Rebhuhn (Perdix perdix)
Grey Partridge
Ordnung:
Hühnervögel
(Galliformes)
Familie: Glattfußhühner
(Phasaninae)
Unterfamilie: Glattfußhühner (Phasianinae)
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Das Rebhuhn gehört zur Familie der Hühner und ist ein Kulturfolger, der
bereits frühzeitig von der Ausbreitung des Ackerbaus profitierte. Aufgrund
der günstigen Bedingungen stellten die damals häufigen Hühnervögel eine
beliebte Jagdbeute dar. Volkstümlich wurden die Vögel „Rep- bzw. Feldhuhn"
genannt.
Mit der Intensivierung der Landwirtschaft ist das Rebhuhn in seinem gesamten
mitteleuropäischen Verbreitungsgebiet bestandsbedroht und vielerorts bereits
zu einem seltenen Vogel geworden. Bislang ist eine positive Veränderung
dieser Situation noch nicht abzusehen. So ist das Rebhuhn ein Vogel, der
zwar einerseits durch den Menschen bis nach Nordamerika und Neuseeland verbreitet
wurde, aber andererseits auch durch dessen Tätigkeit in seiner Existenz
gefährdet wird.
Vorkommen
Das Rebhuhn brütet im Großteil Europas bis Mittelsibirien und Finnland.
Es bevorzugt das Tiefland bis 600 m über NN und hält sich über das ganze
Jahr im Brutgebiet auf. Es wurde auf einigen Nordseeinseln wiederangesiedelt
bzw. eingebürgert. Nur der Bestand auf Sylt kann als bodenständig angesehen
werden. Die Bestände des Rebhuhns in Deutschland nehmen ab und die Art wurde
in der Roten Liste der gefährdeten Arten aufgenommen. Rebhühner wurden in
Nordamerika (bis Kanada) und Neuseeland eingebürgert.
Aussehen
Rebhühner sind mittelgroße Hühnervogel (30 cm groß), von gedrungener und
rundlicher Gestalt mit kurzem Schwanz und kurzen, kräftigen Läufen.
Der Kopf weist eine rostgelbe Farbe auf, die Flanken sind kräftig rostrot
gebändert und die Brust ist hellgrau. Der Oberkopf und der Rücken im oberen
Bereich sind gelblich längsgestreift und der untere Bereich bräunlich. Auf
dem hellgrauem Bauch befindet sich ein dunkelbrauner, hufeisenförmiger Fleck,
der beim Männchen ausgeprägter ist, als beim Weibchen bzw. manchmal bei
diesem fehlt. Der Schwanz ist bis auf die mittleren Steuerfedern lebhaft
rostrot, der Schnabel ist gelblich fleischfarben gefärbt. Die Bestimmung
der Geschlechter ist im Freiland sehr schwierig.
Im Gegensatz zu den Altvögeln ist das Gefieder der Jungen hellsandbraun
gestreift.
Die Flügel der Rebhühner sind kurz, rund und während des Fluges leicht nach
unten geschlagen. Der Flug verläuft tief über dem Boden und geradlinig,
während des Fluges werden die Flügel rasch geschlagen. Dazwischen werden
Gleitphasen bevorzugt. Erst bei höchster Gefahr fliegen Rebhühner auf mit
lautem Flügelburren auf, da sie sehr schnell rennen können.
Das Alter des ältesten Ringvogels betrug 6 Jahre und 11 Monate, das eines
Volierenvogels 7 Jahre und 7 Monate.
Die Stimme des Männchens, die vor allem früh morgens und
abends das Revier markiert, hört sich an wie „Girrhäk",
„girrhäk" oder „Girr-häää". Zum Sammeln
und Kontakt halten, benutzen die Vögel ein „Grriweck" oder
„Kirrik".
Nahrung
Rebhühner ernähren sich überwiegend von grünen Pflanzenteilen, wie Grasspitzen,
Wintergetreide, Klee und Luzerne. Ein weiterer Bestandteil sind Körner von
Getreide und Sämereien von Feldrittersporn, Breit- und Spitzwegerich, Knötericharten,
manchmal Grün- und Rosenkohl sowie anderen Wildkräutern. Gern werden auch
Beeren aufgenommen, die in Weinanbaugebieten einen hohen Nahrungsanteil
darstellen können. Um im Muskelmagen die Körner besser für die Verdauung
aufzuschließen, werden kleine Steinchen mitaufgenommen. Im Sommerhalbjahr
gehören auch Insekten wie Ameisen und deren Puppen, Zikaden, Heuschrecken,
Wanzen, Schmetterlingen (insbesondere deren Raupen), Spinnen sowie Weberknechte
auf den Speiseplan.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt pickend und scharrend.
Regelmäßiges Sand- und Staubbaden ist ein wichtiger Bestandteil des Komfortverhaltens.
Brutbiologie
Das Nest liegt am Boden überwiegend gut versteckt unter Gebüsch, in Getreide-,
Klee- bzw. Luzernefeldern und auf Wiesen. Die Brutzeit dauert von Mitte
April bis Juli. Das Weibchen baut das Nest allein und bebrütet die 8 bis
24 einfarbigen, blassen, oliv braunen bis bläulichgrauen Eier innerhalb
von 23 bis 25 Tagen. Während dieser Zeit hält das Männchen in der Nähe Wache.
Die Jungen schlüpfen in etwa einer Stunde und verlassen nach 2 bis 4 Stunden
das Nest. Am ersten Tag ernähren sie sich vom Dottersack. Das Männchen führt
den zuerst geschlüpften Teil der Jungen vom Nest weg. Anschließend vereinigt
es sich mit dem Weibchen und dem Rest der Jungen. Die Jungen werden in den
ersten Lebenswochen fast ausschließlich mit Insekten ernährt. Gefressen
werden vorrangig Ameisen und deren Puppen, Schmetterlingsraupen, kleine
Käfer und Blattläuse. Nach 13 (14) Tagen fangen die Jungen an zu flattern,
mit drei Wochen fliegen sie so gut wie die Altvögel und sind mit etwa fünf
Wochen selbständig. Im alter von neun Wochen wird fast ausschließlich pflanzliche
Nahrung aufgenommen. Die Familie bleibt über den Winter bis zum nächsten
Frühjahr noch zusammen und bildet dann eine sogenannte „Kette". Oft schließen
sich mehrere Ketten zu „Völkern" zusammen. Der Aktionsradius der Vögel im
Winter beträgt nur wenige Kilometer.
Normalerweise haben Rebhühner nur eine Jahresbrut, da aber rund 60 bis 80
% der Gelege durch Rabenvögel (Krähen und Elstern), Igel, Katzen, menschliche
Störungen u. a. Ursachen vernichtet werden, ist die Henne zu mehreren Nachgelegen
fähig, falls der Verlust zu Beginn der Brutzeit eintritt. Große Gelege über
15 Eier entstehen oftmals durch das Verlegen von Eiern. Dabei legen Reb-
oder Fasanenhennen ihre Eier in ein fremdes Nest. Beim Stören des Weibchens
während des Legens, kann es passieren, dass das gesamte Gelege im Gelände
verstreut wird.
Bestand
Ursprünglich war das Rebhuhn ein Vogel der Heidegebiete, Steppen und Waldsteppen.
Durch die Rodungen des mitteleuropäischen Baumbestandes im Mittelalter und
der damit verbundenen Erweiterung des Ackerbaus wurde es zum Kulturvogel
und profitierte von der menschlichen Tätigkeit. So wurde das Rebhuhn in
Mitteleuropa zum Charaktervogel der Feldflur und Brachflächen. Nunmehr wird
das Rebhuhn allerdings mehr und mehr zum Opfer der intensiven Landwirtschaft.
Ausgeräumte Agrarflächen ohne Schutz und Deckung mit mangelndem Nahrungsangebot
und der großflächige Einsatz von Agrochemikalien führten dazu, dass das
Rebhuhn 1982 in die „Rote Liste der in Deutschland bedrohten Tierarten"
aufgenommen wurde. Trotzdem ist es in einigen Bundesländern immer noch jagdbares
Wild. Auch die umfangreichen Auswilderungen der Jägerschaft von nachgezüchteten
Vögeln ändern an der Sachlage der großräumig zerstörten Lebensräume wenig.
Diese unerfahrenen Vögel fallen früher oder später Beutegreifern zum Opfer,
oder sie werden abgeschossen. Weitere mögliche Gefahren bergen das Einschleppen
von neuen Krankheiten und Parasiten sowie die genetische Verfälschung der
Art durch unkontrollierte Vermischung der zur Zucht genutzten Rassen.
Was bedeutet Lebensraumverlust?
1. Vernichtung der Feldraine
- Rodung von Hecken und Feldgehölzen
- Füllung von Gräben
Damit verbunden:
- fehlende Schutz- und Deckungsmöglichkeiten vor Beutegreifern
- keine Brutplätze
- Artenarmut und damit verbunden Nahrungsmangel (z.B. Insekten)
2. Einsatz von Agrochemikalien
führt zu:
- Aussterben von Wild- und Ackerunkräutern, die wiederum Futterpflanzen
für eine Vielzahl von Insektenarten sind
- direkte Vergiftungen über die Nahrungskette
3. großflächiger Anbau von Monokulturen und damit verbundene Intensivwirtschaft
birgt Gefahren:
- Ausmähen von Gelegen und Verletzung von Jungvögeln
- schlagartiges Verschwinden der Pflanzendecke (fehlende Deckung ohne Alternativen)
- fehlende Untersaaten und damit keine Kükennahrung
Rebhuhnschutz heißt in erster Linie: Schutz des Lebensraumes!
Durch:
- Neuanlage und Schutz von Hecken und Feldrainen,
- Nutzungsausgliederung von Ackerrandstreifen und Wegrändern,
- weitere Förderung von Brachflächen,
- Mahd von Wiesen nach Ende der Brutperiode (Schutz von Wiesenbrütern),
- Verzicht auf den Einsatz von Chemikalien,
- Jagdverbot bis zur Stabilisierung der Bestände und
- das Belassen von Stoppelfeldern über den Winter.
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Verbreitungsgebiet
des Rebhuhns
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