Haussperling (Spatz) (Passer domesticus)
Vogel des Jahres 2002
House Sparrow
Ordnung: Sperlingsvoegel
(Passeriformes)
Familie: Sperlinge
(Passeridae)
Der Haussperling - vom Volksmund Spatz genannt - ist mit Sicherheit der
bekannteste Singvogel und wurde - außer in den heißen Tropen - fast weltweit
verbreitet. Er ist ein Kulturfolger, der sich seit über 10.000 Jahren
dem Menschen in seinen Siedlungen angeschlossen hat. Ursprünglich in den
Steppengebieten Vorderasiens zu Hause, hat der Spatz im Gefolge der nomadischen
Reitervölker Europa erobert. Im Zuge der Entdeckung und Besiedlung von
anderen Kontinenten durch die Europäer siedelten diese den Spatz, in den
nachfolgenden Jahrhunderten, in allen Teilen der Welt, als einen ihnen
vertrauten Vogel der Heimat an. In der Tat ist das Schicksal des Haussperlings
eng mit dem des Menschen verbunden, da er sich in dessen Siedlungen -
wie kaum ein anderer Vogel - zu Hause fühlt. Dies wird ihm allerdings
nun zum Verhängnis. Der moderne Ordnungssinn lässt kaum noch Nischen und
Ritzen zu, in denen Sperlinge brüten können. Außerdem gibt es immer weniger
Insekten, die für die Jungenaufzucht notwendig sind.
Vorkommen
Die Familie der Sperlinge umfaßt 4 Gattungen mit 36 Arten. Bei uns treten
Feld- und Haussperling sowie der Schneesperling (früher Schneefink genannt)
auf. Mit Ausnahme weniger Landstriche in Südostasien, Westaustralien,
einigen äquatorialen Gebieten und an den Polen ist der Spatz auf der ganzen
Welt verbreitet. Er kommt sowohl bei 49°C in Afrika als auch bei - 26°C
in Schweden zurecht. Nach Amerika kam der Spatz angeblich 1852 durch einen
Shakespeare-Fan, der alle Vögel aus dessen Werken auch in Amerika heimisch
sehen wollte. Auch die Auswanderer, die Australien besiedelten, hatten
ihren Haussperling mit im Gefolge. Ebenso wurde der Haussperling auch
auf den Malediven eingeführt und lebt dort aber nur in Male.
Viele Inseln in Ozeanien erreichte er auf Schiffen als blinder Passagier.
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Merkmale
Sperlinge sind unauffällig braun bis grau gefärbte, bis zu 30 g schwere,
finkenähnliche Vögel mit kräftigem, konischen Schnabel, der aber nicht
weiter spezialisiert ist.
Der 14 bis 16 cm große Spatz fällt besonders durch seinen großen Kopf
und den kräftigen Schnabel auf. Spatzen können Fluggeschwindigkeiten von
bis zu 60 km/h erreichen.
Männchen und Weibchen des Haussperlings unterscheiden sich in ihrem Aussehen.
Die Männchen sind deutlich auffälliger gezeichnet. Sie haben eine schwarze
Kehle, weiße Wangen, einen aschgrauen/dunkelblaugrauen Scheitel, einen
braunen Nacken und kastanienbraune Streifen an den Kopfseiten. Den bräunlichen
Rücken zieren schwarze Streifen. Brust und Bauch sind aschgrau gefärbt.
Die braunen, dunkel gestreiften Flügel ziert eine weiße Binde.
Die Weibchen sind insgesamt unscheinbarerer matt braun gefärbt. Sie haben
einen einfarbig graubraunen Kopf mit einem Überaugenstreif.
Das Sperlingsgefieder besteht vor der Mauser aus 3.200 Federn und wiegt
1,4 g. Nach der Mauser umfaßt es 3.500 bis 3.600 Federn und wiegt 1,9
g. Gemausert wird nur einmal im Jahr.
Der Gesang des Haussperlings ist ein eher monotones aber lebhaftes Tschilpen
("tschilp"). Häufig zetert er aber auch "terrteterrterr" oder gibt einfache
Warnrufe von sich. Der Lockruf beim Spatz ist ein einfaches "schilp, schilp".
Ganz anders dagegen der Gesang, der aus einer Aneinanderreihung von Lockrufen
und zirpenden Lauten besteht.
Brutbiologie
Der Haussperling nistet meist an Gebäuden in Höhlen, Mauernischen, unter
losen Dachpfannen und in Spalten. Aber auch Nistkästen, Schwalbennester
und Spechthöhlen werden zur Brut ausgewählt. Auch als Untermieter in Greifvogelhorsten
und Storchennestern kann man ihn finden. In Viehstellen baut er Freinester
auf Lampen und ähnlichen geeigneten Neststandorten. Besteht Nistplatzmangel,
werden auch Freinester in Bäumen angelegt.
Der Spatz lebt gern gesellig und brütet deshalb oft in Gemeinschaft mit
anderen Paaren. Ein Sperlingspaar lebt in der Regel in "Dauerehe".
Das kugelförmige Nest ist sehr locker und unordentlich gebaut. Es besteht
aus Stroh, Wolle, Gras, Stoff-, Papier- und Kunststoffresten. Manchmal
hat das Nest noch eine angedeutete Nesthaube. Der Innenraum der Nester
ist mit Federn ausgepolstert.
Die Brutzeit der Haussperlinge beginnt Mitte bis Ende April, dauert bis
August und in diesem Zeitraum können 2 bis 3 oder auch 4 Bruten aufgezogen
werden. Spatzen legen 5 bis 6 Eier. Diese haben auf weißem bis bräunlichen
Grund eine graue bis tief braune Fleckung, die sehr stark variieren kann.
Nach 11 bis 13 Tagen schlüpfen zwischen vier bis sechs Junge aus den bebrüteten
Eiern. Der Nachwuchs wird überwiegend mit Insekten gefüttert. Junge Haussperlinge
werden nach einem Jahr geschlechtsreif. Viele fallen aber bis dahin ihren
zahlreichen Feinden (Sperber, Turmfalke, streunende Katzen) und dem Straßenverkehr
zum Opfer.
Nahrung
Der Haussperling ernährt sich vorwiegend vegetarisch mit einer Vorliebe
für Körner und Samen der verschiedensten Unkräuter. In den Städten hat
sich der Spatz dem Angebot angepasst und gilt als Allesfresser. Besonders
an Imbißständen und in Freiluftlokalen stellt er dies unter Beweis. Denn
dort ernährt er sich gern von Brotresten. Die moderne Wegwerfgesellschaft
stellt also ein Paradies für den Sperling dar. Seine Anpassungsfähigkeit
kennt keine Grenzen. So waren Haussperlinge die ersten Vögel in Großbritannien,
die den Meisen das Öffnen der Milchflaschen nachahmten.
Die Jungen allerdings füttert der Haussperling in den ersten Tagen fast
ausschließlich mit Raupen und anderer tierischer Nahrung. Oft stehen diese
nicht zur Verfügung und es wird Brot an die Jungen verfüttert. Die Folgen
sind Verdauungsstörungen, die bis zum Tode führen können.
Bestand
In der Antike galt der Spatz als Delikatesse und Lieferant für Heilmittel.
So sollte sein Kot bei Zahnschmerzen und gegen Sommersprossen helfen.
Wegen seiner Häufigkeit und der Vorliebe für Körner wurde der Spatz aber
auch gnadenlos verfolgt. Im Jahre 1559 ärgerte sich ein protestantischer
Pfarrer aus Dresden dermaßen über die Spatzen, die seine Predigt störten,
dass er diese wegen "ihres unaufhörlichen verdrießlichen großen Geschreis
und ärgerlichen Unkeuschheit ... " mit dem Bann belegte. Friedrich der
Große verfügte, dass jeder seiner Untertanen pro Jahr einen getöteten
Spatz abliefern muss.
Weltweit soll es 500 Millionen Haussperlinge geben. Die Lage in Europa
sieht allerdings nicht mehr so rosig aus. Nachdem die Spatzen bis in die
50er Jahre verfolgt wurden sind, hat sich die Lage nunmehr dramatisch
verändert. In den letzten Jahren ist überall ein deutlicher Rückgang zu
verzeichnen. Der Haussperling ist - wie andere Kulturfolger auch - ein
Opfer der Veränderungen, die sich in den Siedlungen vollziehen. Die voranschreitende
Sanierung der Gebäude läßt für Gebäudebrüter kein Loch und keine Spalte
übrig, die als Brutplätze dienen könnten. Es gibt kaum noch unversiegelte
Flächen und dazu kommt der chemische Vernichtungsfeldzug gegen die Insekten.
Die Pferdeäpfel, denen die Spatzen ihren Siegeszug verdanken, gibt es
schon lange nicht mehr und die Misthaufen sind aus den Dörfern verschwunden.
Somit wird die Nahrung für die Spatzen knapp. Auch die intensive Landwirtschaft
wirkt sich negativ auf die Ernährung der Spatzen aus. Denn früher konnten
die Vögel auf Dreschplätzen, abgeernteten Getreidefeldern und bei Transporten
eine Vielzahl von Körnern sammeln. Das ist jetzt vorbei. Auch in den dörflichen
Gebieten haben sich die Lebensgrundlagen der Haussperlinge verändert.
Pferde werden nur noch zu Sportzwecken gehalten und die individuelle Kleintierhaltung
(vor allem Hühner) gibt es auch kaum noch. In Großbritannien ist die Zahl
der Haussperlinge in den letzten 20 Jahren um fast 60 % zurückgegangen
und der Vogel wurde auf die Rote Liste gesetzt. Außerdem wurde ein Wettbewerb
ausgerufen, der die Ursachen des Rückgangs klären soll.
Für Ostdeutschland wird ein Bestand von 4.500000 Brutpaaren angenommen.
In den Städten können dabei Siedlungsdichten von 25 bis 50 Brutpaaren/10
ha erreicht werden, die in den Dörfern sogar bei 50 bis 100 BP/10 ha liegen
können.
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 Foto: K. Rönsch, 07/2004, Halle (Saale)
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