Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

Nightingale

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Drosseln (Turdidae)

Die Nachtigall ist ein Singvogel, der im dichtem Unterholz von Laub- und Mischwäldern und verwilderten Gärten lebt. Durch diese versteckte Lebensweise und ihr schlichtes braunes Gefieder entdeckt man die Nachtigall nur selten. Den Gesang der Männchen kennt allerdings fast jeder, da er auch nachts weithin hörbar erschallt und von vielen Dichtern beschrieben und besungen wird.
Der Hauptlebensraum der Nachtigallen waren die Flußauen, mit deren Dezimierung wanderte die Art immer öfter in die Städte ein und besiedelte dort die Friedhöfe, Stadtparks und verwilderte Gärten, sofern man ihr das Fallaub und dichte Gebüschzonen ließ. So verschwinden in vielen städtischen Biotopen die Brutpaare bereits wieder, da man in falsch verstandenem Ordnungssinn die Grünanlagen der Gärten und Parks beräumt sowie deren Wege betoniert.

Vorkommen

Die Nachtigall ist Brutvogel in Nordafrika, Mitteleuropa, Vorder- und Mittelasien bis zur Mongolei. In Nordeuropa werden das südliche Großbritannien, Schleswig-Holstein, Teile Mecklenburgs und Polens besiedelt. Eine ihr sehr ähnliche Art ist der Sprosser, mit der sie im Grenzgebiet auch parallel vorkommt.
Nachtigallen leben auch in verwilderten Parks und Gärten, in hohen Hecken und in Stadtparks mit dichtem Unterholz. Bevorzugt werden Biotope mit Wasserflächen, die für ein reichliches Insektenangebot sorgen. Die Nachtigall fehlt in den Mittelgebirgen etwa ab 300 bis 500 m NN, wurde aber auch schon in 1.100 m Höhe beobachtet.

Wanderungen

Die Nachtigall ist ein Langstreckenflieger, der überwiegend nachts wandert.
Anfang/Mitte August bis Anfang September verlassen die Vögel ihre Brutgebiete, um im tropischen Westafrika (Senegal, Gambia) oder in den Trockensavannen Kenias bzw. Tansanias zu überwintern. Kurz vor dem Aufbruch fressen sich die Vögel eine Fettschicht an. Ende März bis in den Mai hinein treffen die Vögel wieder in ihren Brutgebieten ein.

Aussehen

Die Nachtigall ist größer als die Rotschwänzchen und langschwänziger als das Rotkehlchen. Sie wiegt ca. 22 g. Ihre Oberseite ist rötlichbraun, die Unterseite weiß bis graubraun gefärbt. Die Kehlseiten, die Vorderbrust und die Flanken sind von hell graubrauner Farbe. Der Schnabel ist schwarzbraun und der leicht gerundete Schwanz ist kräftig rotbraun gezeichnet. Auffallend, besonders beim Abflug, sind die Oberschwanzdecken.
Bekannte Nachtigallenrufe sind ein schnarrendes „karr" bei Erregung, ein tiefes „tack", oder ein schmatzendes „teck". Der Gesang ist sehr charakteristisch und beginnt mit leisen aufeinanderfolgenden Elementen, denen dann melodisch auf- und absteigende Abschnitte folgen, die bereits maximale Lautstärken erreichen und deren Silben rhythmisch wiederholt werden. Dies ist das bekannte „Schlagen".
Eingebaut werden besonders beim Nachtgesang charakteristische, pfeifende Strophen (bis zu 260 sind möglich). Am Ende eines Gesanges folgt meistens ein Abschluß. Insgesamt zeichnet sich der Gesang als sehr variabel aus. Bekannt sind Weibchengesänge, Dialekte und Mischgesänge von Sprossern. Verpaarte Revierbesitzer singen besonders in den Morgen- und Abendstunden. Die unverpaarten Männchen singen auch die gesamte Nacht hindurch. Die jungen Männchen lernen den Nachtigallenschlag als Nestlinge oder kurz danach, tragen diesen aber erst im nächsten Jahr vor.
Die ältesten freilebenden Nachtigallen erreichten ein Alter von acht Jahren, in der Gefangenschaft wurden bis zu 20 Jahre nachgewiesen.

Nahrung

Die Nachtigall ernährt sich von erster Linie von Insekten, so z. B. von Ameisen, Würmern, Käfern, Spinnen, Insektenlarven und -puppen. Nach diesen sucht sie am blanken Boden oder in der Laubschicht unter Büschen und Bäumen, indem sie jedes Blatt wendet und darunter nach Beute stöbert. Manchmal stößt sie auch von einen Ansitz aus auf Beuteinsekten am Boden herab, oder fängt sie im Flug bzw. sammelt Beutetiere von Zweigen und Blättern ab. Im Spätsommer werden auch Holunder- und Johannisbeeren sowie kleinere Früchte und manchmal auch Sämereien gefressen.

Brutbiologie

Die Nachtigallen kommen Mitte April aus ihrem westafrikanischen Winterquartier zurück. Die Männchen kommen einige Tage vor den Weibchen an und besetzten sofort ein Revier. Die Reviere können dabei sehr dicht nebeneinander liegen, werden aber z. B. gegen den Sprosser verteidigt. Die Balz findet in der Regel in der Deckung statt. Das Männchen schlägt mit den Flügeln und fächert seinen rotbraunen Schwanz, den es ständig auf und ab schlägt. Es zeigt dem Weibchen dann auch Neststandorte.
Das lockere, napfförmige Nest wird vom Weibchen in 3 bis 5 Tagen aus altem Laub, Stengeln bzw. kleinen Zweigen gebaut und mit Gras sowie Haaren ausgepolstert. Es liegt gut versteckt im Laub, nahe oder in dichtem Gebüsch. Die Nester befinden sich am Boden bzw. in Höhen bis zu 0,30 m. Selten werden Astgabeln bzw. Efeuranken in Höhen über 0,50 m genutzt. Es wurde aber auch schon ein Gelege in einer Mülltonne beschrieben.
Das Weibchen bebrütet die gelblich bis dunkelbraunen, sehr variabel gezeichneten 3 bis 6 (7) Eier - nach Ablage des letzten Eies - allein. Das Männchen bleibt allerdings in der Nähe und ruft es, um mit ihm zusammen auf Nahrungssuche zu gehen, manchmal füttert es das Weibchen auch. Die Hauptbrutzeit ist im Mai und beginnt frühestens Ende April.
Wenn die Jungvögel nach 13 bis 14 Tagen schlüpfen, schafft zunächst das Männchen den Hauptteil des Futters heran. Es bringt dem Weibchen Spinnen, Ameisen u. a. Insekten, mit denen es dann die Jungen füttert. Die Nestlinge öffnen nach etwa fünf Tagen die Augen.
Nach weiteren 11 bis 12 Tagen verlassen die Jungen das Nest und verstecken sich sofort in der Krautschicht. Vier Tage später versuchen sie sich erstmals im Fliegen und folgen den Alten, allerdings noch ein paar Tage lang ziemlich unsicher, bis sie richtig flugfähig werden. Die Jungen werden noch bis zu zwei Wochen nach Verlassen des Nestes betreut und sind wahrscheinlich schon im ersten Lebensjahr geschlechtsreif.
Nachtigallen brüten nur einmal im Jahr, bei Gelegeverlust können allerdings Ersatzbruten auftreten.

Bestände

Die wärmeliebende Nachtigall reagiert deutlich auf Klimaveränderungen und hat derzeitig durchaus die Chance, ihre Bestände zu vergrößern. Dafür muß aber einer weiteren Veränderung in ihren Lebensräumen, besonders in den städtischen Biotopen, entgegengewirkt werden.
Eine verheerende Wirkung üben - besonders auf die Jungvögel und die brütenden Weibchen - in den Städten die verwilderten Katzen und freilaufenden Hunde aus.
Allerdings wirken sich jetzt überalterte Hecken, die mit Fallaub ausgestattet sind und von Brennesseln überwuchert werden, günstig auf die Bestände aus, da hier Nahrung und Singwarten vorhanden sind. Wo aber die letzten Büsche Axt und Säge zum Opfer fallen, muß man auf das Lied der Nachtigall verzichten.
In Mitteleuropa haben sich die Bestandszahlen der Nachtigall mittlerweile auf ein gleichbleibendes Niveau eingependelt, gebietsweise nehmen sie sogar auch wieder zu. Für Ostdeutschland geht man von 50.000 Brutpaaren (+/- 50,0 %) aus. Hier weist Sachsen-Anhalt gefolgt von Brandenburg die höchsten Bestände auf (77,0 % der Bestände Ostdeutschlands in beiden Ländern). Für Deutschland ergab sich 1995, als die Nachtigall zum „Vogel des Jahres" gewählt wurde, ein Bestand von 100. 000 Brutpaaren.
Wir wollen hoffen, auch weiterhin dem wunderschönen Gesang dieses Vogels lauschen zu können.


 Verbreitungsgebiet der Nachtigall


© 2003 Vogelschutz-Online e.V. www.vogelarten.de

weiterfuehrende Links: Systematik. Ordnungen - Naturdes Jahres - Vogelnester - Beobachtungen- Schwalben - blog.vogelarten.debilder.vogelarten.de


Ihr findet uns auch bei: Twitter   YouTube    Facebook - Wir freuen uns auf Euren Besuch!