Eichelhäher (Garrulus glandarius)
Common Jay Der Eichelhäher ist der "Waldvogel
des 20. Jahrhunderts" Die Benennung erfolgte
durch den Verein "Klimaschutz durch Wald". Damit soll
auf die besondere Bedeutung des Vogels für das Ökosystem
Wald hingewiesen werden. Als Angehöriger der Familie der Rabenvögel
ist kaum ein anderer Vogel bisher von Forstleuten, Jägern und
Zoologen widersprüchlicher beurteilt wurden. Neuerdings
kann der Eichelhäher auch zunehmend in den Waldgebieten der
Siedlungen (z.B. Parks und Friedhöfe) beobachtet werden. Dann
kann er auch seine Scheu, die er in den Wäldern zeigt, verlieren.
Vorkommen Der Eichelhäher fehlt
in Mitteleuropa nur in den waldfreien Gebieten. Besiedelt werden
sowohl Laub- und Misch- als auch Nadelwälder. In jüngster
Zeit siedelte er sich auch in den Parks, Grünanlagen und großen
Gärten der Städte an. Die Gebirgslagen besiedelt er bis
in ca. 1.600 m Höhe. Das Vorkommen der Häher ist
jedoch nur in bewaldeten Gebieten häufig, da die einzelnen
Brutpaare relativ große Reviere verteidigen und gegeneinander
sehr unverträglich sind. Durch die zunehmende Klimaerwärmung
konnte der Eichelhäher sein Brutareal nach Norden ausdehnen.
In Deutschland ist er Standvogel, der in manchen Wintern Gesellschaft
von Artgenossen aus dem Norden und Osten bekommt. In strengen Wintern
bekommt der Eichelhäher auch Gesellschaft von einer verwandten
Art, dem Tannenhäher Nucifraga caryocatactes.
Aussehen Der Eichelhäher ist 33 - 35 cm groß
und kann seine verlängerten Scheitelfedern bei Gefahr zu einer
markanten Federhaube aufstellen. Sein Gefieder weist eine rötlichgrau/braune
Grundfärbung auf, wobei der hellere Oberkopf schwarz gestrichelt
ist. Die schwarzen Flügel haben einen weißen Fleck und
weisen ein blau-weiß-schwarzes Flügelmuster im Schulterfeld
auf. Ein schwarzer Bartstreif hebt sich deutlich von der weißen
Kehle und dem Kinn ab. Der Schnabel ist hornfarben und die Beine
sind blassbraun bis fleischfarben. Das Flugbild des Eichelhähers
wird durch die breiten, gerundeten Flügel charakterisiert.
Dabei heben sich der schwarze Schwanz, der leuchtend weiße
Bürzel und die ebenfalls weißen Unterschwanzdecken deutlich
ab. Die leuchtend blauen Flügeldecken sind ein typisches Erkennungszeichen.
Der Flug des Hähers wirkt unsicher, mit ständigen
ruckartigen Flügelschlägen. Er ist ein typischer Kurzstreckenflieger,
der sich gern in der Deckung aufhält und freie Flächen
von Baum zu Baum fliegend überwindet. Die ältesten
Eichelhäher erreichten ein Alter von 17 Jahren. Der im
Frühjahr vorgetragene leise plaudernde Gesang ist mit vielen
glucksenden, krächzenden und auch miauenden Rufen durchsetzt.
Dabei ist der Eichelhäher ein ausgezeichneter Stimmenimitator.
Er kann z. B. das „Hiäh" des Bussards, Kauz- und Krähenrufe,
das Fiepen des Rehs, Hunde, Ziegen sowie das Knarren von Ästen
täuschend ähnlich nachahmen und in seinem Lied mit einbauen.
Sein markantes heiseres „Rätschen" wie „schräit"
oder „rätch", das jeden Menschen beim Betreten des Waldes
anmeldet, hat schon so manchen Jäger um seine Beute gebracht.
Dieses Verhalten brachte ihm auch die Spitznamen Markwart bzw. Holzschreier
ein. Aber auch seine Feinde Habicht, Sperber, Marder und Uhu sowie
auch andere Beutegreifer wie der Fuchs bzw. andere Rabenvögel
werden vom „Waldpolizisten" lautstark vermeldet. Von diesen
Warnungen, die vor allem den eigenen Artgenossen dienen, profitieren
allerdings auch die anderen Waldbewohner. Nahrung
Der Speisezettel des Eichelhähers ist wie bei allen
Rabenvögeln außerordentlich vielseitig. Dabei überwiegt
pflanzliche Nahrung, die sie gern auf Büschen und Bäumen
suchen. Sie besteht aus vielerlei Früchten und Samen, wie z.B.
Eicheln, Bucheckern, Haselnüssen, Bohnen, Erbsen, Mais, Kirschen
und vielerlei Beeren. Aber auch tierische Kost - kleine Mäuse
und Spitzmäuse, Reptilien (Eidechsen, Blindschleichen und kleine
Schlangen), Eier, Jungvögel sowie Insekten (z.B. Wespen und
Hornissen) - wird aufgenommen. Das ihm vorrangig zur Last gelegte
Plündern von Singvogelnestern erreicht nicht die Ausmaße,
wie oft beschrieben wird und rechtfertigt keine Verfolgung des Vogels,
da er auch lokal keine hohen Brutdichten erreicht. Einzelne Vögel
können sich allerdings z.B. auf das Ausräumen von Nestern
in Mehlschwalbenkolonien spezialisieren. Brutbiologie
Die in strenger Einehe lebenden Vögel bauen ihr Nest
zusammen in die Astgabeln von Bäumen und Büschen in 2,0
bis 5,0 m Höhe. Dabei werden dichter Wald oder Feldgehölze
als Standort bevorzugt. Ausnahmsweise erfolgt die Brut auch in Nischen
von Bauwerken und Gebäuden sowie in alten Spechthöhlen.
Das Nest besteht aus Reisern, die mit Wurzeln, Pflanzenbast, Tierhaaren
u.a. ausgepolstert werden. Die Bauzeit dauert 5 bis 12 Tage.
In der Brutzeit, die von Ende April bis Anfang Mai andauert, sind
die Vögel sehr heimlich. Das Legen der graugrünen bis
bräunlichen gefleckten Eier erfolgt erst, wenn das neue Laubwerk
bereits vollständige Deckung bietet. Die Brutdauer des
allein brütenden Weibchens, das während dieser Zeit großenteils
vom Männchen aus dem Kropf gefüttert wird, beträgt
für die 4 bis 7 Eier 16 bis 19 Tage. Nach weiteren 19 bis 21
(23) Tagen fliegen die Jungen aus. In dieser Zeit werden sie vor
allem mit tierischer Kost, besonders Blattwespen- bzw. Schmetterlingsraupen
(auch behaarte), Spinnen sowie wirbellosen Kleintieren, Eiern und
Jungvögeln versorgt. Die Nahrungsflüge der Eltern erreichen
dabei bis zu 1,2 km Entfernung vom Nest. Die Jungen werden erst
nach 6 bis 8 Wochen selbständig. Normalerweise erfolgt
nur eine Brut im Jahr. Bei Verlust der Brut sind aber Ersatzgelege
möglich. Etwa 50,0 % der Bruten kommen um. Zu den Hauptfeinden,
die Eier rauben bzw. die ausgeflogenen Jungen erbeuten, gehören
Marder, Eichhörnchen, Elstern, Krähen sowie Habicht und
Sperber. Der Freund des Försters
Jeder Eichelhäher sammelt im Herbst einen umfangreichen Vorrat
an Eicheln, Bucheckern, Haselnüssen und auch Ähren. Innerhalb
kurzer Zeit verschlingt er bis zu 12 Eicheln, die sich in seinem
Kropf ansammeln. Diese versteckt er am Waldrand oder auf Wiesen,
nachdem er die Eicheln aus dem Kropf wieder hervorgewürgt hat.
Dafür sucht er strukturierte, aber trotzdem trockene und mäßig
feuchte Stellen an Randlagen aus, an denen sich der Schnee nicht
zu lange hält. Hier vergraben sie ihre Beute mit dem Schnabel
- meistens einzeln - unter Laub und Nadeln oder im Moos. Noch nach
Monaten kann er sich anhand der Geländestruktur an einige dieser
Verstecke erinnern - aber nur an einige. Aus dem Rest treiben unter
günstigen Bedingungen wieder junge Eichen aus. Somit kann sich
der Wald auf natürliche Art und Weise verjüngen und zwar
an Stellen, wo er sich von allein nie aussäen könnte.
Nach Berechnungen schafften es 5 Vögel in einem Herbst ca.
200 000 Eicheln zusammenzutragen. Bis zu 5000 Eichensämlinge
im Jahr können auf diese Art und Weise keimen, das entspricht
in etwa einem Hektar Baumkultur. Die so gewachsenen jungen Bäume
bezeichnet man als Hähersaat. |

Foto: K.Rönsch, Dübener Heide, 03/2005
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