Haubentaucher (Podiceps cristatus)
Vogel des Jahres 2001
Great Crested Grebe
Ordnung: Lappentaucher (Podicipediformes)
Familie: Lappentaucher
(Podicipedidae)
Der Haubentaucher gehört zur Vogelfamilie der Lappentaucher. Die Zehen
der Arten dieser Familie sind nicht wie bei Entenvögeln mit Schwimmhäuten
verbunden, sondern die drei Vorderzehen sind mit faltbaren Hautlappen
ausgestattet und daher der Familienname. Der Name des Haubentauchers ergab
sich aus der markanten Federhaube, die erwachsene Vögel im Prachtgefieder
während der Brut tragen. Seit der ersten Hälfte des 20. Jh. konnte der
Haubentaucher sein Areal, besonders nach Norden hin, erweitern. Die Ursache
dafür ist die zunehmende Eutrophierung der Gewässer, die mit einer Vermehrung
der Weißfische einher ging und die Anlage von Fischzuchten in Stauseen.
Vorkommen
Der Haubentaucher besiedelt Eurasien bis China sowie Nordafrika (Marokko,
Algerien und Tunesien) sowie vereinzelt das Nildelta. Die Nordgrenze in
Europa umfasst Schottland, Südnorwegen, Mittelschweden und Finnland. Im
Süden reicht das Vorkommen bis Südspanien bzw. Südfrankreich, Albanien,
Bulgarien und Südrussland. Selten brütet er auf Sizilien, vereinzelt aber
auch auf Korsika und Sardinien. Früher brütete er auch auf Zypern.
Die Mittelgebirge Mitteleuropas werden - vorausgesetzt, es sind geeignete
Gewässer vorhanden - bis zu einer Höhe von 500 m (in Bayern bis 800 m)
besiedelt.
In Australien, Tasmanien und in Neuseeland siedelt eine andere Rasse,
ebenfalls in Afrika südlich der Sahara. Haubentaucher sind je nach den
Bedingungen Stand-, Strich- oder Zugvögel. Dabei kann sich das Zugverhalten
sowohl zwischen einzelnen Individuen als auch zwischen den Populationen
unterscheiden. Von den mitteleuropäischen Haubentauchern ziehen einige
bis zu den Schweizer Seen wo sich große Überwinterungsplätze befinden.
Die am Brutort verbleibenden erhalten oft Zuzug aus Nordeuropa. Viele
Taucher überwintern aber auch an der skandinavischen Küste sowie im Nord-
bzw. Ostseegebiet.
Aussehen
Mit etwa 50 cm Größe ist der Haubentaucher ungefähr ebenso groß wie die
Stockente aber schlanker und mit langem Hals. Die Männchen können bis
1,4 kg schwer werden und die Weibchen wiegen mit 0,9 bis 1,2 kg etwas
weniger. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt: Der Hals und die Bauchunterseite
des Gefieders, das aus bis zu 20.000 Federn bestehen kann, sind weiß.
Die Körperseiten sind rostbraun und die Oberseite ist schwarz gefärbt.
Das auffallendste und markanteste Merkmal ist die im Frühjahr und Sommer
rotbraun und schwarz gefärbte, zweigeteilte Federhaube. Dazu kommt ein
rotbrauner Backenbart mit Halskrause. Das Ruhekleid der Wintermonate sieht
ähnlich aus. Der Kopf ist fast ganz weiß. Die Federhaube, der Backenbart
und die Halskrause sind nur durch einige schwarze Federn angedeutet. Die
Jungvögel heben sich durch eine bräunlich weiße Längsstreifung an Kopf
und Hals deutlich von den Alten ab. Die Rufe des Haubentauchers - besonders
zwischen den Brutpartnern - sind ein lautes „Gröck gröck" oder „Köck köck
köck". Besonders bei der imposanten Balz wird fast trompetend vokalisiert.
Nach einem kurzen Startlauf auf der Wasseroberfläche startet der Haubentaucher
mit kurzen aber schnellen Flügelschlägen zum Flug.
Haubentaucher können ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen.
Brutbiologie
Die Balz der Haubentaucher ist ein kompliziertes Ritual, das sich aus
verschiedenen Bewegungen und Rufen zusammensetzt. Man unterscheidet vier
Balzphasen: Die Kopfschüttelzeremonie, das Nebeneinanderherschwimmen,
den Pinguin-Tanz und die Entdeckungszeremonie. Beide Partner suchen den
Neststandort in der Ufervegetation (vornehmlich Schilf und Binsen) der
Verlandungszone aus und besetzen dann ein Brutterritorium. Das Nest wird
aus Schilfhalmen, Algen und kleinen Zweigen gebaut. Es schwimmt auf der
Wasseroberfläche, ist sehr gut verankert und somit gut vor Feinden geschützt.
Fehlt natürliches Nestbaumaterial werden auch Äste, Plastik und Papierfetzen
verbaut. Die oberste Nestschicht besteht aber immer aus abgestorbenen
Wasserpflanzen, die beim Tauchen vom Gewässergrund gesammelt werden. Auch
wenn das Weibchen schon brütet, wird noch Nistmaterial herbeigeschafft.
Manchmal wird das Nest aber auch recht offen in der Mitte von Kleingewässern
gebaut. An großen Gewässern kann es zum kolonieartigen Brüten kommen.
Der Nestbau dauert 6 bis 8 Tage, manchmal auch bis zu 28. Die 2 bis 6
Eier (meistens aber vier) sind länglich, von weißer Farbe, wiegen ca.
38 g und werden frühestens ab März gelegt. Während der Brutzeit, die 27
bis 29 Tage dauern kann, verbauen die Altvögel noch weiteres Baumaterial.
Im Mai bzw. Juni schlüpfen 3 bis 7 Junge. Die Küken schlüpfen bereits
sehend und können vom ersten Tag an schwimmen und tauchen. Allerdings
verstecken sich die jungen Taucher anfangs noch oft im Gefieder der Altvögel
und lassen sich so auf bequeme Art und Weise transportieren. Dies dauert
bis zu 20 Tage. Bei 1 bis 2 Jungen kümmern sich beide Elternvögel um diese
wobei eine Aufteilung des Aufgaben vorgenommen wird. Meistens führt ein
Elternteil die Jungen, während der andere das Futter heranschafft. Größere
Bruten werden auf die Elternvögel verteilt wobei dann auch Jungvögel der
ersten Brut die Jungen mitführen. Überwiegend findet nur eine Jahresbrut
statt. Es kommen aber auch zweite und dritte Bruten vor. Oftmals werden
die Gelege von Bleßrallen geplündert, für die Haubentauchereier eine willkommene
Mahlzeit sind. Vor allem die frisch geschlüpften Küken werden oft von
Fischen (Hecht) und anderen Feinden (Fischotter, Fuchs und Reiher) erbeutet,
da sie sofort nach dem Schlüpfen auf das Wasser geführt werden.
Nahrung
Die Hauptbeute des Haubentauchers besteht aus Fischen. Wobei überwiegend
Oberflächenfische (Cypriniden) und Flussbarsche mit einer Länge von 10
bis 15 cm (max. 25 bis 27 cm) gefangen werden. Aber auch Insekten und
deren Larven, Spinnen, Frösche und ihre Kaulquappen, gelegentlich auch
Ringelnattern sowie Crustaceen stehen auf dem Speiseplan des Tauchers.
Auch Pflanzenreste (Früchte und Samen) werden gefressen. Haubentaucher
können im Maximum bis zu 40 m tief tauchen und 50 sec lang unter Wasser
bleiben. Normalerweise tauchen sie aber nur 2 bis 4 m tief und so ein
Tauchgang dauert weniger als 45 sec. Beim Schwimmen erreicht der Haubentaucher
4 bis 7 km/h. Von den Tauchgängen am Tage sind nur 5,0 % erfolgreich.
Deshalb wird vermutet, dass die Vögel hauptsächlich nachts fischen, um
dies zu kompensieren. Die Nahrung wird aber nicht nur tauchend erbeutet.
Auch von der Wasseroberfläche werden Insekten u.a. Beutetiere abgesammelt.
Der tägliche Nahrungsbedarf beträgt 200 g. Da alle Beutetiere vollständig
verschluckt werden, kommt es zur Bildung von Gewöllen aus unverdaulichen
Nahrungsbestandteilen. Deshalb nehmen die Vögel Federn auf, die sie sich
ausrupfen und auch an ihre Jungen verfüttern. So hat man im Magen eines
Kükens 300 Federn der Eltern gefunden. Die Federn führen zu Verklumpungen
und können diese können dann ausgewürgt werden.
Bestände
Einige Teile seines mitteleuropäischen Brutgebietes hat der Haubentaucher
erst in diesem Jahrhundert besiedelt (z.B. Westfalen und viele Alpenseen
der Schweiz und Österreichs).
In Deutschland brüten nach Schätzungen etwa 22.000 bis 32.000 Brutpaare
des Haubentauchers.
Wie die meisten Wasservögel wird auch der Haubentaucher von der „Freizeitgesellschaft"
gejagt. Badebetrieb und Wassersport in Ufernähe oder Sportangler im Schilfgürtel
stören die Brut. Bereits ein einzelner Segler reicht aus, um bis zu 90
% der Wasservögel im Umkreis von 500 Meter zu verscheuchen. Und schon
ein einzelner Angler kann zu einer Halbierung der Bestandsdichte brütender
Wasservögel führen. Die wirkungsvollste Maßnahme zum Schutz des Haubentauchers
ist die Sicherung geeigneter Lebensräume. Deshalb ist es insbesondere
an kleineren Gewässern notwendig geeignete Brut- und Ruhezonen auszuweisen,
in denen keine Freizeitaktivitäten erlaubt sind.
Aber auch strenge Winter können zu starken natürlichen Verlusten innerhalb
des Bestandes führen.
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 Foto: K. Rönsch, 07/2004, Müritz
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