Wanderdrossel (Turdus migratorius)


American Robin

Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)
Familie: Drosseln (Turdidae)

Gattung: Eigentliche Drosseln (Turdus)

Die Wanderdrossel ist die einzige "Echte Drossel"-Art der Turdus Gattung in Nordamerika. So wie ihre Verwandte, die europäische Amsel Turdus merula war auch die Wanderdrossel ursprünglich eine ausschließlich in Wäldern brütende Singvogelart. Jetzt ist sie großenteils verstädtert und brütet auch in Sekundärwäldern. Sie dringt bis in die Millionenstädte vor und besiedelt vor allem Gärten, Parks und Friedhöfe. Die europäischen Siedler übertrugen oft die Namen von ihnen bekannten Vögeln ihrer Heimat auf die bodenständigen Vogelarten, die sie in Nordamerika antrafen. So bekam die Wanderdrossel - aufgrund ihrer rostfarbenen Brust - den Namen Robin = Rotkehlchen. 

Vorkommen: Die Wanderdrossel ist in der gesamten Waldzone Nordamerikas von der polaren Baumgrenze im Norden südwärts bis an den Rand der Subtropen, Zentralflorida, der Küste des Golfs von Mexiko und inselartig in den Bergen Mexikos sowie bis zur Südspitze der Halbinsel Nieder-Kalifornien verbreitet. In diesem riesigen Verbreitungsgebiet kann man sieben Subspezies unterscheiden.

Wanderungen: In einem Großteil ihres Brutgebietes ist die Wanderdrossel Zugvogel und zieht in großen Schwärmen in den Süden der USA. Einzelne Vögel ziehen weiter bis Mittelamerika (Yucatan, Guatemala) bzw. in die Karibik (Kuba, Bahamas, Bermudas, Jamaica oder bis Puerto Rico). Außerdem gibt es auch einzelne Populationen, die als Standvögel in ihrem Brutgebiet überwintern. Kälteeinbrüche oder Schneestürme können dann zur kurzfristigen Massenabwanderung von 
10 000 und mehr Drosseln bis nach Florida führen.

In Europa ist die Wanderdrossel ein seltener Ausnahmegast, der wahrscheinlich oft nur mithilfe von Schiffen bis hierher kam. Bisher kam es zu über 10 Nachweisen in Deutschland. Beobachtungen sollten deshalb der Deutschen Seltenheitskommission mitgeteilt werden.

Merkmale 

Männchen und Weibchen sind nicht immer sicher voneinander zu unterscheiden. Die Jungvögelmunterscheiden sich bis zum 1 .Lebensjahr deutlich. Ihre gelblichrostfarbene Unterseite ist mit schwarzen Flecken versehen. Markant ist außerdem ein schwarzer Bartstreif.

Merkmal Männchen  Weibchen
Größe/Gewicht 25 cm; 54 - 94 g
Gestalt amselgroß
Kopf dunkel bräunlichgrau / schwarz grau
Augenring 3 kleine, weiße Flecken vor hinter und über dem Auge
Iris schwarzbraun
Kehle weiß schwarz gestrichelt
Schnabel chromgelb mit dunkelbrauner Spitze dunkel hornbraun mit gelbem Schnabelwinkel
Rücken bräunlich grau / schiefergrau grau
Unterseite lebhaft ziegelrot blasser
Brust ziegelrot matt ziegelrot
Bauch Bauchmitte weiß
Bürzel blass, braun (heller)
Füße dunkelbraun
Schwanz Unterschwanzdecken weiß

Stimme: Bei Erregung sind "wik-wik-wik", oder "tschit-tschit-tschit" Rufe zu hören. Der hastig und gepresst vorgegetragene Gesang klingt langweiliger und einförmiger als der von Singdrossel T. philomelos und Amsel T. merula. Eher erinnert er an den der Ringdrossel T. torquatus.

Die ältesten Ringvögel erreichten ein Alter von 11 Jahren, ein Käfigvogel wurde 17 Jahre alt.

Nahrung

Die Wanderdrossel frisst besonders gern Gartenfrüchte und Wildbeeren. Selbst Mangroven- und Kohlpalmenfrüchte können auf der Speisekarte stehen. In Obstanbaugebieten kann es daher zu Konflikten mit den Farmern kommen. Aber auch Insekten bilden einen Großteil ihrer Nahrung. Erbeutet werden Käfer, Raupen, Heuschrecken und Fliegen. Zur Nahrung zählen außerdem Regenwürmer, Schnecken, Tausendfüßer und Spinnen. In Ausnahmefällen werden auch Amphibien, Reptilien, Vogelnestlinge, Kleinsäuger und selbst Fischchen gefressen. Angenommen werden aber ebenso Brot u. a. Futtermittel an den Fütterungen in den Großstädten. 

Brutbiologie 

Viele Wanderdrosseln sind sehr reviertreu. Das führt dazu, dass sie mitunter mehrere Jahre hintereinander zum selben Nest zuräückkehren und dort brüten (Max. bis zu 12 mal in sechs Jahren!). Dabei wird das Nest in der neuen Brutsaison ausgebessert. Als Neststandorte werden Bäume und Sträucher, Spaliere, Zaunpfähle, Gartentore, Dachrinnen, Simse und Balken ausgesucht. Aber auch Bodennester kommen vor. Die verrangige Nesthöhe beträgt 1,5 bis 7 m (max. bis 24 m). Auch fremde Nester werden benutzt und ausgebaut. 
Das Nest wird vom Weibchen allein gebaut. Nur ausnahmsweise helfen einzelne Männchen mit. Der kompakte Bau besteht aus Gräsern, Halmen, Stängeln, Wurzeln, Schnur-, Garn- und Textilabfällen. Die Innenauskleidung bildet eine bis zum Nestrand reichende Lehmschicht. Die Eier sind einfarbig dunkel grünlichblau und selten mit dunkelbraunen Punkten gesprenkelt. Das Gelege besteht aus drei bis sechs, in den meisten Fällen vier Eiern. Gebrütet wird 11 bis 14 Tage lang. die Jungen werden 14 bis 16 Tage lang im Nest von beiden Altvögeln gefüttert. Nach dem Ausfliegen betreut das Männchen die Jungen, so dass das Weibchen zur nächsten Brut schreiten kann. Pro Jahr können so bis zu drei Bruten erfolgen. Im hohen Norden erfolgt allerdings nur eine Brut.
Verluste von Gelegen werden vor allem durch Unwetter, Kälteeinbrüche, Schlangen, Katzen, Grauhörnchen und auch andere Vogelarten wie z.B. Blauhäher Cyanocitta cristata und Purpurgrackel Quiscalus quiacalus hervorgerufen. Die Eier des Kuhstärlings Molothrus ater - eines in Nordamerika verbreiteten Brutparasiten - werden regelmäßig aus den Netsern entfernt, was man von anderen Singvogelarten nicht beobachten kann. Es kommt aber auch vor, das Wanderdrosseln ihre Jungen im selben Nest, mit denen von anderen Arten aufziehen. Derartige Mischbruten wurden z. B. mit Trauertaube Zenaida macroura und Hausfink Carpodacus mexicanus beobachtet.

Bestand

Die Wanderdrossel profitiert von der weiteren Urbanisierung des Kontinents, so z. B. von dem verstärkten Anlegen feuchter Rasenanlagen in den Städten. Dadurch ist ihre Bestandsdichte in den Siedlungen und Randbiotopen der Städte bereits größer, als es die Art in ihrem natürlichen Lebensraum erreichen könnte. In den 50iger und 60 iger Jahren kam es zu starken Bestandseinbrüchen durch DDT-Anwendungen, die zur Vergiftung der Regenwürmer führte. 

© Dirk Schäffer, Vogelschutz-online e.V.

 


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