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Ringelgans (Branta bernicla bernicla)
Brent Goose, Brant (Nordamerika)
Ordnung:
Gaensevoegel
(Anseriformes)
Familie: Entenvoegel
(Anatidae)
Unterfamilie: Gänse und Schwäne (Anserinae)
Gattung: Meergänse (Branta)
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Die Ringelgans ist eine relativ kleine und dunkle arktische Gans, die
den Meergänsen zugeordnet wird. Ihren Namen verdankt sie dem
markanten weißen Halsring, der allerdings nicht ganz geschlossen
ist. In Deutschland ist sie, an den Küsten des Wattenmeeres,
ausschließlich als Wintergast zu beobachten. Brüten tut sie
dahingegen rund um die Arktis, an den Küsten des Polarmeeres. Dies
führte im Mittelalter zur Bildung verschiedener Mythen und
Volksglauben. Da niemand Ringelgänse brüten sehen hatte,
dachte man, die Ringelgans wächst in fernen Ländern an
Bäumen („Entenbaum“). Die mitunter auf Treibholz
angespülten Entenmuscheln (Tatsächlich zwei Arten der
Rankenfußkrebse.) wurden sogar für „unreife
Gänsefrüchte“ gehalten, da bei diesen
„Muscheln“ zwischen ihren „Schalen“ seltsame
Gebilde (ähnlich Vogelfedern) zu sehen waren. So entstand aus der
Bezeichnung für Muschel (keltisch = barnagh, daraus schottisch =
barnacle) der wissenschaftliche Begriff bernicel und damit die
„Bernikelgans“. Auf den Mythos der Entenmuscheln bezog
LINNÉ den lateinischen Namen für die beiden
Rankenfußkrebsarten Lepus ansifera (heute L. fasciculares ) und Lepus anatifera . Pate standen dafür anser = Gans und anas = Ente sowie ferre = tragen.
Selbst die Mönche machten sich den Volksglauben zu Nutze und
deklarierten Bernikelgänse zur Fastenspeise, da sie ja
„vegetarischer Herkunft“ waren. Erst ein Verbot des Pabsts
beendete diese Fastengewohnheit.
Vorkommen
Die Ringelgans ist im arktischen Sommer um den Nordpol herum verbreitet
und kommt in drei Unterarten vor: Die Dunkelbäuchige Ringelgans
(Nominatform), die Hellbäuchige / Atlantische Ringelgans und die
Schwarzbäuchige / Pazifische Ringelgans. Allerdings können
innerhalb der einzelnen Unterarten verschiedene Teilpopulationen
unterschieden werden, deren Einordnung noch in der Diskussion steht.
Brutgebiete der einzelnen Ringelgansunterarten.
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Ringelgans
- Unterart
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Brutgebiete
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Dunkelbäuchige
(Branta
bernicla bernicla)
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Nordsibirien etwa zwischen dem
65. und 100. Breitengrad, Hauptvorkommen Taimyr-Halbinsel
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Schwarzbäuchige / Pazifische
(Branta bernicla
nigricans)
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von Ostsibirien, Wrangel-Insel,
Bering-Straße, über Alaska bis Nordkanada, etwa vom 160. bis zum 80.
Längengrad
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Hellbäuchige / Atlantische
(Branta bernicla
hrota)
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östliches Nordkanada, Nordgrönland,
Spitzbergen und Franz-Josef-Land
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Wanderungen
Ende September kehren Ringelgänse schon wieder aus ihrem
nordischen Brutgebiet in ihr Winterquartier zurück und verbleiben
dort bis in den Mai hinein. Der Abzug beginnt aber stellenweise bereits
im März.
Als „Meeresgans“ hält sich die Ringelgans während
des Zuges hauptsächlich an den Meeresküsten auf. Nur selten
kann man sie im Binnenland beobachten.
In Europa überwintern die Ringelgänse überwiegend in den
wintermilden Gebieten Nordfrankreichs und Englands. Bei uns stellt das
Wattenmeer das Hauptwinter- und Rastquartier dar. Die hier rastenden
bzw. überwinternden Ringelgänse sind überwiegend
sibirische Brutvögel. Oft halten sich die Ringelgänse in der
Gezeitenzone auf und sind dann mit Pfeifenten vergesellschaftet.
Winterquartiere der einzelnen Ringelgansunterarten.
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Unterart
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Winterquartier
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Dunkelbäuchige Ringelgans
(Branta bernicla bernicla)
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NW-Europa; Europäische Atlantik-
und Nordseeküste von Südfrankreich bis nach Jütland sowie Britische Inseln
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Schwarzbäuchige Ringelgans
(Branta bernicla nigricans)
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Asiatische Pazifikküste; Küsten
Japans und Chinas und nordamerikanische Pazifikküste
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Hellbäuchige Ringelgans
(Branta bernicla hrota)
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Küste Nordostenglands, Irland,
Dänemark;
Kanadische Population an
amerikanische Atlantikküste
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Für einzelne, beringte Gänse sind geradezu
außergewöhnliche Flugleistungen auf dem Heimzug belegt. So
schaffte eine Gans die 2.800 km lange Strecke Hallig Jordsand
(Dänemark) – Oberlauf der Petschora (östlich
Kanin-Halbinsel) in 7 Tagen. Eine andere Gans benötigte für
die 4.200 km von der holländischen Insel Texel bis Dixon
(Sibirien) 17 Tage. Dort wurde sie allerdings Beute des Eisfuchses.
Generell wurde berechnet, dass beim Nonstopflug für die 1.500 km
lange Strecke Wattenmeer – Finnischer Meerbusen, bei leichtem
Rückenwind, 17 Flugstunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit
von 90 km/h aufgewendet werden müssen.
Für diese energetisch aufwendige Leistung benötigen die
Gänse enorme Fettdepots, die sie sich im Winterquartier anfressen
müssen. Voraussetzung dafür ist der Schutz vor menschlichen
Störungen.
Letztendlich wirken sich die Bedingungen auf dem Rückzug auch
direkt auf den Bruterfolg aus. Denn mit Rückenwind ist die
Reisezeit kürzer und die Gänse verlieren weniger
Körpergewicht, da der Energieverlust geringer ist. Bei
ungünstigen Bedingungen treffen die Gänse stark
erschöpft und mit wenig Fettreserven im Brutgebiet ein.
Nachgewiesen ist, dass schwerere Gänse deutlich größere
Gelege hervorbringen und erfolgreicher brüten.
Aussehen
Mit etwa 60 cm Körpergröße sind Ringelgänse kaum
größer als unsere bekannten Stockenten.
Vom Schnabel bis zur Brust sind Ringelgänse mattschwarz
gefärbt. Der namensgebende, schmale weiße Halsring ist erst
bei den Altvögeln ausgeprägt und fehlt den jungen
Ringelgänsen noch.
Die Gans ist meist etwas kleiner und kurzhalsiger als der Ganter.
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Geschlecht
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Gewicht (g)
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Größe (cm)
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Ganter |
1.250 – 2.200
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58 - 66
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Gans
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1.200 – 1.900
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55 - 62
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Aussehen der einzelnen Ringelgansunterarten.
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Ringelgans
- Unterart
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Kennzeichen
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Dunkelbäuchige
(Branta bernicla bernicla)
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Dunkel graubraunes
Körpergefieder. Die Flanken sind fein weißlich gesäumt. Der Halsring besteht
aus feinen weißen Bändern.
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Schwarzbäuchige / Pazifische Ringelgans
(Branta bernicla
nigricans)
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Das Körpergefieder ist vorwiegend
schwarz. Die Flankenzeichnung ist kräftig weiß. Der Halsring ist breit, fast
geschlossen.
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Hellbäuchige / Atlantische
Ringelgans
(Branta bernicla hrota)
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Aufgehelltes, bräunliches
Körpergefieder. Der Bauch und die Flanken sind breit gesäumt, sodass sie
mehrheitlich weißlich erscheinen. Der Halsring ist ebenfalls fein gezeichnet.
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Ringelgänse, vergesellschaftet mit Weißwangengänsen (auch Nonnengans genannt) (Branta leucopsis) . Aufnahme: K. RÖNSCH, 25.10.2004, Tüskendörsee (Borkum).
Die Stimme der Ringelgans klingt wie „honk“ oder
aber „rott-rott-rott“, worauf sich auch ihr älterer
deutscher Name „Rottgans“ bezieht.
In Nordeuropa gefangene Ringelgänse wiesen ein Alter von 13 bzw.
maximal 16 Jahren auf.
Für eine Gruppe kanadischer schwarzbäuchiger Ringelgänse
konnte durch die Beringung ein Alter von 20 bis 25 Jahren festgestellt
werden.
Brutbiologie
Die Brutgebiete liegen in der baumlosen hocharktischen Tundra.
Generell haben Ringelgänse nach ihrem Abflug aus dem Wattenmeer
nicht sehr viel Zeit zur Brut, da der Polarsommer nur sehr kurz ist.
Manchmal liegt im Brutgebiet auch noch Schnee, wenn die Gänse ab
Ende Mai eintreffen. In dieser Zeit sind die Gänse auf ihr
Fettdepot angewiesen, das sie sich im Winterquartier angefressen haben.
Trotzdem beginnen sie sofort mit Nestbau und Eiablage.
Ihre Nester legen die Ringelgänse einzeln oder auch in Kolonien
an. Für gewöhnlich liegt das Nest auf einer leicht
erhöhten, von Steinen umgebenen Vegetationsinsel in sumpfigem
Gelände. Dabei wird ein Standort bevorzugt, der an einem
Süßgewässer (vor allem Tümpel) liegt. Oft
führen extreme Hochwasser zum Verlust der Gelege. Allerdings wurde
auch schon beobachtet, dass Gelege, die 24 Stunden unter Wasser
standen, weiterbebrütet wurden und die Jungen sogar
schlüpften.
Das Nest wird aus Gräsern, Flechten und Moos gebaut. Innen wird es
mit Dunen ausgepolstert, die sich die Gans aus dem Bauchgefieder zupft.
Dabei entsteht der charakteristische „Brutfleck“. Das
Gelege besteht aus 3 bis 6 hellolivgrünen Eiern, die bereits eine
Woche nach Ankunft aus dem Winterquartier gelegt werden können.
Die Brutdauer beträgt 24 bis 26 Tage. Die frisch geschlüpften
Jungen werden zunächst zum nächsten Gewässer
geführt, wo sie sich bis zur Mauser aufhalten. Das gesamte
Brutgeschäft dauerte nur ca. 110 Tage.
Die Ganter halten sich in Nestnähe auf und beteiligen sich anfangs
an der Jungenführung. Später sondern sie sich jedoch vor
Beginn ihrer Schwingenmauser von den Familien ab und bilden große
Mauserscharen. Die Schwungfedern wachsen innerhalb von 22 Tagen nach.
Die gemeinsam abziehenden Familienverbände lösen sich dann bereits während des Herbstzuges auf.
Ringelganspaare bleiben ein Leben lang zusammen und halten ihrem
Brutplatz die Treue. Die große Mehrheit der jungen Gänse
kehrt an den Ort ihrer Geburt zurück.
Der Bruterfolg der Ringelgänse in der arktischen Tundra hängt
wesentlich von der Bestandsgröße der
Kleinsäugersäugerpopulationen ab. Dies betrifft vor allem die
Bestandsgröße von Halsbandlemming (Dicrostonyx torquatus) und Sibirischem Lemming (Lemmus sibiricus) .
Beide Arten vermehren sich in festen Zyklen, von denen die Beutegreifer
der Arktis abhängig sind. Ein hoher Lemmingbestand heißt
immer, dass sich Eisfuchs (Alopex lagopus) und Schnee-Eule (Nyctéa scandiaca)
erfolgreich vermehren. Ist der Lemmingbestand allerdings gering, dann
steigen vor allem die Eisfüchse auf Ersatznahrung um und das sind
dann Ringelgänse oder deren Eier und Küken. Oft nutzen
einzelne Ringelganspaare den Schutz eines Schnee-Eulenpaares, da diese
in der Lage sind, den Eisfuchs von ihrem Nest vertreiben zu
können. In einem Jahr mit wenigen Lemmingen brüten die
Schnee-Eulen aber gar nicht erst. Das heißt zusätzlich, dass
dann auch der Schutz für die Gänse entfällt.
Eine zusätzliche Anpassung an den extremen arktischen Lebensraum
stellt die Fähigkeit der Ringelgansweibchen dar, bei extremen
Umweltbedingungen (späte Schneeschmelze) die im Ovar bereits
gebildeten Follikel wieder zurückzubilden. Die Vögel
können damit die Gelegegröße begrenzen, oder in
extremen Jahren die Brut ganz unterdrücken.
Nahrung
Die Ringelgans braucht enorme Nahrungsmengen, denn nur knapp ein
Drittel der aufgenommenen Nahrung kann tatsächlich verdaut werden.
Sie besteht in den Brutgebieten aus Tundrapflanzen einschließlich
Flechten und Moosen, die von den Felsen abgeäst werden sowie
Seggen und Andelgras. Im Herbst fressen die Gänse im Watt vor
allem Kleines Seegras, Grünalgen, Queller, Strandaster, andere
Halophyten und auch Beeren. Nach der Überwinterung im
Frühjahr grasen sie vor allem das junge Grün der Salzwiesen
ab.
Mithilfe ihrer gut ausgebildeten Salzdrüsen können die
Ringelgänse das mit der Nahrung aufgenommene Salz wieder
ausscheiden.
Auf Meerstrandwegerichflächen verbeißen die Gänse fast
nur die vier zarteren, oberen Blätter. Innerhalb von vier Tagen
haben sich die Pflanzen wieder regeneriert. Dann kehren die Gänse
wieder auf die Fläche zurück. So beweiden die Gänse auch
andere Weideflächen, man kann von einem regelrechten
„Management“ sprechen.
An der Nordsee, haben sich die Ringelgänse auch auf andere
Wasserpflanzen wie Seetang, Grünalgen und verschiedene
Salzpflanzen umgestellt. Häufiger als zuvor werden heute die
Marschwiesen - vor allem bei Hochwasser - beflogen. Ebenso werden aber
auch Mollusken, Crustaceen und andere Wirbellose (z.B.
Wattringelwürmer) gefressen.
Bei der Nahrungssuche sind die Ringelgänse oft mit Pfeifenten und Weißwangengänsen vergesellschaftet.


Ein kleine Gruppe Ringelgänse beim Fressen von Algen an Buhnen,
die vom Seewasser überspült werden. Aufnahmen K. RÖNSCH,
28.10.04, Borkum, Westküste.
Bestand
Der Bestand der Ringelgans ist aufgrund ihres komplizierten
Lebensrhythmus extrem anfällig gegenüber natürlichen
Veränderungen (z.B. extreme Wetterlagen, fehlende
Nahrungspflanzen) in ihrem Brut- und Rastgebieten und korreliert im
Brutgebiet stark mit der Populationsgröße von
Kleinsäugern und Beutegreifern. Späte
Kälteeinbrüche oder auch Schnee- und Regenfälle
können im Brutgebiet zum Totalausfall der Brut führen. Milde
Winter im Winterquartier führen zu einem verfrühten
Vegetationswachstum, so dass den Gänsen vor dem Abflug zu
rohfaserreiche Gräser zur Verfügung stehen.
Kommt dazu noch eine Beeinflussung dieses komplizierten Systems durch den Menschen, kann dies gravierende Auswirkungen haben.
Die unkontrollierte Jagd ist einer dieser Faktoren. So wirkte sich die
Zwangsdeportation von Menschen im Rahmen der stalinschen
Säuberungen in den 30iger Jahren auch auf die sibirischen
Ringelgänse aus. Denn die hungernden Gefangenen fingen die
während der Mauser im Sommer für einige Wochen
flugunfähigen Gänse mit ihren Fischnetzen zu Tausenden ein.
Diese Jagdmethode wurde noch bis in die 60er Jahre von den sowjetischen
Fischerei-Sowchosen weiter durchgeführt.
Fast gleichzeitig kam es zu einer Veränderung der
Nahrungsgrundlage im Winterquartier. Die Katastrophe begann im
Spätsommer des Jahres 1931 an der nordamerikanischen
Atlantikküste. Eine Pilzerkrankung führte dazu, dass fast 90
% der Seegrasart Zostera marina
von der sich die Gänse hauptsächlich ernähten, innerhalb
kurzer Zeit abstarben. Schnell griff das Seegrassterben auf die
französische Atlantikküste über und verbreitete sich
auch an anderen europäischen Küsten. Somit verschwand die
Hauptnahrung der Ringelgänse aus einem Großteil des
Wattenmeeres. Allerdings ernähren sich Ringelgänse auch von
anderer Nahrung und so müssen weitere Faktoren zum
Bestandsrückgang geführt haben. Dazu zählen wohl auch
die Beunruhigungen während des zweiten Weltkrieges. Andere
Vermutungen gehen davon aus, dass die Gänse auf den Wiesen des
Weidelandes, die sie dann zur Nahrungssuche aufsuchten, leichter und
vor allem in großer Zahl zu jagen waren. Mitte der 50er Jahre
wurde der Gesamtbestand nur noch auf 10.000 bis 16.000 Vögel
geschätzt. Doch dann begannen sich die überlebenden
Gänse in ihrer Ernährung umzustellen und damit konnte sich
auch der Gesamtbestand erholen. Die Gänse begannen vermehrt auf
den Salzwiesen zu grasen und so bildete Gras den Hauptbestandteil der
Winternahrung. In den 60iger Jahren gab es bereits wieder 30.500
Gänse und Mitte der 70er Jahre waren es ca. 110.000 Gänse.
Gleichzeitig wurde in Europa (Frankreich und Dänemark) die Jagd
auf Ringelgänse verboten. Dies hatte noch einmal eine
Bestandszunahme zur Folge. In den 80er Jahren gab es dann 200.000 bis
300.000 Ringelgänse. Damit war die rasche Zunahme der Art beendet.
Inzwischen ist der Bestand wieder auf 200.000 Gänse gefallen, da
wiederholt der Bruterfolg ausblieb. Als Ursachen werden der Klimawandel
und erneute Jagd in den sibirischen Brutgebieten vermutet.
Aber auch die Konkurrenz mit anderen Gänsearten könnte zu
Bestandsveränderungen führen. So wirkt sich z.B. die Zunahme
der größeren Weißwangengans auf Spitzbergen auf den
Bestand der dort brütenden Ringelgansunterart aus. Selbst der
Reaktorunfall von Tschernobyl führte zur Verstrahlung einzelner
Gänse, wie Beringer auf Texel feststellten.
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