rostroten
oder rostbraunen Flecken versehen sind. Die Eier wiegen weniger als 1,4
Gramm und sind gerade einmal 17 mal 12,5 Millimeter groß. Das
Bebrüten der Eier, das mit der Ablage des letzten Eies beginnt,
übernimmt allein das Weibchen. Die Brutdauer beträgt 13 bis
15 Tage und kann bei schlechtem Wetter bis zu 20 Tage und darüber
betragen. Nur ausnahmsweise wird das Weibchen vom Männchen
gefüttert. Alle Jungen schlüpfen an einem Tag und
äußern anfangs keine Bettelrufe. Dies dient als
Feindvermeidung und Anpassung an das Brüten am Boden. Beide
Altvögel füttern. Oft füttert das Männchen erst
nach einer Woche mit, wenn die Jungen betteln. Allerdings kann das
Weibchen auch allein eine Brut großziehen. Dies trifft besonders
auf die zweiten und dritten Weibchen eines Männchens zu. Die
Nestlingszeit kann 15 bis 19 Tage betragen.
Fliegen die Jungen mit 15 Tagen gleichzeitig aus, ist ihr Gefieder noch
nicht vollständig entwickelt. Sie werden nach dem Ausfliegen noch
vom Männchen betreut und gefüttert. Die Jungen halten
untereinander stets Rufkontakt. Nachts übernachten die Jungen
zusammen in einem Nest ihrer Wahl und bleiben oft noch längere
Zeit als Verband zusammen.
Zaunkönige ziehen meist zwei Bruten pro Jahr hoch. Die Brutzeit
der zweiten Brut beginnt Ende Mai und dauert von Anfang bis Mitte Juli.
Ausnahmsweise wurden auch Bruten im August festgestellt.
Viele Bruten werden durch Säugetiere wie Wiesel, Marder, Ratten,
Mäuse, Siebenschläfer, Fuchs, Dachs, Katze und
Eichhörnchen geplündert. Aber auch der Eichelhäher kommt
als Räuber in Frage. Ebenso können Hummeln, Hornissen,
Wegschnecken oder Erdkröten zum Brutausfall führen. Aber auch
der Mensch kann durch Wald-, Mäh- und Aufräumungsarbeiten
Verluste verursachen. Der Straßenverkehr und der Tod an
Glasscheiben sind ebenfalls häufige Todesursachen. Auch starker
Regen und Hochwasser können zum Brutverlust führen.
Einige Zaunkönige wurden auch als Helfer bei der Aufzucht der
Jungen von anderen Vogelarten - wie z.B. Kohl- und Blaumeise,
Feldsperling und Bluthänfling - oder anderer Zaunkönigbruten
beobachtet.
Der Kuckuck allerdings, hat Schwierigkeiten sein Ei im Backofennest des Zaunkönigs unterzubringen.
Bestand
Der Zaunkönig gehört in Europa mit 1,5 bis 2,2 Millionen
Brutpaaren zu den häufigsten Vogelarten. In Ostdeutschland
brüten ca. 340 000 Brutpaare.
Der Zaunkönigbestand wird vor allem durch strenge Winter
reduziert. Allerdings erholt sich der Bestand auch schnell wieder und
gleicht die Winterverluste aus. Dies hängt auch von der
Qualität und vom Nahrungsangebot des jeweiligen Lebensraums ab.
Die Hauptvorkommen liegen entlang von Bächen und Flüssen.
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