Stockente (Anas plathyrhynchos L.)
Mallard
Ordnung:
Gänsevögel
(Anseriformes)
Familie: Entenvögel
(Anatidae)
Unterfamilie: Entenvögel (Anatinae)
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Eine der verbreitetsten Entenarten Europas ist die Stockente. Nahezu an
jedem Gewässer kann man unsere größte heimische Wildente beobachten. Die
frühe Domestikation der Stockente beweist ihre ausgesprochene Anpassungsfähigkeit
an das Leben in Gefangenschaft. Durch ihre leichte Zucht bildete sie die
Stammform für unsere Hausente.
Mittlerweile ist die Stockente ein typischer Kulturfolger geworden, der
selbst in den Großstädten in unmittelbarer Nähe des Menschen brütet. So
gehören zahme, halbzahme und wilde Stockenten heute zum Bild vieler Parkgewässer
der Städte und der Zooteiche. Oft genug hat eine Ente, die ihre Küken
zum Wasser führte bereits den städtischen Verkehr lahmgelegt. Ihre Menschennähe
wird ihr allerdings mittlerweile auch zum Verhängnis. Einerseits führt
überzogene Tierliebe in Form von Brotverfütterung zu hohen Bestandsdichten,
mit denen sich Krankheiten einstellen und zum anderen hat die Vermischung
mit entflogenen Hausenten eine zunehmende Hybridisierung der Stockente
zur Folge. Außerdem drohen zahlreiche Gewässer durch das Entenfutter umzukippen.
Eine zunehmende Eutrophierung der Gewässer ist die Folge.
Trotz der stellenweise an lokalen Standorten besorgniserregenden Zunahme
der Mischlinge mit Hausenten, gilt der Bestand der Stockente in Deutschland
als nicht gefährdet und sie gehört zu den jagdbaren Vogelarten. Vorkommen
Der Lebensraum der Stockente erstreckt sich über die ganze nördliche Halbkugel
der Alten und der Neuen Welt. Unter den sechs Unterarten der Stockente
ist unsere einheimische bei weitem die bekannteste. Die einzelnen Unterarten
bewohnen Europa, Asien bis Japan, Nord- und Mittelamerika. In den Mittelgebirgen
Deutschlands brüten Stockenten bis 800 m NN und in den Alpen sogar bis
1.900 m NN.
Von den Unterarten ist die etwas größere Grönland-Stockente in der Färbung
unserer Stockente am ähnlichsten. Recht abweichend sind die Zwergformen
auf der Insel Laysan und auf Hawaii. Diese beiden Inselformen treten nur
in winzigen Populationen auf und sind in ihren Beständen gefährdet. Die
Erpel der Unterarten der beiden Inseln und die der ebenfalls gefährdeten
Mexiko- und Florida-Stockenten legen kein Prachtgefieder an. Für die gefährdeten
Unterarten gibt es Zuchtprogramme, mit deren Hilfe die Bestände in der
Natur aufgefrischt werden.
Wanderungen
Je nach klimatischen Bedingungen sind die Stockenten Stand-, Strich- oder
Zugvögel. Ab September scharen sie sich auf großen, offenen Gewässern
zusammen und verweilen hier, bis Frost und Eis sie zum Abwandern zwingen.
Besonders bei starkem Frost versammeln sie sich auf engstem Raum auf den
letzten eisfreien Gewässern an der Küste, oder in der Nähe der Großstädte.
Erst wenn alle Gewässer zugefroren sind, werden die Enten zur Abwanderung
gezwungen.
Bisweilen ziehen sie in strengen Wintern nach Mittel- bzw. Westeuropa,
einige bis nach Indien bzw. zu den Kanarischen Inseln.
Aussehen
Die tag- und nachtaktiven Stockenten werden 0,58 bis 0,60 m groß, 1,0
bis 1,2 kg schwer und zählen zu den Schwimmenten.
Die Erpel, mit ihrem grün schillernden Gefieder, fallen schneller ins
Auge als die Enten. Mit dieser auffälligen Färbung lenken sie Feinde vom
Gelege ab, auf dem die unauffällige Ente brütet. Beide Geschlechter haben
einen markanten weißen Flügelspiegel mit purpurviolettem Abzeichen, an
dem man eine Stockente jederzeit erkennen kann.
Die männliche Stockente - der Erpel - hat einen glänzend grünen Kopf,
ein weißes Halsband, eine kastanienbraune Brust, sowie eine graue Unterseite.
Der weiße Schwanz hat gekrümmte schwarze Mittelfedern. Die Flügel sind
hellgrau und der Schnabel ist gelb gefärbt. Der Erpel verliert durch die
Mauser vorübergehend sein Prachtgefieder und seine Flugfähigkeit, so daß
er dann dem Weibchen immer ähnlicher wird. Meist ist das Ruhekleid aber
im September schon wieder durch das neue Prachtgefieder ersetzt. Die Mauser
des Kleingefieders währt bei beiden Geschlechtern manchmal bis zum Frühjahr.
Die Ente wird nicht ganz so groß (0,49 m) und so schwer wie der Erpel.
Sie ist mit ihrer braunen Fleckung insgesamt unscheinbarer gezeichnet
und hat einen grünlichen Schnabel.
Nach nicht ganz geklärter Aussage soll der älteste Ringvogel ein Alter
von 41,7 Jahren erreicht haben, andere Stockenten wurden bis zu 30 Jahre
alt.
Nahrung
Die Nahrung der Stockenten ist vielseitig und besteht aus pflanzlicher
und tierischer Kost, wie z. B. Sämereien, Wurzelstöcke und -knöllchen,
Früchte (Beeren), grüne Wasser- bzw. Uferpflanzen, Insekten und deren
Larven, Fischbrut, Froschlaich, Kaulquappen, Wasserflöhe, größere Käfer,
kleine Krebse, Würmer und vieles andere mehr. Wenn sie gefüttert werden,
nehmen sie auch gern Brot, Fischfutter und Speisereste auf.
Unter natürlichen Bedingungen gewinnen sie einen Großteil ihrer Nahrung
durch das sogenannte Gründeln (Gründelente). Dabei strecken sie Hals und
Kopf tief ins Wasser und saugen mit ihrem durch Hornlamellen umsäumten
Schnabel Nahrungsteilchen auf.
Brutbiologie
Die Balz der Stockenten währt je nach Wetterlage von September bis zum
Frühjahr. Wobei die Keimdrüsen allerdings erst im Frühjahr aktiv werden.
Die Erpel balzen gemeinsam und die Enten schauen vom Rand aus zu, um ihre
Wahl zu treffen.
Die Erpel werden ihren Weibchen zum Ende der Balzzeit öfter untreu und
versuchen fremde Weibchen zu begatten. Oft geschieht dies auch gewaltsam.
Die Balz kann in zwei Abschnitte unterteilt werden. Zuerst erfolgt die
Gesellschaftsbalz, die viele Enten der gleichen Art anlocken soll und
sich durch synchronisiertes Balzverhalten vieler Erpel auszeichnet. Anschließend
folgt die gerichtete Balz, welche die Begattung zum Ziel hat. Markant
ist hierbei das sogenannte „Hetzen" der Ente durch den Erpel.
Die Kopulation findet auf dem Wasser statt. Das Paar sondert sich dafür
gewöhnlich von den anderen Enten ab. Beide Partner führen anfangs sich
immer mehr steigernde, pumpende Auf- und Abbewegungen mit dem Kopf durch.
Wenn sich dann die Ente ganz flach macht, ist der Erpel dadurch aufgefordert,
auf ihren Rücken zu klettern und sie zu treten. Die Ente ist dabei kaum
noch zu sehen. Sie hält nur noch den Kopf aus dem Wasser. Mit ruckartigem
zurück reißen von Kopf und Hals zum Rücken, zeigt der Erpel, daß die Begattung
vollzogen ist.
Wenn der Erpel das Nistrevier ausgewählt hat, ist das Weibchen mit dem
Nestbau beschäftigt. Stockenten sind Bodenbrüter. Die Ente formt in den
Untergrund eine Mulde, in die sie anschließend Pflanzenteile, Halme und
Laub aus der Nestumgebung zieht. Die Nester stehen im Pflanzendickicht
der Uferzone, an Grabenrändern, auf Inseln, unter Sträuchern und auf Kopfweiden.
Seltener dienen alte Krähennester, Baumhöhlen oder Hausdächer als Brutstandort.
Die ersten Gelege findet man bereits Ende März oder Anfang April. Es findet
nur eine Brut statt. Geht das erste Gelege verloren, erfolgt allerdings
ein Ersatzgelege. Das Gelege besteht normalerweise aus 7 bis 12 (13) grünlichgrauen
Eiern. Kurz bevor alle Eier gelegt sind, zupft sich die Ente Dunenfedern
aus und bedeckt mit diesen das Gelege.
Anfangs hält sich der Erpel noch wachsam in der Nähe des allein brütenden
Weibchens auf, später schließt er sich mit anderen Erpeln zu sogenannten
Mausergruppen zusammen und kümmert sich nicht mehr um die weitere Kükenaufzucht.
Die Brutdauer beträgt 30 Tage. Bald nach dem Schlüpfen der schwarzbraunen
Dunenjungen führt die Ente die Küken zum Wasser. Deshalb zählt man die
Stockentenküken zu den Nestflüchtern. Die Küken haben ein gelbliches Gesicht
sowie eine gelbliche Unterseite und eine dunkle Linie durch das Auge.
Sie folgen der Ente im Wasser immer dicht auf. Denn in dieser Zeit fallen
viele von ihnen Feinden - wie z. B. Hechten, Ratten, Rohrweihen, Mardern,
Füchsen u.a. - zum Opfer.
Wenn die Jungen im Alter von 8 Wochen voll flugfähig geworden sind, löst
sich der Familienverband auf. Nun kann auch die weibliche Ente ihre Schwingen
mausern. Nach einem Jahr erreichen die Jungenten die Geschlechtsreife.
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Stockentenpärchen
Foto: J. Felix (1999)

Stockentenweibchen
Foto:
K. Rönsch (2005)

Stockentenerpel
Foto:
K. Rönsch (2005)
Weitere
Bilder
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