Gänsegeier (Gyps fulvus) - Griffon Vulture

Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie:
Altweltgeier ( Aegypiinae)

Vorkommen

Gänsegeier sind im Süden vom Maghreb (vor allem Marokko, aber auch Algerien und Tunesien) - ostwärts über die Iberische Halbinsel - bis in die nordwestliche Mongolei, Westpakistan, Kaschmir bzw. Nordindien verbreitet. Dieses Verbreitungsgebiet weist in Europa gewaltige Lücken auf. Aufgrund der immensen Verfolgung - nicht nur in historischer Zeit ist der Gänsegeier in Italien, Griechenland (Festland und einzelne Inseln), Rumänien und Bulgarien kein Brutvogel mehr. In Bulgarien z. B. fiel er den vergifteten Wolfsködern zum Opfer. Auch der Übergang von der extensiven Weidewirtschaft zur intensiven Stallhaltung hat dem Vogel sehr geschadet. Waren Gänsegeier in Deutschland noch im 13. Jh. Brutvögel, sind sie jetzt höchstens noch als Sommergäste in den Ostalpen zu beobachten.

Merkmale

Der Gänsegeier ist am Boden kaum mit einem anderen Greifvogel zu verwechseln. Er wiegt 6,2 bis 8,5 kg und ist etwas größer als ein Seeadler. Der Kopf und der Hals sind nur mit blaßbräunlichen bis rahmweißen Dunen befiedert. Auffallend und charakteristisch für den Vogel ist die gelblichweiß-flaumige Halskrause. Am Halsansatz gibt es einige völlig nackte, bläuliche Stellen. Die Oberseite des Gefieders ist von gelblich- bis rötlichbrauner Farbe. Die Iris ausgewachsener Gänsegeier ist gelbbraun bis schmutziggelb, die der älteren Junggeier nußbraun. Junge Gänsegeier brauchen ca. 4 bis 5 Jahre, ehe ihr Gefieder so wie das der Altgeier gefärbt ist. Zu diesem Zeitpunkt, oder auch noch 1 bis 2 Jahre später, werden sie auch erst geschlechtsreif. Männchen und Weibchen sind bei Gänsegeiern gleich gefärbt.

Gänsegeier sind thermikabhängige Segelflieger, die ein markantes Flugbild aufweisen. Die Flügel sind beinahe rechteckig und brettartig. An ihnen fallen die lang gefiederten Handschwingen auf. Auffallend ist der kurze fast gerade abgeschnittenen Schwanz und der kurz ansitzende Kopf, da der Hals eingezogen wird.

Der Gänsegeier kann ein Alter von 34 bis 37 Jahren erreichen.

Nahrung

Er ernährt sich von dem Aas und den Eingeweiden der Großtierkadaver, die allerdings in vielen Gegenden aufgrund einer verbesserten Weidewirtschaft entsorgt werden. Somit ist akuter Nahrungsmangel eine Ursache für das heutige begrenzte Vorkommen dieser Geierart.

Brutbiologie

Gänsegeier sind Felsbrüter, die an günstigen Brutplätzen Kolonien von bis zu 100 Brutpaaren bilden können. Da sie sehr hoch kreisen, besteht zwischen den Vögeln kaum Territorialität.

Sie errichten selber einen Horst von 0,60 bis 1,0 m Durchmesser, der aus langen Zweigen (bis 0,60 m lang), Waldreben, Stengeln, Heu u. a. Materialien besteht.

Anfang Februar bzw. März wird nur ein einfarbig weißes Ei - mit rostfarbenen Flecken am Ende - gelegt. Selten sind es zwei Eier.


Foto: K. Rönsch, Adlerwarte Berlebeck, 08/2002


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