Rotmilan (Milvus milvus)
Red Kite (Kite)
Ordnung: Greifvögel
(Falconiformes)
Familie: Habichtartige
(Accipitridae)
Unterfamilie: Milane (Milvinae)
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Der Rotmilan ist fast ein rein europäischer Vogel. Sein Verbreitungszentrum
liegt dabei in Mitteleuropa und dort vor allem in den Neuen Bundesländern.
Rotmilane sind sogenannte Kulturfolger, die auch in der Nähe der Siedlungen
brüten und von der menschlichen Tätigkeit profitieren. Es verwundert nicht,
dass der Rotmilan somit auch im Volksmund bekannt ist. Dies belegen Namen
wie „Gabelweihe", „Bunte Weike", „Kikendieb" u.a.
Allerdings bereitete die Produktionsumstellung innerhalb des Pflanzenbaus,
die sich nach der Wende in den Neuen Bundesländern vollzog, dem Milan
arge Schwierigkeiten. Der Rückgang des Grünlandes, das durch die Verringerung
der Rinderbestände nicht mehr benötigt wurde, zugunsten von Raps- und
Maisanbauflächen, reduzierte die von ihm nutzbaren Nahrungsflächen dramatisch.
Der Bestand ist zwar noch nicht gefährdet, aber die lokale Verminderung
der Brutpaare seit Anfang der 90iger Jahre ist ein deutliches Achtungszeichen.
Aufgrund seines Verbreitungsschwerpunktes - mit zwei Dritteln des Weltbestandes
- in Deutschland muss der Schutz des Rotmilans eine vorrangige Aufgabe
darstellen.
Vorkommen
Der Rotmilan besiedelt West- (Spanien), Mittel-, Süd- und Osteuropa (Baltikum,
Ukraine), die Kanaren sowie Nordwestafrika (Marokko). Brutvorkommen in
Vorderasien bedürfen der Überprüfung. Südschweden und Großbritannien stellen
inselförmige Randareale der Verbreitung dar. In Norwegen ist der Rote
Milan ausgestorben und in Dänemark können seit längerer Zeit keine Brutvorkommen
festgestellt werden. Auf den Kapverdischen Inseln ist der Rotmilan durch
eine eigenständige Rasse M. milvus fasciicauda vertreten, die durch
den eingewanderten Schwarzmilan verdrängt wird.
Der Rotmilan fehlt in den Alpen und im nördlichen Alpenvorland, im Böhmischen
Becken, in der Niederungarischen Tiefebene und in den Tiefebenen Belgiens,
der Niederlande, Westniedersachsens und im Westen Schleswig-Holsteins.
Als Biotop bevorzugt der Rotmilan alte Baumbestände, die an Kulturland
grenzen und bevorzugt reich gegliederte Landschaften, in denen sich bewaldete
und freie Flächen abwechseln. Besonders gern besiedelt er die Wald-Feld-Grenze
(im Hakel auf 30 km Länge). Diese Erscheinung wird als „Randeffekt" bezeichnet.
Das Jagdgebiet ist 5 bis 10 km vom Horst entfernt. Gern siedelt sich der
Rotmilan in Gewässernähe an. Er ist aber nicht so an diese gebunden wie
der Schwarzmilan. Zunehmend kann man beide Milanarten auch in Großstädten
beobachten.
Wanderungen
Rotmilane sind Sommervögel, die von März bis September im Brutgebiet anwesend
sind. Der Abzug beginnt im August. Die Vögel wandern bis nach Südeuropa,
dem nördlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika, in kleiner Zahl auch
bis in den Nahen Osten.
Seit den 50iger Jahren können zunehmend Überwinterungsversuche und Ansammlungen
im Brutgebiet beobachtet werden. Diese Entwicklung wird durch die Erschließung
neuer Nahrungsquellen wie Müllkippen, Schlachthöfe, Straßen (Verkehrsopfer)
und Abfallhaufen begünstigt. Dabei kommt es zur Bildung von Winterschlafplätzen
mit 40 bis 60 und mehr (bis zu 200) Vögeln. Diese Schlafplätze werden
stellenweise über das ganze Jahr genutzt.
Aussehen
Der Rotmilan ist 0,50 bis 0,62 m (0,66 m) groß und somit größer als der
Mäusebussard. Nordafrikanische Vögel und die der Kanarischen Inseln sind
kleiner als ihre europäischen Verwandten.
Auf den ersten Blick kann man den fliegenden Rotmilan mit dem ähnlichen
Schwarzmilan leicht verwechseln. Beim genauen Hinsehen wirkt der Rotmilan
aber größer, langflügeliger, und langschwänziger. Außerdem ist er viel
kontrastreicher gefärbt. Das Gefieder ist tief rostrot, mit auffallend
hellem, grauweißem und sich dadurch deutlich abhebendem Kopf, welcher
eine dunkle Strichelung aufweist. Die Oberseite ist braun, die Unterseite
- Brust und Bauch - sind rostbraun mit dunkelbrauner Strichelung.
Die Oberflügeldecken sind rostfarben mit deutlich hellem Rand. Die Schwanzdecken
leuchten oben kastanienbraun, weisen dunkle Ecken an der Spitze auf. Auf
dem unterseits fahlbraunem Schwanz ist unten eine blasse Bänderung erkennbar.
Im Jugendkleid sind die Vögel ähnlich der Altvögel gefärbt.
Das Flugbild des Rotmilans ist unverkennbar. Dafür sorgen die langen,
recht schmalen und stark gewinkelten Flügel, deren schwarze Spitzen leicht
aufgerichtet sind sowie ihre großen weißen Handschwingenfelder, die sich
deutlich von der sonst rötlichen Unterseite abheben. Der auffallend lange,
tief gegabelte Schwanz führte dazu, dass der Vogel im Volksmund auch treffend
„Gabelweihe" genannt wird.
Der Flug des Rotmilans ist leicht und gewandt. Er fliegt geschickt mit
langsamen tiefen elastischen Flügelschlägen und langen Gleitphasen. Dabei
dient der sehr bewegliche Schwanz als Steuerruder, mit dessen Hilfe er
sich im Fluge häufig drehen und auch schwenken kann. Die Spannweite des
Rotmilans beträgt 1,60 m (1,75 – 1,95 m).
Die Rufe des Rotmilans - „chje-chji-chji, chji-chjii-chjie ..." - klingen
ähnlich denen des Schwarzmilans aber weniger klangschön und höher als
beim Bussard. Oft auch trillernd „hiäh", hiiiä, glie rie ...".
Die ältesten nachgewiesenen Ringvögel erreichten ein Alter von 24 bzw.
25 Jahren. In Gefangenschaft lebte ein Vogel 33 Jahre.
Nahrung
Um an seine Nahrung zu gelangen, ist der Rotmilan sehr mobil. Beuteflüge
von bis zu 12 km sind dabei durchaus möglich. Auf seiner Speiseliste stehen
Kleinsäuger (vor allem Mäuse und Feldhamster), Vögel, Fische, Reptilien,
Frösche, Regenwürmer, Insekten und Aas. Größere Beutetiere werden durch
kräftige Schnabelhiebe auf den Kopf getötet. Die Hauptanteile der Beute
können lokal sehr verschieden sein. So ernährte sich die Population im
Hakel ursprünglich fast ausschließlich vom Feldhamster. Mit der zunehmenden
Intensivierung innerhalb der Landwirtschaft verschwanden vielerorts die
Feldhamster. Chemieeinsatz und intensive Bearbeitungsmethoden brachten
den Feldhamster - als ehemals großflächig bejagten „Ernteschädling" und
Pelzlieferanten - innerhalb zweier Jahrzehnte auf die Rote Liste der bedrohten
Arten. Aufgrund der fehlenden Nahrung stellten sich die Milane um und
sind nun häufig auf Müllkippen und an Fernverkehrsstraßen anzutreffen.
Besonders in ihrem spanischen Überwinterungsgebiet sind sie auf die dortigen
Müllkippen zur Ernährung angewiesen.
Außerdem ist der Rotmilan auch ein erfolgreicher Beuteschmarotzer und
jagt anderen Greif- und Rabenvögeln die Beute ab.
Brutbiologie
Der Horst wird hoch oben in Nadel- oder Laubbäumen errichtet. Er wird
selbstgebaut, aber häufiger von anderen Arten (z.B. Mäusebussard, Habicht
und Krähen) übernommen und neu hergerichtet. In jahrelang genutzten Revieren
werden einige Horste im Wechsel immer wieder benutzt. Als Nestbaumaterial
werden Lumpen, Plastiktüten, altes Papier, Fellreste, Knochen oder Stroh
verwendet. Das künstliche Nistmaterial birgt für die Jungen viele Gefahren,
da sie sich oft in Schnüren u.a. hoffnungslos verheddern und daran auch
qualvoll zugrunde gehen können.
Der Rotmilan zeitigt eine Jahresbrut. Die Brutzeit beginnt frühestens
Ende März, normalerweise aber ab Anfang Mai und dauert 28 bis 32 Tage.
Das Gelege umfasst 2 bis 3 Eier, selten 4 oder nur eines. Die weißen,
variabel rötlich oder braunviolett gepunkteten und glanzlosen Eier messen
56,5 mm x 44,5 mm und wiegen um die 60,0 g. Es brüten nur die Weibchen.
Die männlichen Vögel bewachen und bedecken das Gelege, wenn das Weibchen
das Nest verlässt. Die Jungen werden etwa 45 bis 50 Tage im Nest gefüttert.
In den ersten 14 Tagen schafft das Männchen die Nahrung gewöhnlich allein
herbei, während das Weibchen die Jungen damit füttert und hudert. Später
wechseln sich beide Altvögel ab. An die Nestlingszeit der Jungen schließt
sich eine ein- bis zweiwöchige Ästlingszeit an.
Bestand
Der Weltbestand des Rotmilans wurde 2000 auf 17.400 bis 22.600 Brutpaare
geschätzt (in Europa 1994, ca. 18.040 BP). Davon brüteten 2000 in Deutschland
9.000 bis 12.100 BP (1994 ca. 10.700). Der Bestand in Ostdeutschland beträgt
8.000 bis 9.000 Brutpaare (Anfang der 90iger Jahre). Eine der größten
Konzentrationen ist in Sachsen-Anhalt zu beobachten. Milanhochburgen bilden
dabei die Magdeburger Börde und das Harzvorland. Die weltweit größte Siedlungsdichte
wurde im Hakel (Sachsen-Anhalt) mit etwa 100 Brutpaaren auf 10 km2 festgestellt.
Im Harzvorland siedelten 1991 im Mittel 42 BP auf 100 km2. Hier hat der
Bestand aber von 1991 bis 1996 um etwa die Hälfte abgenommen und die Reproduktion
sank auf 1,5 Jungvögel pro erfolgreichem Brutpaar (Mittel 1,77, 1999).
Im Hakel (Europareservat 1.300 ha groß) brüteten Ende der 70iger Jahre
noch 136 Paare., mittlerweile sind es noch 19. In ganz Deutschland sank
der Bestand von 1994 bis 1997 um 25 %!
Die höchsten Bestände wurden in den 50iger Jahren festgestellt. Für das
Verschwinden des Rotmilans sind offenbar viele Faktoren verantwortlich.
Das Verschwinden der großen Laubwälder und möglicherweise die Zunahme
der Schwarzmilane aber vor allem die fehlenden Fruchtfolgen in der Landwirtschaft
sowie der Rückgang des Luzerneanbaus und damit eine Abnahme von Beutetieren
sind einige Ursachen.
In den 60iger Jahren stammten die Wiederfunde beringter Vögel aus Abschüssen
in den Überwinterungsgebieten. Obwohl in ganz Europa geschützt, kommt
auch das immer noch vor - auch in Deutschland. Eine weitere Gefahrenquelle
mit tödlichen Folgen sind Strommasten und der Straßenverkehr.
Der Rotmilan als Beispiel für erfolgreichen Vogelschutz in Großbritannien
Um 1560 waren Rotmilane in London noch sehr häufig. Da sie die menschlichen
Abfälle und Tierleichen beseitigten Ratten und Insekten fingen, waren
sie geschätzte und gern gesehene Gäste. Die Vögel sollen sogar Nahrung
von den Kindern angenommen haben.
Im 18. Jh. ging der Rotmilan dazu über, sich nicht mehr nur überwiegend
von Aas, sondern auch von lebender Beute zu ernähren. Dabei fielen ihm
oftmals auch Hühner zum Opfer. Das führte zu einer gnadenlosen Jagd auf
den damals noch weitverbreiteten Greifvogel. Zudem galten alle Greifvögel
zu dieser Zeit als potentielle Gefahr für die Fasanen- und Rebhuhnzucht
und wurden folglich abgeschossen. Der Rotmilan als langsamer Flieger,
der oft zum Tiefflug übergeht, war ein allzu leichtes Ziel.
Im 19. Jh. nahmen die Bestände dramatisch ab. Es gab kein Aas mehr und
die Vögel wurden weiterhin verfolgt. Zwischen 1830 und 1850 gab es in
England kaum noch Rotmilane und 1870 wurde bereits die letzte Brut in
England registriert. 1879 erfolgte die letzte Brut in Schottland. Zu diesem
Zeitpunkt hatten nur in Wales einige wenige Milane überlebt. 1905 konnten
auch dort nur noch 5 Brutpaare (11 – 12 Vögel) festgestellt werden. Mithilfe
der Königlichen Gesellschaft für Vogelschutz wurde eine spezielle Gesellschaft
zum Schutz des Rotmilans ins Leben gerufen. Durch die Arbeit dieser Institution
gelang es, den Bestand des Rotmilans wieder anzuheben.
1920 war der Bestand langsam auf 12 Paare angestiegen, 1954 konnten 18
Brutpaare und diverse Einzelvögel ermittelt werden. 1970 gab es bereits
wieder 20 Brutpaare in Wales, 1994 waren es 70. Im Jahr 2000 waren es
in Großbritannien 429 Brutpaare und es wurden weitere 20 Vögel ausgesetzt.
Allerdings sind diese Vögel auch heute noch bedroht. Besonders Eiersammler
stellen den Vögeln nach. Deshalb stehen die Horste des Rotmilans in Wales
jetzt unter dem Schutz der Armee, um derartige Übergriffe auszuschließen.
Weitere Informationen finden Sie unter der folgenden Adressen:
www.lbv.de/WirDir/Presse/99A25.htm
- Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV)
www.biologie.uni-halle
- Monitoring-Projekt "Greifvögel und
Eulen" der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
www.nabu.de/vdj2000/vogel1.htm
- Naturschutzbund Deutschland
e.V.
www.rund-um-buckow.de/natur/natur.html
- Natur im Naturpark der Kurstadt Buckow
www.nabu-neuss.de/milan.htm
- NABU Kreiss Neuss e.V.
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Verbreitungsgebiet des Rotmilans

Foto: K. Rönsch, Adlerwarte Berlebeck 08/2002

Foto: K. Rönsch, Adlerwarte Berlebeck 08/2002

Foto: K. Rönsch, Adlerwarte Berlebeck, 08/2002
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