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Reiherente (Aythya fuligula L.)
Tufted Duck, Tufted Pochard
Ordnung:
Gänsevögel
(Anseriformes)
Familie: Entenvögel
(Anatidae)
Unterfamilie: Entenvögel (Anatinae)
Die Reiherente ist eine Tauchente und wahrscheinlich die häufigste
Aythya-Art, die über die gesamte Paläarktis verbreitet ist.
Sie verdankt ihren Namen dem markanten Federschopf, der an den des
Reihers erinnert und der auch im Ruhekleid noch etwas sichtbar bleibt.
Reiherenten sind, von Osten und Norden kommend, nachträglich nach
Mitteleuropa eingewandert. Offenbar geschah dies bereits im 18.
Jahrhundert.
Sie sind auch beliebte Ziervögel, die bereits im 17. Jahrhundert
auf den Parkteichen von Versailles und im Londoner Hydepark gehalten
wurden. Nach den Zuchterfolgen des Berliner Zoos am Anfang des 20.
Jahrhunderts gehören Reiherenten heute zu fast jedem zoologischen
Garten und sind auf vielen Parkgewässern zu finden.
Vorkommen Reiherenten brüten im nördlichen Europa
und Asien von Island im Westen, bis Kamschatka im Osten. Die
nördliche Grenze bildet der Rand der Waldtundra. Südlich
kommen sie von Südfrankreich, über das mittlere Europa, bis
nach Nordjapan vor. 1895 siedelte sich die Reiherente auch auf Island
an. In Belgien, in den Niederlanden und in Frankreich breitet sie sich
nach wie vor aus. In der Schweiz stieg der Bestand enorm an, nachdem
sich die Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha) in Schweizer
Gewässern ansiedelte.
In Deutschland ist die Reiherente ein unregelmäßiger
Brutvogel, der sich weiterhin ausbreitet und ab Anfang Oktober ein
häufiger Überwinterungsgast ist.
Wanderungen Reiherenten sind großenteils
Zugvögel und wandern bis West- und Südeuropa bzw. Nord- und
Mittelafrika, wobei in Äthiopien und im Sudan die
größten Winteransammlungen sind. Einige Gruppen
überqueren auch die Sahara, fliegen zum Tschadsee oder nach
Nigeria, andere ziehen zum Mittelmeer, zum Kaspischen oder Schwarzen
Meer. Die isländischen Reiherenten überwintern in Irland und
Schottland.
Die wichtigsten europäischen Überwinterungsgebiete sind die
Britischen Inseln, die westliche Ostsee von Mittelschweden
südwärts bis Dänemark, Schleswig-Holstein und
Mecklenburg sowie die Niederlande. In Deutschland sind das
Niederrheingebiet, Südbayern, der Bodensee, der Schweriner See
sowie die vielen Havelseen zwischen Potsdam und Brandenburg wichtige
Überwinterungsgebiete.
Generell werden zur Überwinterung eisfreie Gewässer
ausgewählt, wo wie z.B. auf Stauseen, sehr große Rastzahlen
erreicht werden. In der Schweiz wurden in den letzten Jahren jeweils
zwischen 150.000 und 200.000 Reiherenten gezählt. Den Rekord
hält eine Reiherente, die in Ostsibirien beringt wurde und 8.100
km flog, um in der Schweiz zu überwintern.
Merkmale Reiherenten sind kleine
Süßwassertauchenten, die mit etwa 40 bis 47 cm Länge
etwas kleiner sind, als die bekannten Stockenten. Die Erpel wiegen um
760, die Enten um 710 g. Je nach Ernährungszustand kann dabei das
Gewicht auch zwischen 600 und 1.000 g schwanken.
Beide Geschlechter sehen verschieden aus. Der Erpel ist im Brutkleid an
Kopf, Hals, Brust, Rücken und Hinterkörper schwarz
gefärbt. Sein Bauch und die Körperseiten heben sich davon
kontrastreich mit weißer Farbe ab. Der relativ kurze und breite
Schnabel ist grau gefärbt und hat eine schwarze Spitze. Der Kopf
wirkt relativ groß, wobei der flache Oberkopf und die steile und
hohe Stirn auffallen. Vom Hinterkopf in den Nacken fallend, hat der
Erpel einen schwarzen, lang herabhängenden und gut sichtbaren
Federschopf (Holle), der beim Weibchen unauffälliger ausgebildet
ist. Im Ruhekleid ist der Federschopf allerdings auch beim Erpel nur
angedeutet.
Die Ente ist insgesamt bräunlich gekennzeichnet, wirkt an den
Flügeln etwas grauer und ist an den Flanken hell gewellt. Der
kurze breite Schnabel hat um die Schnabelwurzel einen hellen Ring. Die
Iris der Reiherente ist bei den Erpeln leuchtend gelb, bei den Enten
gelb, oder auch bräunlich und bei den Jungenten bis zum ersten
Winter braun gefärbt.
Durch das charakteristische Aussehen kann man Reiherenten kaum mit
einer anderen Ente verwechseln, höchstens mit dem - besonders im
Schlichtkleid ähnlich aussehenden - Erpel der Bergente. Wobei
Bergenten keinen schwarzen Rücken und keinen Schopf haben.
Am Flugbild fallen die bis fast zur Flügelspitze verlaufenden
weißen Flügelkanten der Reiherente und die helle Unterseite
auf. Reiherenten fliegen mit schnellen Flügelschlägen und
hörbar pfeifendem Fluggeräusch. Die Spannweite erreicht 65
bis 72 cm.
Die Stimme der Reiherenten ist ein leises zweiteiliges
„quüpü“ bzw. „quipü“ oder
„quüpie“, manchmal auch leiser
„quäbäck“. Diese Tonreihe kann auch wiehernd
„quiüüüü“ oder leiser
„göööö“ vorgetragen werden. Die Ente
äußert auch ein knarrendes „karrr“. Die
verschiedenen Rufe können umso lebhafter werden, je mehr
Ententrupps versammelt sind. Erregte Erpel rufen auch
„gügü-gürr“, dem die Enten kurz mit
„krök“ antworten.
Freilebende Reiherenten wurden mindestens 13 bzw. 14 Jahre alt und in Gefangenschaft wurde eine Reiherente fast 19 Jahre alt.
Nahrung Bei der Nahrungssuche sind Reiherenten sehr
anpassungsfähig und tauchen bis zu zwei Meter tief, um z.B. an
Mollusken (Mies-, Herz- und Wandermuscheln) heranzukommen. Nur selten
wird auch in flachen Gewässern zur Nahrungssuche gegründelt.
Gefressen werden vor allem Wandermuscheln und Wasserschnecken. Auch
kleine Fischchen und Kaulquappen erbeuten sie und verzehren diese
gleich unter Wasser.
Im Winter ernähren sie sich mehr von pflanzlicher Kost, wie z.B.
Samen und Pflanzenteile, die auf dem Wasser treiben. Aber auch an den
Fütterungsstellen in den Großstädten sind sie vertreten
und konkurrieren mit den größeren Stockenten und
Bläßrallen um das Futter, das ihnen zugeworfen wird. Dabei
sind sie - durch schnelles Wegtauchen mit dem Futter - gegenüber
den anderen Arten (selbst den Lachmöwen) oft im Vorteil.
Brutbiologie Als Brutgebiet werden gern große flache
und freie Wasserflächen ausgewählt, die ein reichliches
Nahrungsangebot aufweisen. Auch Inseln in Gewässern werden gern
als Brutstandort ausgewählt. Aber auch andere Gewässer, wie
z.B. Baggerseen, Fisch- und Ziegeleiteiche, Altwässer der
Flüsse, auch ruhige Flussabschnitte sowie Parkgewässer mit
freien Uferbereichen können als Brutstandorte dienen. Ebenso
werden die Bodden und Buchten der Meeresküsten sowie die
Schären der Ostsee besiedelt. Ein Vegetationsgürtel, wenn
auch nicht allzu ausgeprägt, muss für die Ansiedlung
vorhanden sein.
Bei der Balz lehnt der Erpel den Kopf zurück und lockt die Ente
mit Pfeiftönen. Dabei werden schnelle, nervöse bzw.
blubbernde oder auch kichernde Serien geäußert. Die Ente
taucht mehrmals hintereinander den Schnabel ins Wasser und gibt dabei
heiser knarrende Rufe von sich bzw. grollt sie in
„Tauchentenmanier“ wie „krr krr krr …“.
Die Nester der Enten stehen in Flachwasserbereichen, auf Inseln im
Wasser, versteckt im Schilf, oder zwischen Pflanzen, wie z.B.
Brennnesseln. Gern nisten mehrere Paare dicht nebeneinander, oder auch
am Rand von Möwenkolonien, wo sie vor anderen Beutegreifern
relativ sicher sind. Das Nest selber ist flach und besteht aus
Nestmaterial der näheren Umgebung sowie aus Dunenfedern der Ente.
Reiherenten sind die Enten, die als letzte, Mitte Mai, mit der Brut
beginnen. Die Brutzeit erstreckt sich von Mai/Juni bis August. In
dieser Zeit werden von der Ente acht bis zehn bzw. zwölf
graugrüne Eier gelegt und 23 bis 25(28) Tage lang bebrütet.
Der Erpel verlässt die Ente bereits wenige Tage nach Brutbeginn.
Aufgrund der Dichte und der Offenheit der Nester kommt es oft vor, dass
einige Enten ihre Eier bei anderen Enten dazulegen. So wurden in einem
Nest bereits über 30 Eier festgestellt. Die
Kükensterblichkeit ist besonders an der Küste sehr hoch und
kann in der ersten Lebenswoche bis zu 70 % betragen. Die Bindung der
Küken an die Ente ist bereits nach wenigen Tagen sehr locker. Dann
schwimmen sie allein herum, oder schließen sich anderen Familien
an. Dies kommt besonders an reichen Nahrungsplätzen vor, die oft
von mehreren Enten und ihren Küken aufgesucht werden.
Die Befiederung beginnt am 20. Lebenstag und ist ca. am 60. Lebenstag
beendet, so dass die Jungenten im Alter von 8 bis 9 Wochen voll
flugfähig sind. Gegen Ende des ersten Lebensjahres werden die
ersten Jungenten geschlechtsreif.
Bestand Die Reiherente ist nicht gefährdet und nach
der Stockente in einigen Gegenden Deutschlands die häufigste
Entenart. In den letzten Jahrzehnten hat die Art an Zahl gewaltig
zugenommen und besonders in den Städten, lassen sich die
Reiherenten gern mit Stockenten zusammen füttern. In
Ostdeutschland betrug der Bestand Mitte der 80iger Jahre ca. 3.500
Brutpaare. Verbreitungsschwerpunkt waren die Lausitzer Teiche,
Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Die Besiedelung neuer Areale begann offenbar nach der Einwanderung der
Wandermuschel, die sich von Osteuropa aus nach Großbritannien
verbreitete. Da die Reiherente tiefer und auch länger, als die
anderen Tauchenten tauchen kann, ist es ihr möglich, diese
Muscheln zu erbeuten.
So wurde die Reiherente erstmals 1958 als Brutvogel in der Schweiz
nachgewiesen. Noch schneller drang sie nach Westen vor und besiedelte
in kurzer Zeit Großbritannien und die Niederlande.
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 Foto:
K. Rönsch (04/2005)
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