Rotdrossel (Turdus iliacus)Ordnung:
Sperlingsvoegel
(Passeriformes) Rotdrosseln sind scheue Walddrosseln und bei uns nur Durchzügler oder Wintergäste, die man mit etwas Glück vor allem an Beerensträuchern und Frucht tragenden Bäumen sowie an Fallobst in Gärten und Parks beobachten kann. Oft sind sie dann mit anderen Drosseln – vor allem Wacholderdrosseln (Turdus pilaris) – vergesellschaftet. Auffällig sind ihre rostroten bzw. „weinfarbigen“ Flanken, die ihr neben den auf rot bezugnehmenden Namen auch noch den Namen „Weindrossel“ gegeben haben. Wirken Rotdrosseln bei uns sehr scheu, so sind sie in ihrer nordischen Brutheimat viel vertrauter. Zum Teil brüten sie auch in den Gärten und Parks der Großstädte. Auf Island sogar an Gebäuden. In Mitteleuropa brüten sie nur sporadisch und in seltenen Ausnahmefällen. Vorkommen Rotdrosseln kommen in Südwestgrönland, Schottland, z.T. auf den Shetlands, Nordeuropa, dem Baltikum und Russland vor. Dort brüten sie in lichten nordischen Wäldern - z.B. Nadel- und Birkenwälder - bis zur Tundra hin. Auch Polen/Weißrußland und die Ukraine werden besiedelt. Auf Island und den Färöern kommt eine etwas größere und dunklere Unterart vor. Die Rotdrossel besiedelt aber auch die städtischen Gärten und Parks. Als Biotop bevorzugen sie Laubholz reiche Waldtypen mit einer dichten Strauchschicht (z.B. Birken- und Weidengestrüpp). Wanderungen In Mitteleuropa sind sie von Oktober bis April entweder auf dem Durchzug oder auch als Wintergäste festzustellen. Die in Mitteleuropa überwinternden Drosseln treten oft in großen Trupps auf. Auf dem Zug bilden sich z.T. sehr große Schwärme mit mehreren Tausend Vögeln. Diejenigen Rotdrosseln, die in südlichere Winterquartiere ziehen, überwintern vor allem im Mittelmeerraum. Dort ziehen sie bis zu den Kanarischen Inseln, Madeira, Tunesien und Südmarokko. Von allen Drosseln zieht die Rotdrossel über die weitesten Teilstrecken und einzelne Vögel erreichen extreme Leistungen (z.B. 2.500 km in vier Tagen). Bei diesen Wanderungen sind die Vögel sehr witterungsabhängig und der Zug konzentriert sich dann auf wenige geeignete Nächte im Jahr. Entsprechend länger sind deshalb ihre Aufenthalte an den Zwischenrastplätzen, bei entsprechendem Beerenangebot, wo die relativ kleinen Drosseln ihre Fettreserven ergänzen. Daher kommt es vor, dass einzelne Vögel an verschiedenen und weit voneinander entfernten Plätzen überwintern. So verbrachte z.B. eine Rotdrossel den ersten Winter in England und den nächsten im Libanon. Aussehen Männchen und Weibchen sind bei der Rotdrossel gleich gekennzeichnet. Alle weiteren Merkmale und die Beschreibung des Gefieders zeigt die Tabelle.
Rotdrosseln haben einen charakteristischen Flugruf, der den Vögeln im Schwarm zum Kontakt halten dient – es ist ein raues „tsieht“ oder „zieh“ („ziih“) – an denen man auch nachts ziehende Rotdrosselschwärme erkennen kann. Rotdrosseln fliegen sehr schnell, geradlinig und auf dem Zug in großer Höhe. Ihren weittragenden (bis 1 km), wohltönenden und flötenden Gesang kann man bei uns selten hören. Es ist abfallende, laute Reihe, die sich wie „trie triü trü tru“ (auch „trü-trü-trü“ beginnend) anhört. Der Gesang endet in einen schnarrenden und kratzenden Nachgesang, der in Länge und Variation zwischen den Vögeln sehr variabel ist. Der Strophenanfang bleibt bei vielen Männchen während der Brutperiode konstant. Allerdings gibt es unterschiedliche lokale Dialekte. Das Höchstalter einer beringten Rotdrossel betrug 12,5 Jahre. Brutbiologie Wenn die Rotdrosseln im April in ihrer Brutheimat eintreffen, liegt dort oft noch Schnee. Der charakteristische Gesang der Rotdrosselmännchen ist zur Brutzeit weit in den nordischen Wäldern zu hören, um die relativ großen Reviere abzustecken. Anfang Mai beginnen die Rotdrosseln mit dem Nestbau. Das Weibchen lässt sich mehrere Tage Zeit, um den ausgewählten Brutstandort auf seine Tauglichkeit zu überprüfen. In der Wahl der Neststandorte sind die Rotdrosseln – ähnlich wie die verwandte Amsel (Turdus merula) – allerdings sehr variabel. Das typische drosselartige, napfförmige und relativ schwere Nest wird niedrig in Gebüschen, in Holz- und Reisighaufen, in Schling- und Kletterpflanzen, auf Baumstümpfen, am Boden an Stämme oder Gebüsche angelehnt oder auch in dichten Jungfichten angelegt. Vor allem dort, wo Bäume und Sträucher im Verbreitungsgebiet fehlen, werden auch in Autowracks, in leerstehenden oder an Gebäuden, auf Maschinen und Nistkästen viele Nester angelegt. In Jahren mit einem hohen Bestand an Kleinnagern wird der Boden als Neststandort gemieden. Das Nest, das ausschließlich das Weibchen baut, besteht aus drei Schichten. Für die äußere werden grobe Gräser, Schachtelhalme Farn, Birkenbast u.a. Materialien verwandt, dann werden feuchte Erde, Lehm, verrottete Blätter u.a. eingearbeitet und innen wird das Nest mit feinen Gräsern ausgepolstert. Dabei können die Nester sehr hoch werden. Der Nestbau dauert drei bis sechs Tage. Am letzten Bautag wird das erste Ei gelegt. Die meist 5 bis 6 graugrünlich bis oliv braunen Eier sind vollständig mit feinen lehmbraunen Strichchen und Flecken überzogen und werden bis zu 13 Tage nur vom Weibchen bebrütet. Gegen Störungen am Nest sind die Vögel sehr empfindlich und verlassen dann das Gelege. Allerdings werden die Nester auch gegen Angreifer aktiv von beiden Altvögeln verteidigt. Beim Schlüpfen wiegen die Küken ca. 4 g. Sie werden (9) 12 bis 14 Tage lang gefüttert. Vor allem im südlicheren Teil des Verbreitungsgebietes kommt es zu Zweitbruten. Geht das erste Gelege verloren, kommt es schnell zu Ersatzgelegen. Oft brüten Rotdrosseln in den Kolonien der Wacholderdrossel (Turdus pilaris) , wo sie von deren aktiver Nestverteidigung gegenüber Feinden profitieren. Nahrung Im Sommer werden vor allem bodenbewohnende Kleintiere (Regenwürmer, Insekten und deren Larven) erbeutet. Heidelbeeren sind ebenfalls Teil der Nahrung. Im Winter sind Beeren (z.B. Sanddorn, Holunder, Hartriegel, Eberesche, Efeu, Eibe) der hauptsächliche Nahrungsbestandteil. Aber auch auf Wiesen und Brachen sowie umgebrochenen Äckern kann man regelmäßig Rotdrosseln zur Nahrungssuche beobachten. Ebenso in Tangansammlungen am Spülsaum. Bestand Außerhalb des nordischen Verbreitungsgebietes treten nur sporadische Einzelbruten auf. In Deutschland wurden z.B. zuletzt in den 80iger Jahren einzelne Bruten in Niedersachsen, im Drömling und in der Lausitz festgestellt. Einzelne Bruten gab es auch in Dänemark, Österreich, der Slowakei und Tschechien. Kalte Winter können kurzfristig zu enormen Populationsschwankungen führen. Aber auch während es Zuges verunglücken viele Vögel an Hindernissen oder werden bei ungünstiger Witterung und Nahrungsknappheit so geschwächt, dass sie ihre Energiereserven nicht erneuern können. Viele verenden dann, oder werden Opfer von Greifvögeln, Eulen und Großmöwen. © Dirk Schäffer, Vogelschutz-online e.V. (12/2005) |
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