Einsiedlerdrossel (Catharus guttatus)

PALLAS 1811

Hermit Trush

Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)
Familie: Drosseln (Turdidae)
Gattung: Nachtigalldrosseln (Catharus)

Vorkommen

Die Hauptschwerpunkte liegen in den Nadel- bzw. in den Nadel-Laub-Mischwäldern des nördlichen und mittleren Nordamerika. Im Norden liegt die Grenze in Alaska und im Yukon-Gebiet, in Quebec und in Neufundland. Südwärts reicht das Brutgebiet bis Südost-Arizona, Süd-Mexiko und Westtexas. Einige Drosseln brüten auch isoliert in den Black Hills von Süd-Dakota. 

Wanderungen: Die Einsiedlerdrossel ist ein Zugvogel, dessen Überwinterungsgebiet bereits in den Nordabschnitten des Brutgebiets beginnt und sich über die Golfküste der USA bis Mexiko, Guatemala und El Salvador sowie bis nach Süd-Florida und Nord-Bahama erstreckt. Einige Vögel tauchen ausnahmsweise in Kuba und Jamaika sowie in Grönland und in der kanadischen Arktis auf. Im Ggensatz zu den anderen drei nordamerikanischen Catharus-Arten verbleibt die Einsiedlerdrossel deutlich kürzer in ihrem Winterquartier.

In Europa ist die Einsiedlerdrossel ein seltener Ausnahmegast (bisher drei Nachweise in Deutschland). Beobachtungen sollten deshalb der Deutschen Seltenheitskommission mitgeteilt werden.

Merkmale

Die Einsiedlerdrossel ist eine sehr hochbeinige und großäugige Drossel, die so groß wie eine Nachtigall ist, aber rundlicher wirkt. Die Oberseite des Gefieders ist olivbraun und im Gegensatz zu den anderen Catharus-Arten heben sich Oberschwanzdecken und Schwanz durch eine deutliche rot- bzw. kastanienbraune Tönung ab. Die Unterseite ist grauweiß mit beigen, verwaschen wirkenden Körperseiten.
Die Kehlseiten und die Vorderbrust haben eine schmale und kräftige  graubraune bis schwärzliche Schaftfleckenzeichnung. Auffällig ist ein heller Augenring.
Die Iris ist schwarzbraun. Der Schnabel ist schwärzlich braun gefärbt. Die Basalhälfte des Unterschnabels ist gräulichlila bis fleischfarben. Die Füße sind hell fleisch- bis hornfarben gezeichnet.
Kennzeichnend für die Art ist ihr öfters zu beobachtendes Flügelzucken und das gelegentliche Hochwippen und Senken des Schwanzes bei jeder Landung. 

Stimme: Der Gesang besteht aus drei klar voneinander abgesetzten und verschiedenen Elementen. Dabei wird stellenweise eine für das menschliche Gehör quietschend klingende Tonhöhe erreicht. Allerdings gilt der Gesang der Einsiedlerdrossel oft als der beste Vogelgesang Nordamerikas. Die häufigsten Laute sind ein weiches und tief klingendes "tschuk", "tschup", die auch wiederholt geäußert werden. Bei Erregung und nach Störungen ist ein lautes und schimpfendes "tuk-tuk-tuk" zu hören. Im Gegensatz zu den anderen verwandten Drosselarten singt die Einsiedlerdrossel oft im Herbst und bereits vor Antritt des Frühjahrszuges im Winterquartier. Durchziehende Drosseln und die Ausnahmegäste verhalten sich allerdings sehr still. 

Der älteste kalifornische Ringvogel erreichte ein Alter von 7 Jahren.

Nahrung

Im Frühjahr und im Sommer werden Insekten bei der Bodenjagd und bei der Jagd in der Kronen- und Strauchschicht erbeut. Von der Kronenregion werden fliegenschmäpperähnliche Jagdflüge durchgeführt. Beeren und kleine Steinfrüchte werden dagegen im Schwirrflug gepflückt.
Im mittelamerikanischen Überwinterungsgebiet wiird eine sehr spezielle Jagdmethode angewandt. Die Drosseln verfolgen zusammen mit anderen Kleinvögeln die Beutezüge der Treiberameisen, um dabei aufgestöberte Kleintiere zu erbeuten.
Gefressen werden Laufkäfer, Ameisen, Heuschrecken, Grillen, Schmetterlinge und deren Raupen, Wanzen, Tausendfüßer und Spinnen.

Brutbiologie

Das tiefnapfige Nest wird in 0 bis 2,0 bzw. selten bis 10,0 m Höhe meist in jungen Koniferen, aber auch auf Baumstümpfen, im Wurzelwerk von Windwürfen oder in der Krautschicht auf dürrem Kieferwaldboden angelegt. Einzelne Gebäudebruten waren bisher auch zu beobachten. Als Nestmaterial verwendet das Weibchen kleine Zweige, Stängel, Wurzeln und Rindenstreifen. Gern wird eine Schicht aus feinerem Material und bereits verrotteten Blättern eingezogen. Ausgekleidet wird das Nest mit Grasblätttern und feinen Wurzeln sowie mit den Grannenhaaren des Baumstachlers Erethizon dorsattum. Die drei bis vier (selten sechs) Eier sind von grünlichblauer Grundfarbe und selten fein braun gepunktet. Gebrütet wird ausschließlich vom Weibchen 12  Tage lang und die Jungen werden 12 Tage im Nest von beiden Altvögeln gefüttert. Die Jungen werden noch einige Tage nach dem Ausfliegen versorgt. Es findet nur eine Jahresbrut statt. 

© Dirk Schäffer, Vogelschutz-online e.V.

 


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