Bläßgans (Anser albifrons)
White-fronted Goose
Ordnung:
Gaensevoegel
(Anseriformes)
Familie: Entenvoegel
(Anatidae)
Unterfamilie: Gänse und Schwäne (Anserinae)
Die Bläßgans ist ein häufiger Wintergast in
Deutschland. Ihre Brutgebiete liegen im Norden Eurasiens und
Nordamerikas. In Deutschland gibt es nur eine kleine Brutpopulation am
Rhein, die auf eine Aussetzungsaktion zurückzuführen ist. Die
Gänsearten werden zoologisch gesehen in zwei Gruppen
systematisiert, die auf der Lebensweise der Gänse beruhen: - graue
bzw. Feldgänse (Gattung Anser); Nahrungsaufnahme auf Acker- und Feldflächen
Arten: Graugans, Saatgans, Bläßgans, Zwerggans und Kurzschnabelgans
- schwarze oder Meergänse (Gattung Branta ); grasen großenteils auf Salzwiesen
Arten: Ringelgans, Nonnengans und Kanadagans
Vorkommen
Die Bläßgans ist fast über die gesamte nördliche
Hemisphäre verbreitet und kommt dort in fünf Unterarten vor: Anser albifrons albifrons Europäische Bläßgans; arktisches Sibirien bis zur Kolyma
Anser albifrons elgasi Alaska (Anchorage)
Anser albifrons flavirostris Grönländische Blässgans (fast schwarzer Bauch); Westgrönland
Anser albifrons frontalis Pazifische Blässgans; beiderseits des Beringmeeres von Nordostsibirien, Kolyma ostwärts bis Alaska
Anser albifrons gambelli Thule-Bläßgans;
Nordkanada (Mackenzie bis Hudson Bay)
Blässgänse sind in der Tundra - ihrem Brutgebiet - oft auf
erhöhten Stellen anzutreffen. In ihren Überwinterungsgebieten
treten sie in großen Schwärmen auf, wobei sie mehr das
flache Wiesen- und Weideland bevorzugen, als die reinen
Ackerflächen. Blässgänse benötigen möglichst
große und windgeschützte Flachwasserzonen als
Schlafplätze. Gegenüber menschlichen Störungen sind sie
generell sehr anfällig und bleiben scheu. Die Schlaf- und
Weideplätze zwischen denen die Vögel täglich wechseln,
können bis zu 60 km weit auseinanderliegen.
Aussehen
Blässgänse werden 66 bis 86 cm groß und sind damit
etwas kleiner als unsere Graugans. Sie lassen sich von den anderen
grauen Gänse leicht an ihrer weißen Stirnblesse und den
großen schwarzen Bauchflecken unterscheiden, die allerdings
individuell verschieden ausgeprägt sind. Den Jungvögeln
fehlen diese Merkmale. Der Bauch und die Unterschwanzfedern sind
weiß gekennzeichnet. Die ältesten beringten
Blässgänse wurden 16 bzw. 17 Jahre alt.
Brutbiologie
Bläßgänse sind bei der Brut stark von den jeweiligen
jährlichen Wetterbedingungen in ihrem Brutgebiet, der Tundra,
abhängig. Sie brüten gern erhöht, auf einem kleinen
Hügel oder Grashorst bzw. anderen trockenen Stellen in Senken oder
Sumpfniederungen, aber in Wassernähe. Die einzelnen Nester sind
sehr weit verstreut. Bei günstigen Bedingungen können
allerdings auch lose Kolonien gebildet werden. Blässgänse
brüten meist im 3. Lebensjahr und führen eine monogame
Dauerehe. Das Weibchen baut das Nest mit Unterstützung des
Ganters. Das Nest ist im wesentlichen eine Vertiefung im Erdboden, die
mit wenigem trockenen Pflanzenmaterial als Unterbau ausgekleidet wird.
Die eigentliche Nestmulde wird mit Daunen ausgepolstert. Die Nester
werden im nächsten Jahr wiederverwendet. Auf Grönland beginnt
die Brutzeit in der letzten Maidekade, in Sibirien stellenweise erst im
Juni. Das Weibchen legt dann (3)5 – 6(7) gelblich weiße
Eier, die es 27 bis 28 Tage bebrütet. Der Ganter ist zwar nicht
immer in unmittelbarer Nestnähe anzufinden, bewacht aber trotzdem
das brütende Weibchen. Einmal täglich verlässt die Gans
zur Nahrungsaufnahme das Nest. Nach dem Schlupf verlassen die
Gänseküken das Nest und werden von den Eltern 40 bis 43 Tage
lang geführt und betreut, bis sie flügge sind. Dabei erfolgt
die Aufzucht sowohl auf dem Nistplatz als auch in feuchten Senken. Mit
dem Mauserbeginn schließen sich die Gänsefamilien zu
großen Scharen zusammen. Mitte August erlangen Jung- und
Altvögel gleichzeitig ihre Flugfähigkeit und der Abzug ins
Winterquartier beginnt. Oft bleiben die Familien auch im Winterquartier
bis zum kommenden Frühjahr zusammen.
Nahrung
Die Blässgans ernährt sich hauptsächlich von
Pflanzenteilen. Dazu gehören Gräser, Samenkörner, auch
Salzpflanzen der Küste und stellenweise Gemüseteile. Im
Brutgebiet werden überwiegend Wollgräser und Seggen sowie
später während der Mauser Schachtelhalme gefressen.
Während des Winteraufenthalts in Deutschland fressen die
Gänse Getreide- und Wildgrasblätter, Klee und
Rapsblätter, Getreidekörner von Stoppelfeldern, sowie frisch
gedrilltes Wintergetreide.
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Foto: C. Otto, 08/2004, Celle
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