Blauelster (Cyanopica cyanus)

PALLAS, 1776 

Azure-winged Magpie

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie:
Rabenvögel (Corvidae)
Gattung: Blauelstern Cyanopica 

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Die Blauelster ist die einzige Art der Gattung Cyanopica Blauelstern und ist nahe verwandt mit unserer einheimischen Elster Pica pica, die der Gattung Pica Eigentliche Elstern zugeordnet ist. Allerdings treten beide Arten in Konkurrenz zueinander und kommen daher selten zusammen vor.

Die Blauelster stellt eine zoogeographische Besonderheit dar. Denn ihr Verbreitungsgebiet besteht aus zwei weit auseinanderliegenden Teilgebieten. Ein Verbreitungsgebiet ist Südwesteuropa, die iberische Halbinsel, das andere, sehr viel größere mit acht verschiedenen Unterarten findet sich in Ostasien. Dort besiedelt die Blauelster große Teile Chinas, Korea, Japan, SO-Russland und die Nord-Mongolei. Über diese zweigeteilte Verbreitung wurde unter den Fachleuten viel diskutiert. Dabei wurden zwei Hypothesen favorisiert: Die eine geht von der Annahme aus, dass es ehemals eine durchgehende Population zwischen dem mediterranen Becken und Ostasien gegeben hat. Das Vorrücken der  Gletscher in der Eiszeit führte zu einem Bestandsrückgang und somit zu einer Zweiteilung des Verbreitungsgebiets. Die andere Theorie vermutete, dass die Blauelster im 16. Jh. durch portugiesische oder spanische Seefahrer aus Ostasien als Käfigvogel eingeführt wurde und dann verwilderte. Nachdem man aber 1997 in einer Höhle auf Gibraltar neben Knochen des Neandertalers auch ca. 44.000 Jahre alte Knochenreste von Blauelstern gefunden hatte und diese molekulargenetisch untersuchte, konnte zumindest die Seefahrerhypothese verworfen werden. Denn die DNA-Tests stellten deutliche Unterschiede im Erbgut zwischen europäischen und ostasiatischen Blauelstern fest. Zudem gibt es auch Gefiedermerkmale, in denen sie sich unterscheiden. Die iberischen Elstern haben dunkelblaueres Gefieder und die hellen Spitzen der mittleren Schwanzfedern fehlen. Schlussfolgernd aus den Ergebnissen sollen nun zwei Arten unterschieden werden. Die ostasiatische behält den Namen Blauelster Cyanopica cyana. Die europäische Blauelster sollte Iberische Blauelster oder Iberienelster Cyanopica cooki - Iberian Magpie - heißen. Wann und wie allerdings sich die beiden Arten 9.000 km weit voneinander getrennt haben, bleibt nach wie vor offen. 

Vorkommen

Die Blauelster bewohnt auf der iberischen Halbinsel lockere Laub- und Nadelwälder mit eingestreuten Lichtungen sowie Obstgärten, Olivenhaine auf der iberischen Halbinsel und anderes Kulturland mit Bäumen und Büschen. Dabei meidet sie geschlossene Waldgebiete und ist eher ein Vogel der extensiv genutzten Kulturlandschaft, die durch den Wechsel zwischen Weideland, offenen, immergrünen Wäldern und Obstkulturen charakterisiert wird.
Häufig tritt man die Blauelstern daher auch Korkeichenmischwäldern an, die auch mit anderen Eichenarten, Pinien und Kiefern gemischt sind.
Die Blauelstern im asiatischen Teil des Verbreitungsgebietes brüten dagegen auch in Gärten und Parks.
Limitiert wird die Ausbreitung durch das Fehlen geeigneter Lebensräume (da die Art an Eichen gebunden ist), aber auch durch die Konkurrenz zur Elster. 
Blauelstern sind gesellige Vögel, die in kleinen Gruppen auftreten und durch ihre wiederholten, heiseren Rufe schnell auffallen.

 Merkmale 

Die 35 bis 37 cm große Blauelster ist in ihrem Körperbau der größeren Elster Pica pica sehr ähnlich.
Die Blauelster hat einen braungrau bis beigefarbenen Bauch. Der Rücken ist dunkler bis hin zu braun, die bräunliche Färbung geht stellenweise in das Blau der Flügel über. Die Oberseite des Kopfes und der Nacken sind glänzend schwarz. Die weiße Färbung der Kehle zieht sich in einem schmalen, seitlichen Band bis in den Nacken. Die Oberseiten der Flügel und der Schwanz sind azurblau und haben der Art auch zu ihrem Namen - Azure-winged Magpie -verholfen.
Markant sind die verschiedenartigen, heisere Rufe, die wie "skrih" oder „frrih“ bzw. „prrih“ klingen.

Körpermerkmal Besonderheiten / Farben
Größe/Gewicht 34 - 35 cm, 75 g
Erscheinung Elsterproportion aber kleiner
Oberkopf glänzend schwarz
Nacken glänzend schwarz
Kinn weiß
Kehle weiß
Schnabel klein und spitz; schwarz
Rücken rötlichbraun
Flügeloberseite azurblau bzw. hellblau
Brust rötlichbraun; in rosa getöntes hellbraun übergehend
Bauch rötlichbraun; in rosa getöntes hellbraun übergehend
Handschwingen schwarz
Beine schwarz
Bürzel rötlichbraun
Schwanz sehr lang, stufig keilförmig; hellblau bzw. azurblau;
asiatische Elster: Schwanzspitze heller bis weiß

Nahrung

Die Nahrungssuche erfolgt meist in Trupps von bis zu 30 Elstern. Ihre Hauptnahrung sind große Insekten, andere Wirbellose und Aas.
Bevorzugte pflanzliche Nahrung sind Eicheln, Pinienkerne, Beeren, Oliven und andere Früchte.

Brutbiologie 

Blauelstern sind auch während der Brut sehr gesellig und bilden meistens 2 bis 8 Brutpaare kleine, lockere Kolonien. Das heißt, die Nester stehen nur wenige Meter voneinander entfernt in Astgabeln von unterschiedlichen Bäumen – vor allem Ulmen - oder Dornbüschen. Manchmal findet man in besonders großen Bäumen auch mehrere Nester. Die relativ kleinen Nester sind im Gegensatz zu den großen, kugelförmigen Elsternestern oben offen und erinnern eher an das Nest eines Hähers, oder eines Würgers. Das Weibchen baut das Nest aus Reisern, Wurzeln, Moos, Grasstängeln und Kräutern. Dabei wird das Nest mit Erde verfestigt. Die Innenauspolsterung erfolgt mit Ziegenhaar oder Wolle. Das Männchen begleitet das Weibchen beim Suchen des Nistmaterials. Das Gelege besteht aus 6 bis 8 Eiern mit gelblichgrauer Grundfarbe und dunklerer Fleckung sowie mit oliv braunen Punkten und Tüpfeln. Während der ca. fünfzehntägigen Brutzeit versorgt das Männchen das Weibchen mit Nahrung.
Gern legt der Häherkuckuck Clamator glandarius seine Eier mit in das Nest der Blauelster.
Nach der Brutzeit streifen Blauelstern in Gruppen umher. Sie sind aber standorttreu und bleiben auch über den Winter im Brutgebiet.

Bestand

Der europäische Bestand der Blauelster in Portugal und Spanien ist stabil und liegt bei bis zu 360.000 Brutpaaren.

© Dirk Schäffer, Vogelschutz-online e.v.


Foto: K. Rönsch, 04/2005, Vogelpark Heiligenstadt


© 2006 Vogelschutz-Online e.V. www.vogelarten.de

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