Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes)Eurasian NutcrackerOrdnung: Sperlingsvoegel
(Passeriformes) Tannenhäher gehören zur Singvogelfamilie der Rabenvögel und ernähren sich überwiegend von den Samen der Nadelbäume, das ermöglicht ihnen eine einzigartige Anpassung an ihren Lebensraum. Vorkommen: Tannenhäher brüten in Deutschland vor allem im Alpenraum, in den Vogesen, im Schwarzwald und in den höheren Mittelgebirgslagen (Eifel, Ardennen, Sauerland, Weserbergland, Harz) mit Nadelwäldern. Diese Vögel sind überwiegend Standvögel. Außerdem kommt die Nominatform N. caryocatactes in Westrußland bis zum südlichen Ural, im südlichen Skandinavien sowie in Mittel- und Osteuropa vor. Die Tannenhäher sind typische Vögel des Montanwaldes und in den Zentralalpen ab 700 / 1.100 m bis 2.000 m über dem Meerespiegel bis zur Baumgrenze zu finden. In den ostdeutschen Mittelgebirgen kommen Tannenhäher oberhalb 400 m NN vor. Eine verwandte Art ist der nordamerikanische Kiefernhäher Nucifraga columbiana. Wanderungen: In Jahren mit schlechtem Fruchtertrag der sibirischen Zirben erfolgt - manchmal invasionsartig - ein starker Zustrom von der Unterart N. macrorhynchos, die sich durch einen längeren und schlankeren Schnabel von der Nominatform N. caryocatactes unterscheidet, aus Ostrußland und Sibirien. Dabei sind Flugstrecken von bis zu 3.000 km möglich. Der Rückflug dieser sibirischen Tannenhäher ist weniger umfangreich, da viele Vögel sterben und einige wenige auch zurückbleiben und am Invasionsort brüten. Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme deutet das Auftreten von Invasionsvögeln in unseren Breiten nicht automatisch auf einen strengenWinter hin. Merkmale Aussehen:
Ein Tannenhäher ist etwa so groß, wie ein
Eichelhäher
(32 bis 35 cm) und 150 bis 210 g schwer. Aber er hat einen
kürzeren Schwanz, einen langgestreckten Kopf und vor allem
einen längeren, kräftigen schwarzen Schnabel. Vom
dunkelbraunen,
mit kleinen weißen
Flecken übersäten bzw.
besprenkelten Gefieder (im Volksmund daher "Starenkrähen"
genannt)
heben sich die braunschwarzen, breiten und rund
wirkenden Flügel ab. Oberkopf und Nacken sind
ungefleckt,
dunkel- bis schwarzbraun und heben sich daher ebenfalls deutlich ab.
Die Iris ist von dunkelbrauner Farbe. Besonders fallen
- vor allem im Flug - die weißen Unterschwanzdecken und die
ebenfalls weiße Schwanzspitze auf. Die Läufe sind
schwarz
gefärbt. Männchen und Weibchen
sind von gleicher Gefiederfarbe. Die Jungvögel sehen etwas
heller
bzw. blasser (wie "Milchschokolade") aus, allerdings mit hornbraunem
Schnabel und Läufen sowie mit grauer bis graubrauner Iris.
Charakteristisch ist auch der Kehlsack, eine stark dehnbare Hautfalte
im Unterschnabel. Außerdem befindet sich im Unterschnabel
eine
Art Leiste, die als Widerlager zum Knacken von Samen dient.
Stimme: Tannenhäher sind insgesamt nicht sehr gesangs- und ruffreudig. Der in der Balzzeit zu hörende Gesang ist leise schwätzend, mit integrierten rauen Lauten und erinnert an den der Elster. In den Gesang werden geschickte Imitationen anderer Vogelarten mit eingebaut. Weitaus häufiger ist der kennzeichnende langgezogene Ruf zu hören. Dieser erinnert an die Rabenkrähe. Das "krrrräähh" bzw. "krärr-krärr" klingt aber länger, rollender und höher. Manchmal sind auch dohlenartige Rufe - wie "jäk" und "kja" - zu hören. Nahrung Die
Nahriungssuche findet auf Bäumen, in Büschen und auch
am Boden statt. Gefressen werden
vor allem die Samen der Arven, Kiefern, Fichten und Haselnüsse
sowie verschiedene Baumfrüchte. Weiterhin gehören
auch
Bucheckern, Eicheln, Esskastanien, Walnüsse und
hängengelassenes Obst zur
Nahrung. Durch seine spezielle Anpassung an die Ernährung
über Baumsamen erhält der Tannenhäher ausreichend
Kohlenhydrate und damit Energie , um im kalten Gebirgsklima zu
überleben. Brutbiologie
Zur Brutzeit, ab Februar/März bis Mai wird das Nest von beiden
Altvögeln hoch in Kiefern, Fichten, Arven und auch in
Lärchen
vor allem in Nähe des Stammes, in zwei bis zwölf
Meter
Höhe angelegt. Als Baumaterial werden
Zweige, Flechten, Moos, Halme, vermodertes Holz und Erde verwendet. Die
Nestmulde wird mit Gras, Rindenbast, Flechten, manchmal auch
Federn und Haaren ausgepolstert. Tannenhäher sind
das ganze Jahr über ortstreu und besetzen daher feste
Brutreviere
von 0,5 bis 8 ha
Größe, die von einem Paar bis zu 15 Jahre lang
benutzt
werden können. Der engere Nestbereich wird gegen Eindringlinge
energisch verteidigt. Das Weibchen legt zwei bis fünf
hell grünlich oder blassblau bis
weiß glänzende
und mit schwachen kleinen braunen
Sprenkeln versehene Eier, die auch vom Männchen mit
bebrütet
werden. Die Brutdauer beträgt 17 bis 19 Tage. Die
geschlüpften Jungvögel werden 24 bis 28 Tage
lang
überwiegend mit zerquetschten Piniensamen von beiden
Altvögeln im Nest gefüttert. Für die
Fütterung der
Jungen werden auch die angelegten Samenverstecke genutzt. Es findet nur
eine Jahresbrut statt. Bestand Derzeitig ist der Tannenhäher in seinem Bestand nicht gefährdet und breitet sich eher mit Zunahme der Fichtenwälder aus. Der deutsche Gesamtbestand wird auf 5.000 Brutpaare geschätzt. Allein in Sachsen gibt es 200 bis 350 Brutpaare, in Thüringen ca. 550 und rund 100 im Harz. Auch im Berliner Raum gab es schon die Brut eines sibirischen Tannenhähers. Im Gegensatz zu früher - als ihn seine Samensammeltätigkeit in Konkurrenz zum Menschen führte und ihm nachgesagt wurde, dass er der Waldverjüngung entgegenwirkt - hat man jetzt seinen Nutzen für den Wald erkannt und er steht wie alle Singvögel unter Schutz. Auch die Zeiten, in denen Tannenhäher auf der Speisenkarte standen, sind somit vorbei. So sind seine Samenverstecke in einigen Höhenlagen fast die einzige Möglichkeit, für eine Ausbreitung der Waldbäume. Die Zirbel-Kiefer Pinus cembra - auch Arve oder Zirbe genannt und in drei Unterarten im mitteleuropäischen Alpenraum, in Sibirien und in Korea verbreitet - ist auf seine Verstecke und die wenigen Samen, die er vergisst, für ihre Vermehrung geradezu angewiesen. Damit kann sich der Baum - unabhängig vom Menschen - im Alpenraum vermehren. Dieses Zusammenwirken zwischen Vogel und Pflanze (Baum) wird Zoochorie genannt. © Dirk Schäffer, Vogelschutz-online e.V. |
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