Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)Common RedstartVogel des Jahres 2011 / Vogel des Jahres 2009 in der Schweiz Ordnung:
Sperlingsvoegel
(Passeriformes) Das Männchen des Gartenrotschwanzes ist aufgrund seiner kontrastreichen, leuchtenden Farben und seines markanten Revierverhaltens einer unserer schönsten einheimischen Singvögel. Beide Geschlechter der Rotschwänze haben zudem einen unverkennbaren auffallend rostorangen Schwanz und sind dadurch leicht von anderen Singvogelarten zu unterscheiden. Ein auffälliges
Verhalten, das alle Rotschwänze zeigen, ist ihr regelmäßiges Knicksen. Vorkommen
MerkmaleGartenrotschwänze sind mit etwa 13 bis 14,5 cm Größe etwas schlanker als der Haussperling (Passer domesticus) und wiegen ca. 12 bis 20 g.Beide Geschlechter weisen eine unterschiedliche Gefiederfärbung auf (s. Tabelle 1), wobei das Männchen in seinem Brutkleid unverwechselbar ist. Das beigebraune Weibchen ähnelt allerdings dem Weibchen des nahe verwandten Hausrotschwanzes, dessen Grundfarbe jedoch mehr graubraun ist. Die Jungvögel sind im ersten Jahr weibchentypisch gefärbt und ähnlich gefleckt wie junge Rotkehlchen. Tab. 1: Aussehen und Merkmale der beiden Geschlechter des Gartenrotschwanzes (zum Vergleich das Weibchen des Hausrotschwanzes).
Abb. 1: Gartenrotschwanzbrutpaar (links Männchen, rechts Weibchen). Aufn. S. Schulz, Wettin 2010. Weitere Bilder Gartenrotschwänze erreichen ein Alter von drei bis fünf Jahren und können in Gefangenschaft bis zu 9,5 Jahre alt werden. Stimme: Vergleicht man Hausrotschwanz- und Gartenrotschwanzmännchen am Gesang, dann kann man beide deutlich und einfach voneinander unterscheiden, denn das charakteristische Schnalzen des Hausrotschwanzes fehlt dem insgesamt je Strophe auch deutlich kürzerem Gesang des Gartenrotschwanzes. Das Gartenrotschwanzmännchen trägt seinen typischen Gesang gern von einem Baumwipfel oder einer erhöhten Singwarte vor. Eine Gesangsstrophe beginnt mit ein bis zwei hohen Terzen und endet in einem zweiten, leiseren Teil. Der Gesangsbeginn klingt wie „hüid düdüdü“ und endet mit einem variablen Schlussteil. NahrungAls typischer Insektenfresser ernährt sich der Gartenrotschwanz vor allem von Käfern, Läusen, Fliegen, Schlupf- und Blattwespen sowie deren Larven, die er am Boden oder in der Krautschicht erbeutet. Einen wesentlichen Nahrungsbestandteil stellen Spinnen und Weberknechte dar.Gern fliegen die Rotschwänze bei der Insektenjagd von einem erhöhten Sitzplatz zum Boden, um anschließend mit der Beute wieder an dieselbe Stelle zurückzukehren. Bei der Nahrungssuche am Boden bewegen sich die Rotschwänze hüpfend fort, wobei auch Schnecken und Würmer gefressen werden. Zur Nahrung der Rotschwänze gehören aber ebenso Beeren und Früchte. BrutbiologieDer Gartenrotschwanz ist ein typischer Halbhöhlen- und Höhlenbrüter, der geeignete Baumhöhlen vor allem in lichten alten Baumbeständen findet. Wenn das Männchen nach seiner Ankunft aus dem Winterquartier ein entsprechendes Brutrevier besetzt hat, sucht es nach geeigneten Nisthöhlen. Bevorzugt werden Baum- und Spechthöhlen, Mauerlöcher oder Nistkästen. Stehen diese nicht zur Verfügung dienen alte Vogelnester, Briefkästen, Zaunpfähle, Hohlräume hinter http://bilder.vogelarten.de/main.php?g2_itemId=448Fensterläden und Verschalungen sowie auch das Innere von Gebäuden als Ersatz. Selbst Bodennester und Nester in Bäumen und Sträuchern kommen vor.Die später eintreffenden Weibchen werden auf den Gesang der Männchen aufmerksam und lassen sich von diesen die zur Verfügung stehenden Nistmöglichkeiten zeigen. Sagt dem Weibchen ein entsprechendes Männchen und dessen Höhle zu, signalisiert es seine Paarungsbereitschaft durch das typische Schwanzzittern und das Einknicken der Füße. Anschließend kommt es zur Paarung, der sich der Nestbau anschließt. Das Weibchen baut ein Nest aus trockenen Halmen, Stroh, Pflanzenwürzelchen, Fasern, Bast, Gräsern, Moos, Kiefernadeln und Laubblättern. Die Nestmulde wird mit Federn, Wolle und Tierhaaren ausgekleidet. Meist ab Ende April legt das Weibchen 5 bis 7 (8) hellblaue bzw. grünblaue Eier, die es nachdem das Gelege komplett ist, 12 bis 14 Tage lang bebrütet. Die Eier sind ca. 18 mm lang und 14 mm breit. Während der Brut wird das Weibchen vom Männchen in der Höhle gefüttert. Während der Eiablage reagieren die Gartenrotschwänze sehr empfindlich gegenüber Störungen. Beide Eltern füttern die geschlüpften Jungen mit verschiedenen Insekten. Das Weibchen füttert vor allem Raupen und das Männchen Fluginsekten. An einem Tag kommen so zwischen 400 bis 600 Fütterungen zustande. Für ein Brutpaar wurden in zwölf Tagen 3.457 Futteranflüge beobachtet. Wie bei allen Höhlenbrütern führen Kälteeinbrüche oder der Tod eines Elternteiles zu Verlusten bei den Jungen. Vor allem die Bruten in Halbhöhlen und in nicht mardersicheren Nistkästen werden oft von Beutegreifern - wie Hauskatzen, Mardern, Waschbären und Eichhörnchen - vernichtet. Auch Kohlmeisen okkupieren manchmal bereits belegte Höhlen mit Gelegen oder die Nisthöhlen werden von Spechten geplündert. Außerdem ist der Gartenrotschwanz Kuckuckswirt. Bereits nach 10 Tagen zeigen die Jungen das typische Schwanzzittern, obwohl noch keine Schwanzfedern gewachsen sind. Nach 12 bis 15 Tagen Fütterung verlassen die Jungen die Höhle und werden anschließend noch 7 bis 8 Tage weiter gefüttert, bevor sie völlig selbstständig sind. Bei guten Wetterbedingungen kann sich bei einigen Brutpaaren eine zweite Brut anschließen. Gartenrotschwänze ziehen auch die Jungen fremder Arten mit auf oder füttern an anderen Bruten mit. Oft ist ein Männchen mit mehr als einem Weibchen verpaart, wobei die Weibchen auch separate Bruthöhlen haben können. BestandIn Deutschland ist seit den 50-er Jahren ein starker Bestandsrückgang zu verzeichnen. Der Bestand wird derzeitig auf 110.000 bis 160.000 Brutpaare geschätzt.Der Bestand in der Schweiz beträgt ca. 10.000 bis 15.000 Brutpaare und hier steht der Gartenrotschwanz auf der Roten Liste der potentiell gefährdeten Vögel. Vogel des JahresDie Wahl zum Vogel des Jahres soll auf die abnehmenden Bestände des Gartenrotschwanzes hinweisen, da dieser längst nicht mehr – seinem Namen entsprechend – alle Gärten besiedelt.Denn der verbreitete Trend, Kleingärten in sterile Rasen, die mit Ziernadelhölzern frankiert sind, zu verwandeln, zerstört den Lebensraum des Gartenrotschwanzes, denn dieser ist auf höhlenreiche Obstbäume, abwechslungsreichen Bodenwuchs und insektenreiche Wiesen angewiesen. Das der durchaus anpassungsfähigere Hausrotschwanz oft auch noch in den sterilen Haus- und Vorgärten angetroffen wird, ändert nichts am Ergebnis dieser negativen Entwicklung. Neben dem Anbringen von entsprechenden Nisthöhlen für Gartenrotschwänze ist daher ein entsprechend strukturierter Lebensraum Grundvoraussetzung. So stellen hochstämmige Obstbäume eine wichtige Lebensgrundlage für viele seltene Insekten-, Vogel- und Kleinsäugerarten dar. Der Gartenrotschwanz dient daher auch als Indikatorart für eine artenreiche Landschaft, da neben ihm auch viele andere Vogelarten mit ähnlichen Ansprüchen an den Lebensraum von dieser Entwicklung betroffen sind. Zudem ist der Gartenrotschwanz, wie viele andere Zugvogelarten, von den klimatischen Veränderungen in den Überwinterungsgebieten, den zentralafrikanischen Trocken- und Feuchtsavannen, die in Form von zunehmenden Trockenperioden auftreten und sich auf das Nahrungsangebot auswirken, direkt betroffen. In den Überwinterungsgebieten führen außerdem der unkontrollierte Einsatz von Insektiziden und Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie der Anbau von insektenarmen Monokulturen zu direkten und indirekten Verlusten unter den Gartenrotschwänzen. Letztendlich soll auch auf die direkte Verfolgung durch den Menschen hingewiesen werden. So fallen Gartenrotschwänze dem noch immer - auch in Europa - verbreiteten Zugvogelfang zum Opfer und dies trotz des klaren Verbotes innerhalb der europäischen Gesetzgebung! © Dirk Schäffer (10 / 2010) Stichworte: Gartenrotschwanz, Phoenicurus phoenicurus, Common Redstart, Zugvogel, Hausrotschwanz, Singvogel, Insektenfresser, Langstreckenzieher, Höhlenbrüter, Nistkasten, Halbhöhlenbrüter |
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