Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris)
Ordnung:
Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Schwalben
(Hirundinidae)
Crag Martin (Crag Swallow) Die Felsenschwalbe
ist eine kleine und kräftige Schwalbe. Sie bewohnt felsiges
Gelände im Gebirge und ausnahmsweise auch Felsen an der Küste.
Die ariden Gebirge meidet sie. Über einige biologische Parameter
der Felsenschwalbe ist bisher noch wenig oder nichts bekannt. In
Deutschland kommt sie nur in Bayern einer kleinen Kolonie mit wenigen
Brutpaaren vor. In den anderen Bundesländern sind bisher nur
sehr selten einzelne Vögel nachgewiesen wurden. Vorkommen
Das Brutgebiet der Felsenschwalbe umfasst Nordwestafrika, die
Iberische Halbinsel, in Frankreich die Pyrenäen sowie Savoyen,
die Mittelmeerländer (einschließlich vieler Inseln),
Serbien und Bulgarien bis zur Donauebene, Palästina. Im Norden
verläuft die Grenze des Brutareals vom Kaukasus bis zum Kaspi-See,
über den Elbrus und den Altai bis in die Mongolei, über
den Himalaya nach China. In Mitteleuropa ist sie in den Alpen
ostwärts bis in die Steiermark und Kärnten verbreitet,
im Jura seltener und unregelmäßiger Brutvogel. Hauptsächlich
ist der Bestand in einer Höhe von 500 bis 1.000 m NN angesiedelt.
Die höchsten Brutorte liegen in Bayern bei 1.250 m und in Österreich
bei 2.000 m. In den bayerischen Alpen ist die Felsenschwalbe ein
unregelmäßiger Brutvogel, von dem rund 10 Brutplätze
bekannt sind, die allerdings sporadisch von wenigen Paaren genutzt
wurden. In der Schweiz ist die Art im gesamten Alpenraum verbreitet
und in Österreich brütet sie relativ häufig aber
zerstreut in den Zentral- und Südalpen. Aufgrund ihrer spezifischen
Standortansprüche sind die Brutkolonien nie sehr groß
und übersteigen selten 15 Brutpaare. Im Alpenraum sind 2 bis
4 Paare die Regel, die vielfach isoliert sind. An den Arealgrenzen
brüten in der Regel nur einzelne Paare. Wanderungen
Die Felsenschwalbe ist ein Strich- und Zugvogel, kann
aber auch Standvogel sein. Sie überwintert überwiegend
im südlichen Teil ihres Brutareals (portugiesische Küste,
Mittelmeerraum und Inseln), zieht aber auch bis zur Sahara, in den
Sudan und nach Äthiopien. Die südlichsten Nachweise stammen
aus Westafrika (Senegal und Mali). Überwinterungen sind aus
den Südalpen und Südostfrankreich bekannt. Auf dem
Zug sind Felsenschwalben mäßig gesellig und nur selten
mit anderen Schwalben vergesellschaftet. In geeigneten Winterquartieren
kann es dagegen zu großen Ansammlungen kommen (bis zu 3.000
Vögel). Der Wegzug beginnt Ende September bzw. Anfang
Oktober. Der überwiegende Teil der Brutvögel trifft Ende
März/Anfang April wieder im Brutgebiet ein. An den höheren
Brutplätzen kann dann noch eine beträchtliche Menge Schnee
liegen. Aussehen Die Felsenschwalbe wird
15 cm groß. Sie ist dunkel gefärbt mit graubraunem Obergefieder,
das unten in ein mattes grauweiß übergeht. Die Kehle
ist hell grauweißlich mit dunklen braunen Flecken. Die Füße
sind bräunlich fleischfarben und der Schnabel ist braunschwarz.
Das Flugbild der Felsenschwalbe unterscheidet sich von dem
der ähnlichen Uferschwalbe durch breitere Flügel und einen
plumperen Körper. Am kaum gegabelten, fast gerade abgeschnittenen,
dunklen Schwanz sind an der Schwanzspitze, aus der Nähe betrachtet,
weiße Punkte zu erkennen. Der Flugstil wirkt dynamisch und
mehr seglerartig. Die Felsenschwalbe ist verglichen mit den
anderen Schwalben nicht sehr ruffreudig, verfügt aber trotzdem
über ein umfangreiches Lautrepertoire. Dazu gehören Flug-
und Kontaktrufe, die schnurrend oder schilpend vorgetragen werden.
Beschrieben klingen sie wie „tschrip", „prrit" bzw. „trrip".
Ein in menschlicher Obhut aufgezogenes Weibchen erreichte ein
Alter von 9 Jahren. Nahrung Felsenschwalben
jagen dicht an den Felsen und fliegen dort geschickter und wendiger
als die Mehlschwalben. Sie ernähren sich fast ausschließlich
von Insekten und Spinnen, die sie im Flug innerhalb der näheren
Umgebung der Brutfelsen erbeuten. Den Hauptteil der Beute bilden
kleine Käfer und Tagfalter. Besonders bei Schlechtwetter
und außerhalb der Brutzeit werden Flüsse und Seen zur
Nahrungsaufnahme aufgesucht. Dabei wird der Aktionsradius auf 1,5
bis 3,0 km ausgedehnt. Brutbiologie Die
Felsenschwalbe ist ein Koloniebrüter, der seine Nester an Felswänden
baut. Besonders gern werden Steinbrüche als Brutplatz ausgewählt.
In der Nähe des Brutplatzes ist außerdem Wasser wichtig.
Die Ansiedlung an Kunstbauten (Viadukten, Klöster, Kirchen,
Ruinen, Seilbahnstationen, Staumauern und Straßentunneln)
erfolgt nur in der Nähe bereits vorhandener Brutplätze.
Bei der Wahl des Neststandortes spielt die Strukturierung (Nischen,
Spalten, Überhänge und Höhlungen) des Felsens eine
entscheidende Rolle. Der Felsen muss vor allem Windschutz garantieren.
Das oben völlig offene Nest gleicht in der Form dem der
Rauch- und in der Struktur dem der Mehlschwalbe. Es wird von beiden
Partnern aus Lehm, Schlamm, Mörtel, manchmal auch Kot bzw.
Kuhdung unter Einbau von Halmen, Moosen sowie Federn errichtet.
Die Innenauspolsterung besteht aus Federn, Moos, kleinen Halmen
und Würzelchen. Wenn die alten Nester nicht zu stark beschädigt
sind, werden diese vorrangig wieder benutzt oder ausgebessert.
Bei Gebäudebruten werden oft die Reste alter Mehlschwalbennester
als Unterlage benutzt. Die Felsenschwalbe zeigt ein ausgeprägtes
Territorialverhalten. Artgenossen (auch kleinere Trupps) und Mehlschwalben,
die oft mit ihnen Mischkolonien bilden sowie Flugfeinde (Sperber,
Wanderfalken, Bussarde und Milane) und Brutnachbarn anderer Vogelarten
(Hausrotschwanz, Mauerläufer, Bach- und Bergstelzen) werden
sofort angegriffen und über längere Flugjagden verfolgt.
Auch Menschen werden im Sturzflug attackiert. Die 3 bis 4 Eier,
die denen der Rauchschwalbe sehr ähneln (trüb weißlich,
mit wenigen rötlichen Flecken), bebrütet überwiegend
das Weibchen. Die Brutzeit beginnt in den Alpen Mitte Mai und dauert
14 bis 15 Tage. Die Nestlingszeit dauert 24 bis 28 Tage. Zwei bis
drei Wochen nach dem Ausfliegen werden die Jungen selbständig.
Im Gegensatz zu ihren Verwandten hat die Felsenschwalbe in
den bayerischen Alpen nur eine Jahresbrut, selten zwei. Ob es sich
dabei allerdings um Ersatzbruten bei Gelegeverlust handelt, ist
noch nicht geklärt. Bestand Trotz
fehlender großräumiger Untersuchungen scheint sich der
Bestand überregional kaum verändert zu haben. Bekannt
sind Brutplätze, die seit dem 19. Jh. immer noch genutzt werden.
Besonders an den Arealgrenzen scheinen kurzfristig starke Bestandsschwankungen
durchaus normal zu sein. Hier werden besonders Kleinkolonien neu
gegründet. In den letzten Jahren scheint sich vor allem
in Südeuropa ein Trend zum Brüten an Kunstbauten abzuzeichnen.
Der bayerische Bestand ist seit dem Hoch in den 60ziger Jahren
(15 bis 20 Brutpaare) einem negativen Trend ausgesetzt. |
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