Schwarzspecht (Dryocopus martius L.)
Black Woodpecker
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte
(Picidae)
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Im Ökosystem Wald hat der Schwarzspecht eine wichtige Funktion: Er schafft
für viele Höhlenbewohner egal, ob Vögel, Insekten (z. B. Hornissen und
soziale Bienen) oder Säugetiere (z. B. Fledermäuse, Eichhörnchen, Siebenschläfer
u. a. Bilche sowie Baummarder) Wohnraum. Schwarzspechte zimmern jährlich
mehrere Höhlen, wobei neben der eigentlichen Bruthöhle auch noch mehrere
Schlafhöhlen entstehen. Die überzähligen verlassenen Höhlen werden von
anderen Tierarten genutzt.
Viele höhlenbrütende Vogelarten sind regelrecht auf Höhlen des Schwarzspechtes
angewiesen, da sie keine eigenen bauen können und in unseren intensiv
forstwirtschaftlich genutzten Wäldern keine trockenen oder toten Bäume
erhalten bleiben, in denen natürliche Baumhöhlen in entsprechender Anzahl
und Größe entstehen. Vogelarten, die Schwarzspechthöhlen nutzen sind:
Rauhfußkauz, Sperlingskauz, Waldkauz, Hohltaube, Star, Wiedehopf, Dohle,
Schellente, Gänsesäger und die früher bei uns brütende Blauracke.
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet des Schwarzspechtes umfaßt Europa und geht im Norden
von Dänemark bis an den Polarkreis in Norwegen, weiter bis Kamschatka,
Sachalin, Nordjapan.
In Spanien brütet der Schwarzspecht u. a. in den Pyrenäen, in Italien
kommt er bis zum Alpensüdfuß vor. Die Balkanhalbinsel wird bis in den
griechischen Teil Makedoniens besiedelt. Südlich trifft man ihn von der
nördlichen Dobrudscha, über die Moldau in Moldawien, weiter bis Orenburg,
Nordkasachstan, zum Süd-Altai bis zur nördlichen Mongolei und Korea an.
In Nord- und Westeuropa konnte der Schwarzspecht zu Anfang des 20. Jh.
mit der Zunahme des intensiven Fichtenanbaus sein Areal erweitern. Trotzdem
schwankt der Bestand in vielen Teilen seines Verbreitungsgebietes, oder
sinkt sogar.
Der Schwarzspecht lebt sowohl in der Ebene als auch im Mittelgebirge in
Höhen bis 800 m (im Erzgebirge bei 1.000 m). Sein Vorkommen hängt vor
allem von geeigneten Altholzbeständen ab. In seinem Brutgebiet ist der
Schwarzspecht Standvogel, also das ganze Jahr anwesend. Die Jungspechte
jedoch „verstreichen“ über größere Strecken. Allerdings können einige
Populationen aus Nordeuropa und auch heimische Vögel bei ungünstigen Bedingungen
zum Zug- oder Strichvogel werden.
Aussehen
Der krähengroße Vogel ist der größte europäische Specht und wiegt 260
bis 340 g. Männchen und Weibchen haben pechschwarzes Gefieder - deswegen
rief der Volksmund den Schwarzspecht auch „Holzkrähe“ – unterscheiden
sich aber durch eine unterschiedlich ausgeprägte rote Kopfkappe. Die des
Männchens erstreckt sich über den Scheitel von der Stirn bis in den Nacken.
Das Weibchen besitzt nur einen roten Hinterhauptfleck. Der Schnabel ist
bei beiden Geschlechtern gelblich elfenbeinfarben.
Der Flug ist nicht, wie bei anderen Spechtarten wellenförmig, sondern
gerade, wirkt aber sehr schwerfällig. Ebenso wirkt das Hüpfen auf dem
Boden. Normal fliegt er mit einer Geschwindigkeit von 28 bis 39 km/h,
kann aber auf der Flucht bis zu 60 km/h erreichen.
Schwarzspechte können ein Alter von bis zu 7 Jahren erreichen.
Schwarzspechte machen sich vor allem durch den Standortruf “ kliööh“ bzw.
„kijäh“, der weit durch den Wald schallt, oder durch den Flugruf“ krrü
- krrü - krrü“ bemerkbar. Der Warnruf ist ein dohlenähnliches „kijak“.
Während der Paarungszeit im März und April hört man weit hin das kraftvolle
laute Trommeln, das durch schnelle Schnabelschläge auf einen Resonanzkörper
(vornehmlich trockene Äste) entsteht. Die Trommelfrequenz der Männchen
beträgt 40 Schläge in 2,5 Sekunden bzw. 17 Schläge / sec., oder tausendmal
pro Minute. Weibchen trommeln weniger intensiv.
Nahrung
Für die Nahrungssuche bevorzugen Schwarzspechte Nadelwälder, somit sind
Brut- und Nahrungsbiotop in der Regel nicht identisch. Die Hauptnahrung
bilden die Larven, die Puppen sowie die Imagines verschiedener Ameisenarten
und holzbewohnender Käferarten (z. B. Borken- und Bockkäfer). Gern verzehrt
er die Larven der Holzwespe. Den Lebensraum dieser Insekten stellen alte,
morsche und abgestorbene Bäume sowie bevorzugt alte Baumstrünke dar. Diese
zerlegt der Schwarzspecht gern vollständig in fingerlange Späne und entrindet
manche Bäume fast völlig. Außerdem legt er Ameisennester in Bäumen frei
bzw. durchwühlt er auch ganze Ameisenhaufen. Käferlarven und Ameisen erbeutet
er, indem er sie mit seiner Zunge erfaßt.
Aber auch andere Käferarten (Hirsch- und Schnellkäfer), Blattwespen, die
Raupen verschiedener Schmetterlingsarten, Spinnen und kleine Schnecken
werden erbeutet. Seltener stehen kleine Früchte und Beeren auf dem Speiseplan.
Brutbiologie
Die Größe eines Schwarzspechtreviers beträgt ca. 250 bis 400 ha, in dem
sich die beiden Partner außerhalb der Brutzeit weitestgehend aus dem Weg
gehen. Beide Altvögel benutzen - oft über Jahre hinweg - eigene Schlafhöhlen.
Zwischen zwei besetzten Bruthöhlen beträgt der Abstand mindestens 900
m. Die Brutbäume, bevorzugt werden Buche und Kiefer, sollten mindestens
4,0 bis 10,0 m hoch, astfrei und glattrindig sein.
Im April findet mit lauten Trommelwirbeln und markanten Schreien die Balz
statt. Das Männchen zeigt dann dem Weibchen die Bruthöhlen. Dann wird
entweder eine alte Bruthöhle ausgeräumt und neu hergerichtet, oder es
wird eine Neue gezimmert, was bis zu vier Wochen dauern kann. Das Schlupfloch
- in der Form eines romanischen Fensters - der Höhle hat eine Weite von
10 bis 12 cm. Die Höhle selbst kann Armtiefe (31 bis 65 cm) und mehr (88
cm) erreichen, vor allem bei Mehrfachnutzung und gleichzeitiger Fäulnis
des Baumes. Bei diesen Höhlentiefen wird dann ein tiefer liegendes Einflugloch
angelegt. Mehr als drei Einfluglöcher werden bei Bruthöhlen nicht gezimmert.
Es wird kein zusätzliches Nistmaterial, außer den vorhandenen kleinen
Spänen, eingetragen. Oftmals werden auch nur Höhlenanschläge angelegt,
die einen Harzfluß des Baumes hervorrufen und nach 5 bis 6 Jahren von
allein zu Höhlen ausfaulen. Erst dann werden sie durch den Specht genutzt.
Man hat ausgerechnet, daß beim Bau einer Höhle bis zu 10.000 Holzspäne
anfallen, dafür sind 17 Schnabelhiebe pro Span (manchmal auch bis zu 32)
notwendig. Somit muß bis zu 170.000 mal ins Holz gehackt werden, bei einer
Frequenz von knapp über 100 Schlägen / min. So ein Holzspan kann dann
bis zu 11 cm lang (Kiefernspäne sogar bis 18 cm) und 2 cm breit werden.
Das kann der Schwarzspecht nur aufgrund morphologischer Besonderheiten
und Anpassungen leisten. So wiegt sein Gehirn nur zwei bis vier Gramm
und ist in besonders verstärkten Schädelknochen eingebettet. Zusätzlich
wird der Schnabel der Spechte durch enorm starke Bremskräfte vor jedem
Schnabelhieb innerhalb einer Tausendstelsekunde abgebremst.
Seine Höhlen baut der Schwarzspecht in äußerlich noch gesund erscheinenden
Bäumen, meistens in einer Höhe zwischen 8 bis 25 m. Am liebsten nutzt
er dafür dicke, gradwüchsige Rotbuchen, die auch bis in größere Höhen
astfrei sind. Geeignete Bäume finden sich am ehesten in Buchen- bzw. Laubmischwäldern.
Von den Nadelbäumen nimmt er gern Kiefern (seltener Tannen, Fichten und
Lärchen) als Brutbäume an, wenn sie einen genügend dicken und astfreien
Stamm haben. Die Brutbäume können mitunter viele Jahre hintereinander
als solche dienen.
Frühestens Ende März / Anfang April, meistens aber von Mitte April bis
Mitte Mai werden (2) 3 - 5 (6) glänzend porzellanweiße und 10 bis 14 g
schwere Eier gelegt. Es findet nur eine Jahresbrut statt. Bei Verlust
des Erstgeleges wird aber ein Ersatzgelege gezeitigt.
Die nackten Jungen schlüpfen bereits nach 12 bis 14 Tagen Brutzeit, in
der sich beide Partner miteinander ablösen. Die Ablösung des Partners
wird durch Rufe des Ankommenden eingeleitet, denen der Vogel in der Höhle
durch Trommeln antwortet. Erst nach diesem Zeremoniell verläßt der Vogel
die Höhle.
Den Jungen wächst kein Dunenkleid. Statt dessen sprießen aus ihrer Haut
gleich die Blutkiele der Federn. Nach 24 bis 28 Tagen - bei kaltem Wetter
auch länger (31 Tage) - sind die Jungspechte soweit entwickelt, das sie
ihre Höhle verlassen können. Dann werden sie noch einige Zeit (bis zu
einem Monat) von den Eltern betreut, bis sie im August das elterliche
Brutrevier verlassen und sich selbst ein eigenes suchen.
Dabei können die jungen Spechte jedoch über weite Strecken „verstreichen“.
Bestände
Da das Brutvorkommen des Schwarzspechtes vor allem vom Vorhandensein geeigneter
Höhlenbäume abhängt, die sich fast ausschließlich in Altholzbeständen
befinden, müssen die wenigen vorhandenen Waldstücke dieses Alters unbedingt
erhalten werden. Diese Ansprüche des Spechtes und der von seinen Höhlen
abhängigen Tierarten, stehen natürlich im Widerspruch zur forstwirtschaftlichen
Nutzung der Wälder. Deshalb sollten in den durchgeforsteten Waldflächen
genügend große Buchenbestände - deren Alter mindestens 140 Jahre und mehr
betragen sollte - als Altholzinseln erhalten bleiben. Erst, wenn sich
diese Bestände natürlich verjüngt haben und auf benachbarten Flächen gleichwertige
Bestände herangewachsen sind, die dem Schwarzspecht neue Brutmöglichkeiten
bieten, sollten sie geschlagen werden.
Allerdings hat sich der Schwarzspecht auch an die Waldplantagen mit Nadelhölzern,
die überall den ursprünglichen Laubmischwald ablösten angepaßt. Selbst
die Massenvermehrung von schädlichen Forstinsekten in den Monokulturen
kommen ihm teilweise als Nahrungsangebot zu Gute. Auch vom Rückgang seiner
beiden natürlichen Hauptfeinde - Habicht und Baummarder, deren Bestände
sich derzeitig langsam wieder erholen - konnte er profitieren. Trotzdem
ist er immer noch vielerorts eine seltene Art und tritt keinesfalls häufig
auf. Für die Neuen Bundesländer wird ein geschätzter Bestand von 7.300
BP angenommen.
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Verbreitungsgebiet
des Schwarzspechtes

Foto: K. Rönsch, Dübener Heide, 03/2005
Weitere Bilder
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